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Nachhaltige Anlagen : Der Dax bekommt einen grünen Bruder

Eon-Kraftwerk im Gelsenkirchener Stadtteil Scholven: Wegen dem CO2-Ausstoß gehören Versorger wie Eon oder RWE nicht dem Dax-ESG an. Bild: dpa

Der wichtigste Index für den deutschen Aktienmarkt wird in seiner nachhaltigen Variante Unternehmen nach ihrem CO2-Ausstoß gewichten: je weniger, desto besser.

          3 Min.

          Der deutsche Aktienindex Dax ist der Referenzwert für die Lage am deutschen Aktienmarkt. Das wird bis auf Weiteres so bleiben, auch wenn im September der Dax von 30 auf 40 Werte aufgestockt wird. Daran rütteln die Investoren nicht, die sich aber künftig auch an einem grünen Bruder des Dax orientieren können. Das ist der von der Deutschen Börse und ihrer für die Börsenindizes zuständigen Tochtergesellschaft Qontigo entwickelte Dax ESG Target Net Return, der ebenfalls 30 Werte wie der große Bruder umfasst, aber dann doch einige wichtige Unterschiede aufweist. Das Kürzel ESG hat sich im Finanzmarkt inzwischen für die Kennzeichnung nachhaltiger Anlagen durchgesetzt und steht für die englischen Begriffe Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (gute Unternehmensführung).

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Mit dem neuen ESG-Index geht es uns darum, dem Markt eine neue Referenz auf Basis der Nachhaltigkeit anzubieten, die gleichzeitig sehr nahe am klassischen Dax liegt“, erläutert Stephan Leithner, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse, im Gespräch mit der F.A.Z. das Konzept. In dem neuen Index komme die Nachhaltigkeit nicht zu kurz, weil der Dax ESG Target gegenüber dem klassischen Dax einen um mindestens 30 Prozent niedrigeren CO2-Ausstoß aufweisen müsse.

          Blackrock legt ETF auf

          Unternehmen, die aufgrund ihrer ESG-Ratings nicht aufgenommen werden können, werden nach Angaben von Leithner durch andere Unternehmen aus dem M-Dax oder dem Tec-Dax ersetzt. „Konkret sind Eon, RWE und MTU nicht enthalten, dafür sind Brenntag, Symrise und Zalando in den Index aufgenommen worden.“ Den Dax-ESG-Target-Index verwendet der amerikanische Vermögensverwalter Blackrock als Referenzwert für einen neuen passiven Indexfonds (Exchange Traded Fund, ETF). Der iShares Dax ESG Ucits ETF wird an diesem Donnerstag an der Frankfurter Börse notiert.

          „Wir reagieren mit diesem Produkt auf das steigende Interesse der Investoren an nachhaltigen Anlagen“, sagt Dirk Schmitz, Deutschland-Chef von Blackrock, im Gespräch mit der F.A.Z. Im ersten Quartal seien rund 20 Milliarden Euro neue Gelder in die ESG-Produkte von Blackrock geflossen, berichtet er. Der Dax-ESG-ETF soll nach Angaben von Schmitz in seiner Wertentwicklung maximal nur um 1,5 Prozent vom klassischen Dax abweichen. In der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass die Wertentwicklung der ESG-Variante besser als die des klassischen Index gewesen sei.

          Bild: F.A.Z.

          „Wir wollen mit dem Dax-ESG-ETF aber auch den Altbeständen ein nachhaltiges Produkt anbieten. „In unserem klassischen Dax-ETF liegen 7 Milliarden Euro, die nun auch in dem neuen Produkt angelegt werden können“, sagt Schmitz, der den Dax-ESG-ETF mit einer Verwaltungsgebühr von 0,12 Prozentpunkten für sehr wettbewerbsfähig hält. Für Deutsche-Börse-Vorstandsmitglied Leithner ist ein intensiver Dialog mit Vermögensverwaltern, die wiederum in engem Kontakt mit den einzelnen Investoren stehen, selbstverständlich. Und hier gab es wohl großes Interesse an einer nachhaltigen Dax-Variante.

          Schon im vergangenen Jahr hatte die Börse den Dax-50-ESG-Index vorgestellt. Dieser bietet nach den Worten Leithners eine breitere Perspektive. „Nun ging es uns darum, einen nachhaltigen Index mit einer engeren, dem klassischen Dax 30 vergleichbaren Auswahl zu entwickeln.“ Im Dax-50-ESG-Index ist zum Beispiel Volkswagen nach dem Dieselskandal nicht enthalten. Die Versorger RWE und Eon bleiben sowohl im Dax-50-ESG als auch im Dax-30-ESG-Target außen vor, weil sie auf Kohle- oder Atomkraft setzen.

          Der Triebwerkbauer MTU Aero Engines schafft es ebenfalls nicht in die beiden Indizes, weil das Rüstungsgeschäft eine zu große Bedeutung hat. Dagegen schafft es VW, wohl auch wegen der Offensive in der Elektromobilität, zumindest in den Dax-30-ESG-Target. Es ist bekannt, dass das für die ESG-Bewertung zuständige Analysehaus Sustainalytics die Governance in Wolfsburg eher skeptisch beurteilt.

          Leithner ist überzeugt, dass der klassische Dax das wichtigste Stimmungsbarometer am deutschen Aktienmarkt bleiben wird. „Der Markt ist weiterhin auch an der klassischen Referenz, also an dem nach der Marktkapitalisierung gewichteten Dax interessiert.“ Jedoch wollen immer mehr Investoren inzwischen eine nachhaltige Variante, in der nach Angaben Leithners Unternehmen mit niedrigem CO2-Ausstoß höher gewichtet werden. Der ESG-Index werde regelmäßig überprüft und gegebenenfalls nachgeschärft. Wenn der Dax im September auf 40 Werte erweitert wird, kommen auch in der ESG-Variante zehn neue Werte hinzu.

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