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: Der Anstieg der Preise für Rohöl beunruhigt die Märkte

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jul. FRANKFURT, 13. Januar. Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent ist auch am Donnerstag nur knapp unter 100 Dollar je Barrel (159 Liter) geblieben. Im Tagesverlauf kostete ein Barrel zeitweise 98,66 Dollar - dies war der höchste Stand seit September 2008.

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          jul. FRANKFURT, 13. Januar. Der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent ist auch am Donnerstag nur knapp unter 100 Dollar je Barrel (159 Liter) geblieben. Im Tagesverlauf kostete ein Barrel zeitweise 98,66 Dollar - dies war der höchste Stand seit September 2008. Am späten Nachmittag lag die Notierung bei 97,90 Dollar.

          Als Auslöser des Preisanstiegs nannten Marktteilnehmer eine höhere Nachfrage aus den Vereinigten Staaten und ein größeres Interesse von Finanzinvestoren. "Wirtschaftlicher Optimismus, wachsende Risikobereitschaft und ein florierender Kapitalmarkt lassen die Preise steigen", hieß es bei der Commerzbank.

          Die amerikanische Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) notierte am Donnerstag zeitweise bei mehr als 92 Dollar je Barrel, nachdem der Preis am Mittwoch im elektronischen Handel der New Yorker Warenterminbörse (Nymex) um 75 Cent auf 91,86 Dollar gestiegen war. Dies war der höchste Schlusskurs seit Oktober 2008. Nun schauen die Marktteilnehmer auf den Freitag, wenn der aktuelle Terminkontrakt auf Öl ausläuft.

          Seit sechs Wochen fallen die Rohölvorräte der Vereinigten Staaten, berichtete die Nachrichtenagentur dapd. Dies deutet auf einen Anstieg des amerikanischen Konsums hin. Im Nordosten der Vereinigten Staaten tobt der zweite große Schneesturm dieses Winters, dies lässt die Nachfrage nach Öl zusätzlich steigen. Kürzlich hatte die Internationale Energieagentur (IEA) die Prognose für die Rohöl-Nachfrage erhöht und vorausgesagt, die weltweite Nachfrage werde bis 2015 um durchschnittlich 1,6 Prozent im Jahr wachsen. Auf lange Sicht werde ein steigender Energieverbrauch in China und Nordamerika die Preise steigen lassen.

          Ein weiterer Anstieg der Notierungen könnte die Erholung der Weltwirtschaft bremsen, wenn die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) dem Markt nicht mehr Öl zukommen lässt. "Wenn die Opec verantwortlich handelt, wird sie ihre Öl-Fördermengen in diesem Jahr erhöhen", sagte Sabine Schels, Rohstoffanalystin von Merrill Lynch. In der aktuellen Lage bleibe der Organisation im Grunde gar nichts anderes übrig, als ihre Produktion anzukurbeln. Geschehe das nicht, könne sich die Lage ähnlich wie im Jahr 2008 verschärfen. Damals war der Ölpreis für Brent auf fast 150 Dollar je Barrel geklettert, bevor er Ende 2008 bis auf rund 36 Dollar eingebrochen war.

          Die steigenden Notierungen für Rohöl wirken sich auch auf das Preisniveau in Deutschland aus. Im vergangenen Jahr sind die Großhandelspreise um 5,9 Prozent gestiegen, so stark wie seit 30 Jahren nicht mehr, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Als ein Hauptgrund wurde die Verteuerung von Mineralölprodukten und Brennstoffen genannt. Die Großhandelspreise geben die Preise im Einzelhandel vor und gelten somit als Frühindikator für die Entwicklung der Lebenshaltungskosten. Auch der schwache Euro lässt die Benzinpreise in Deutschland steigen. Da Rohöl in Dollar gehandelt wird, verteuert sich Rohöl auf dem europäischen Markt, wenn der Euro gegenüber dem amerikanischen Dollar an Wert verliert.

          Und auch die deutschen Autofahrer bekommen die steigenden Ölpreise zu spüren. Mit teilweise 1,502 Euro ist ein Liter Superbenzin so teuer wie seit Sommer 2008 nicht mehr, als es ein Rekordhoch von 1,585 Euro je Liter erreicht hatte. Laut ADAC kostete der Liter Superbenzin in München am Vormittag bis zu 1,529 Euro. Auch in Berlin und anderen Städten sei der Liter Superbenzin an einzelnen Stationen teurer als 1,50 Euro gewesen. Es gebe allerdings viele Tankstellen, an denen der Preis darunter liege.

          Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat angesichts der steigenden Benzinpreise eine Kampfansage an die Mineralölkonzerne gerichtet. Diese müssten sich "warm anziehen und begründen, warum die Preise steigen", sagte Ramsauer am Donnerstag. Beim ADAC hieß es dagegen: "Die Benzinpreise sind unserer Ansicht nach einen Tick zu hoch, aber man kann noch nicht von Abzocke reden."

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