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Der Finanzmarktbericht : Vertrauen in breiten Aufschwung wächst

Die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten erreicht neue Wärmegrade. Eine synchrone Erholung in Japan, Europa und Amerika scheint möglich. Von herbstlicher Kühle deshalb keine Spur.

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          Die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten erreicht neue Wärmegrade. Von herbstlicher Kühle keine Spur. Zahlreiche Aktienindizes erreichten in der vergangenen Woche neue Jahreshochstände. Ein synchroner Aufschwung, der sich über Amerika, Europa und Japan erstreckt, erscheint möglich. Noch allerdings bilden die Vereinigten Staaten den Zugwagen, ohne den die anderen nicht vorankommen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          In Amerika sorgt der Aufschwung jetzt auch für Arbeitsplätze und beruhigt all jene Akteure, denen dieses letzte Glied in der Kette eines breiten Aufschwunges gefehlt hatte. Im Oktober wurden in Amerika etwa doppelt so viele neue Stellen geschaffen, wie die Experten erwartet hatten. Gleichzeitig wurden die Angaben für frühere Monate nach oben revidiert. Diese Neuigkeiten gehen einher mit Produktionssteigerungen im Verarbeitenden Gewerbe.

          Über den Erwartungen

          Die Unternehmensergebnisse für das zurückliegende Quartal bestätigen die allgemeine Aufhellung. Von den 443 Unternehmen des S&P-500, die bis zum vergangenen Freitag ihre Quartalszahlen vorgelegt hatten, übertrafen nach Angaben von Reuters Research 65 Prozent die Erwartungen der Analysten.

          Die ersten Zentralbanken haben die Weichen neu gestellt. In der vergangenen Woche erhöhten die britische und die australische Notenbank erstmals seit etlichen Jahren die Zinsen. Wann die Fed und die Europäische Zentralbank folgen, ist noch umstritten. Nach den positiven Arbeitsmarktdaten in Amerika haben einige Auguren ihre Vorhersagen für die nächste Zinserhöhung durch die Fed nach vorne verlegt. Die Spanne der Prognosen reicht aber noch von März 2004 bis zu einem unbestimmten Zeitpunkt im Jahr 2005. Die Terminmärkte haben eine Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent für eine Zinserhöhung bis April 2004 eingepreist. Vor dem vergangenen Freitag mit der Bekanntgabe der guten Arbeitsmarktdaten waren das erst 70 Prozent.

          Zurückhaltende Zentralbanken

          Doch etliche Analysten warnen vor überzogenen Erwartungen. Alan Greenspan hat erst wieder in der vergangenen Woche signalisiert, daß eine Zinserhöhung noch nicht vor der Tür stehe. Diese Aussage paßt zu früheren Entscheidungen, als die Fed lange abwartete, bis sie sich der Nachhaltigkeit des Aufschwunges sicher war. In Europa schleichen sich zwar gewisse Inflationssorgen ein, wie die Nachfrage nach inflationsgesicherten Staatsanleihen zeigt. Die realwirtschaftliche Erholung steht aber noch auf unsicheren Füßen, unterstrich der neue EZB-Präsident Jean-Claude Trichet in der vergangenen Woche.

          Die wachsende Zuversicht hat die Käufer am Aktienmarkt mutiger gemacht, auch wenn man an der Wall Street zuletzt etwas vorsichtiger geworden ist. Trotz der guten Arbeitsmarktmeldungen fielen am vergangenen Freitag die Standardaktien. Für diese Woche erwarten manche Beobachter eine Seitwärtsbewegung, weil neue aufregende Meldungen ausbleiben könnten. Nicht zu vergessen ist auch, daß die bekannten Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft weiter vorhanden sind: Die hohe Verschuldung der privaten Haushalte in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien, die für eine weitere Steigerung der Konsumausgaben wenig Raum läßt. Daher müssen nun die Unternehmen mit Investitionen einspringen.

          Gebremste Dollarabwertung

          Wenn America Inc. größere Verkaufserfolge feiern könnte, sänke auch das notorisch hohe Leistungsbilanzdefizit. Die Unterstützung durch einen schwächeren Dollar ist zuletzt jedoch geschwunden. Vor dem Hintergrund der guten Wirtschaftsmeldungen ist der Dollar gegenüber dem Euro in der vergangenen Woche auf ein Monatshoch von 1,13 Dollar je Euro geklettert. Vor zwei Wochen war der Euro noch 5 Cent teurer. Auch gegenüber dem Yen und dem Schweizer Franken kletterte die amerikanische Währung. Die Rechnung, nach der die G-7-Länder mit ihrer Erklärung von Dubai im September erfolgreich eine Abwertung des Dollar eingeleitet haben, hat an Kraft verloren.

          Staatsanleihen nicht gefragt

          Auf dem Markt für Staatsanleihen herrscht indes Bärenstimmung. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe aus den Vereinigten Staaten kletterte am vergangenen Freitag auf den höchsten Stand seit zwei Monaten. Nur Unternehmensanleihen bieten eine Ausflucht für die Festzins-Investoren. Die besseren Unternehmensergebnisse steigern die Kreditsicherheit. Daher ist der Renditeabstand gegenüber Staatsanleihen zuletzt deutlich gefallen. Der FTSE-Euro-Bondindex für Unternehmensanleihen ("investment grade") hat vergangene Woche nur noch 67 Basispunkte mehr Rendite als Staatsanleihen ausgewiesen. Vor einem Jahr war der Abstand noch mehr als doppelt so hoch.

          Auch Unternehmen mit schwächerer Kreditwürdigkeit nutzen die Nachfrage. Nach Angaben von Thomson Financial nahm die Ausgabe von Hochzinsanleihen in Euro in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 168 Prozent zu. Das deutsche Unternehmen Jenoptik setzte in der vergangenen Woche ein Zeichen, indem es kurzfristige Bankschulden durch länger laufende Hochzinsanleihen ersetzte. Trotz der Steigerungen liegt der Euro-Hochzinsmarkt aber noch weiter hinter den Vereinigten Staaten zurück. Das Emissionsvolumen beträgt nur 7 Prozent des amerikanischen Marktes.

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