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Der Finanzmarkt-Bericht : Die Anleger am Aktienmarkt werden vorsichtiger

An den Aktienbörsen haben viele Anleger angesichts des erreichten Kursniveaus Bedenken bekommen. Die Staatsanleihen und auch der Goldpreis profitieren davon.

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          An den Aktienbörsen haben viele Anleger angesichts des erreichten Kursniveaus Bedenken bekommen. Die Staatsanleihen und auch der Goldpreis profitieren davon. Sind die guten Nachrichten aus dem Unternehmenssektor schon in den Aktienkursen enthalten? Zudem bereitet weltwirtschaftlich die Talfahrt des Dollar Sorgen. Wird sie die zarten Anzeichen einer Erholung in Europa und Japan bald ausradieren? Bei soviel Unsicherheit entschieden sich die Anleger in der vergangenen Woche überwiegend gegen Aktien. Japan und Hongkong erlebten den schärfsten Tageseinbruch seit den amerikanischen Terroranschlägen vor zwei Jahren. In Tokio beendeten die Aktien die Woche mit einem Minus von 6,4 Prozent. So weit sanken die Kurse in Amerika und Europa zwar nicht. Doch auch dort fiel die Wochenbilanz insgesamt negativ aus.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Von den Gewinnmitnahmen am Aktienmarkt profitierten weltweit die Staatsanleihen und nicht zuletzt der Goldpreis. Amerikanische Treasuries erlebten die erste Woche mit Kursanstiegen seit einem Monat. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe fiel um 16 Basispunkte. Auch europäische Titel wie die Bundesanleihe beendeten die Woche mit Renditeverlusten. Die zehnjährige deutsche Bundesanleihe rentiert jetzt wieder bei 4,26 Prozent.

          Der Goldpreis kam in die Nähe eines Siebenjahreshochs, was mit der Dollarschwäche und mit höherer Nachfrage in Asien erklärt wurde. Bald könnte er die Grenze von 400 Dollar je Feinunze durchbrechen, sagen manche Händler.

          Suche nach Gewißheit

          In dieser Woche wird sich die Aufmerksamkeit wieder stärker den volkswirtschaftlichen Daten sowie der amerikanischen Zentralbank zuwenden, die am Dienstag über die Zinsen entscheidet. Am gleichen Tag gibt es neue Daten zum amerikanischen Verbrauchervertrauen und am Donnerstag die ersten vorläufigen Zahlen zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal. Die Anleger suchen nach der Gewißheit, daß der Aufschwung nachhaltig ist. Gleichzeitig soll er aber auch nicht so kräftig ausfallen, daß die Zinsen bald wieder steigen müssen. Was die Aussichten steigender Kreditkosten auslösen können, ließ sich in der vergangenen Woche in Großbritannien studieren: Nachdem die Währungshüter dort überraschend signalisiert hatten, daß die nächste Zinssenkung schon im November kommen könnte, vollzogen die britischen Aktienkurse eine Kehrtwende und beendeten die Woche mit einem Minus von 2,4 Prozent im FTSE-100.

          Diese Skepsis der Aktienanleger hat indes auch etwas Gesundes. Die Investoren wissen, daß jede Rally ihre Pausen braucht. In Amerika liegt der S & P 500 in diesem Jahr immerhin schon mit 17 Prozent im Plus, der Nasdaq mit 40 Prozent und der Dow-Jones-Index mit 15 Prozent. Das Innehalten der Investoren in der vergangenen Woche dürfte die amerikanische Zentralbank in ihrer Ansicht bestärken, daß vorerst keine Überhitzung droht. Der Aufschwung kann noch eine Zeitlang billiges Geld gebrauchen. Ungenutzte Kapazitäten sind ausreichend vorhanden, was allein in niedrigen Inflationszahlen zum Ausdruck kommt. Einstimmig tippen die Analysten in Umfragen daher gegen eine Zinserhöhung der Fed am Dienstag.

          Die Mehrheit von fast hundert von Bloomberg befragten Experten sieht einen Zinsschritt frühestens im kommenden Frühjahr. Fraglich ist jedoch der genaue Zeitpunkt. Daher wird die Stellungnahme der amerikanischen Währungshüter nach entsprechenden Anhaltspunkten durchsucht werden. Analysten von Morgan Stanley und Goldman Sachs glauben, daß die Europäische Zentralbank die Zinsen im nächsten Jahr noch vor der Fed erhöhen werde.

          Neue Unternehmensergebnisse

          In Europa stehen in dieser Woche viele neue Unternehmensergebnisse an. Dennoch wird sich der Blick auch immer wieder auf die Vereinigten Staaten richten. Europa braucht die Konjunkturlokomotive Amerika, die im dritten Quartal nach Schätzung der meisten Analysten um 6 Prozent gewachsen ist - der größte Anstieg seit dem Wachstum von 7,1 Prozent im vierten Quartal 1999. Dafür aber darf der Dollar nicht zu weit fallen, denn sonst sinken die Einnahmen aus dem Exportgeschäft. Nach Schätzung der Analysten von UBS werden die Umsätze der 300 europäischen Unternehmen im Index FTSE-Eurotop (außerhalb des Ölsektors) in diesem Jahr um durchschnittlich 3 Prozent sinken. In den beiden Vorjahren hingegen sind sie um jeweils 2 Prozent gewachsen.

          Freilich haben die Unternehmen kräftig Kosten gesenkt, und angesichts der günstigen Zinsen profitieren sie zudem von niedrigen Kreditausgaben. Die Analysten von UBS erwarten, daß die Gewinne der europäischen Konzerne 2003 um knapp 18 Prozent steigen werden, nachdem sie im Vorjahr um fast 9 Prozent gefallen waren. Die Aktienmärkte hätten die besseren Aussichten noch nicht genügend in den Kursen reflektiert. Weil die Werte im FTSE-Eurotop derzeit bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,5 (bezogen auf die Reingewinne von 2004) notierten, bestehe ein Spielraum von mindestens 10 Prozent nach oben, sagen optimistische Analysten wie jene von UBS. Die Skeptiker sind nicht verschwunden - Merrill Lynch etwa sieht den DJ Euro-Stoxx 50 in einem Jahr 6,5 Prozent unterhalb des heutigen Niveaus. Doch sie befinden sich in der Minderheit.

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