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Hollywood im Aufwind : Hoffnungsträger Horrorclown

Ein Werbeplakat für „Es“ in New York Bild: AFP

Die Filmindustrie hat in Amerika den schlechtesten Sommer seit Jahren hinter sich. Der erfolgreiche Start der Neuverfilmung von Stephen Kings „Es“ hellt jetzt aber die Stimmung auf.

          Der Bösewicht in Stephen Kings Gruselroman „Es“ aus dem Jahr 1986 kommt oft in Gestalt eines Horrorclowns daher. Er heißt Pennywise und versetzt eine amerikanische Kleinstadt in Angst und Schrecken. „Es“ ist eines der berühmtesten Bücher von King und wurde 1990 schon einmal fürs Fernsehen verfilmt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Jetzt gibt es auch eine Kinoversion, sie hatte am vergangenen Wochenende in Amerika ihre Premiere und kommt am 21. September auch in Deutschland heraus. Der Start in den Vereinigten Staaten hat Rekorde gebrochen. Der Film spielte am ersten Wochenende 117 Millionen Dollar ein, im üblicherweise nicht allzu starken Kinomonat September hat das noch keine andere Produktion jemals auch nur annähernd geschafft. Der bösartige Clown wird nun zum Hoffnungsträger für die ganze Branche. Denn die Sommersaison in den amerikanischen Kinos war katastrophal, und „Es“ soll jetzt die Wende einläuten.

          Sommermonate von immenser Bedeutung

          Die Sommermonate sind in Amerika für die Kinoindustrie von immenser Bedeutung. In dieser Zeit bringen die Hollywood-Studios reihenweise Filme heraus, die sie für Publikumsmagneten halten. Die Branche definiert die Sommersaison als den Zeitraum zwischen Anfang Mai und dem ersten Wochenende im September mit dem Feiertag „Labor Day“. Zwar kommen auch in den Schlussmonaten des Jahres Großproduktionen heraus, aber diese Zeit ist auch stark von Prestigefilmen geprägt, mit denen die Studios Hoffnung auf Auszeichnungen wie Oscars verbinden.

          In der abgelaufenen Sommersaison kamen nach Erhebungen des Branchendienstes „Boxofficemojo.com“ knapp 3,7 Milliarden Dollar in die amerikanischen Kinokassen. Das ist fast 18 Prozent weniger als im Vorjahressommer, und so niedrig waren die Einspielergebnisse seit 2005 nicht mehr. Um Inflation bereinigt ist es sogar das schlechteste Abschneiden in diesem Jahrtausend. Der miserable Sommer hat die Bilanz für das gesamte bisherige Kinojahr verhagelt, das eigentlich vielversprechend angefangen hatte. Seit Jahresbeginn sind die Branchenumsätze bis zum Start von „Es“ um fast 7 Prozent geschrumpft. Nach dem guten Ergebnis von Kings Verfilmung am Wochenende liegt das Minus jetzt noch bei 6 Prozent.

          Das beliebte Branchenrezept ging schief

          Das beliebte Branchenrezept, mit Fortsetzungen oder Neuverfilmungen auf bekannte Stoffe zu setzen, ging in den vergangenen Monaten regelmäßig schief. Die Neuauflage des Abenteuerfilms „Die Mumie“ mit Tom Cruise und eine Kinoversion der Fernsehserie „Baywatch“ zählten zu den größten Flops des Sommers. Auch neue Episoden von Filmreihen wie „Alien“ oder „Planet der Affen“ verfehlten die in sie gesetzten Hoffnungen. Nicht alle Fortsetzungen scheiterten. Der zweite Teil der Superheldenreihe „Guardians of the Galaxy“ gehörte mit einem Einspielergebnis von fast 390 Millionen Dollar zu den erfolgreichsten Filmen des Sommers. Noch besser schnitt mit knapp 410 Millionen Dollar nur „Wonder Woman“ ab, ebenfalls ein Superheldenfilm.

          Nicht jeder Film ist freilich ein finanzieller Reinfall, nur weil er auf dem amerikanischen Markt enttäuscht. Für die Hollywood-Studios wird nämlich das Auslandsgeschäft immer wichtiger, und in einigen Fällen wurden schwache Ergebnisse in Amerika durch ein starkes Geschäft in anderen Ländern wettgemacht. Beispielsweise brachte der dritte Teil des Zeichentrickfilms „Ich – Einfach unverbesserlich“ in Amerika deutlich weniger Geld ein als sein Vorgänger vor vier Jahren. Auf der ganzen Welt hat er aber sogar besser abgeschnitten und war mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Dollar der erfolgreichste Film des Sommers.

          Auch das Blatt in den Vereinigten Staaten kann sich in den nächsten Monaten noch wenden. Es werden noch reichlich Filme anlaufen, die das Potential haben, umsatzstarke „Blockbuster“ zu werden. Mit Spannung wird zum Beispiel eine Fortsetzung des Films „Blade Runner“ aus dem Jahr 1982 erwartet, außerdem steht eine weitere Episode der „Star Wars“-Reihe auf dem Programm. Horrorclown Pennywise hat jedenfalls dafür gesorgt, dass die Vorzeichen für den Rest des Jahres nach einem enttäuschenden Sommer gut sind.

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