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Der Dollar wertet ab : Was der Höhenflug des Euro bedeutet

Geldbündel liegen auf einem Tisch. Bild: dpa

Es wäre verlockend, die momentane Euro-Stärke als Bestätigung der Brüsseler Krisenpolitik zu sehen. Doch eine andere Sichtweise legt nahe, dass die Gemeinschaftswährung eher von der Schwäche des Dollar profitiert.

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          Es sind Tage der Rekorde an den Finanzmärkten der Welt. Nicht nur der Goldpreis hat zum Wochenbeginn sein lange unangetastetes Allzeithoch von 2011, dem Finanz- und Euro-Krisen-Jahr, übertroffen, am Dienstag ist er noch weiter gestiegen. Auch der Euro zeigt sich im Verhältnis zum Dollar stark wie lange nicht mehr. Der Wechselkurs erreichte am Montag den höchsten Stand seit dem September 2018 – immerhin. Beides hängt zumindest teilweise zusammen: Weil Gold überwiegend in Dollar gehandelt wird, bedeutet eine eher schwache amerikanische Währung international eine stärkere Nachfrage nach Gold – und damit Rückenwind für den Goldpreis.

          Spürbar zugelegt

          Klar, dass ein solcher Höhenflug des Euros nun auch daraufhin in den Blick genommen wird, ob man daraus gleichsam Noten für Europa und die Vereinigten Staaten im Umgang mit der Corona-Krise ablesen kann. Das sähe dann gut aus für Europa, schlecht für Amerika. Ganz so einfach ist es wohl nicht. Dennoch ist nicht zu verkennen, dass der Euro nach der Entscheidung des Europäischen Rates für ein Billionen-Finanzpaket in der vergangenen Woche spürbar zugelegt hat. Am Devisenmarkt wurde das so gedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Eurozone unter den Krisenlasten zerbrechen werde, weiter abgenommen hat. Dazu passt, dass die Risikoaufschläge etwa für italienische Staatsanleihen gegenüber der deutschen Bundesanleihe zurückgegangen sind.

          Betrachtet man allerdings die Veränderungen der Wechselkurse von Dollar und Euro zu anderen Währungen, ergibt sich ein gemischtes Bild. Überwiegend, so schätzen es zumindest Devisenfachleute aus deutschen Banken ein, ist die Stärke des Euros im Moment eine Schwäche des Dollars. Die Angst vor einer zweiten Corona-Welle in Amerika treibt offenbar auch die Devisenmärkte um. Dabei wird der Wechselkurs des Dollars einerseits durch die Aussicht auf weitere Schritte der amerikanischen Notenbank Fed zur Dämpfung der amerikanischen Zinsen belastet, andererseits durch die Unsicherheit rund um weitere staatliche Finanzhilfen.

          Manche Ökonomen meinen nun, aus dem schwachen Wechselkurs der amerikanischen Währung sogar das Ende des Dollars als Weltleitwährung ablesen zu können. In dieser Hinsicht jedoch hat sich der Dollar bisher als außerordentlich langlebig erwiesen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

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