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Neue Anleihen : Der Inflationssorgen entledigt

Hat derzeit viel Erklärungsbedarf: Jerome Powell, Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Bild: Reuters

Am Anleihemarkt sind höhere Teuerungsraten in den Renditen längst eingepreist.

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          Noch im Mai haben Inflationssorgen die Finanzmärkte beherrscht. Das gilt vor allem für den Anleihemarkt, an dem die als Referenzzinsen geltenden Renditen der zehnjährigen amerikanischen und deutschen Staatsanleihen mit 1,7 Prozent oder minus 0,1 Prozent vergleichsweise hoch lagen. Doch inzwischen sind die Renditen wieder gesunken, was am Anleihemarkt mit steigenden Kursen verbunden ist. Die zehnjährige Rendite der US-Titel liegt nun bei 1,345 Prozent, die der Bundesanleihe bei minus 0,282 Prozent. Das ist noch immer hoch: Im August 2020 rentierten Treasurys noch mit 0,5 Prozent. Im November 2020 lag die entsprechende Rendite der Bundesanleihe auf minus 0,64 Prozent. Jedoch signalisieren die vor allem in der zweiten Junihälfte gesunkenen Renditen eine Entspannung hinsichtlich der Inflationssorgen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach Ansicht von Steven Major, Chefstratege für Anleihen der britisch-asiatischen Großbank HSBC, könnten die Anleihemärkte ihre Renditehochs in diesem Jahr schon erreicht haben. Das Renditehoch im März sei Ausdruck starker Konjunkturzuversicht verbunden mit Inflationssorgen gewesen. Dagegen seien niedrige Renditen wie im vergangenen Sommer auf die Skepsis rund um die Pandemie zurückzuführen. Doch als die amerikanische Inflationsrate im Mai 5 Prozent erreicht hatte, waren die Renditen schon wieder auf dem Rückzug. Für Major ist das ein Zeichen dafür, dass der Markt die höheren Teuerungsraten in den Anleiherenditen schon davor längst eingepreist habe.

          Dazu haben auch die Notenbanken beigetragen, die dem Markt ihre Bereitschaft zu unterstützenden Maßnahmen zugesichert haben. Vor allem die Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) spielten die Inflationssorgen runter, indem sie den vorübergehenden Effekt des Preisanstiegs betonten.

          Die Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve wollen dagegen mit der Diskussion über eine mögliche Drosselung der Anleihekäufe beginnen. Dabei werden sie auch die Gelder im Blick haben, die Banken in der Übernachtfazilität bei ihr parken. Ende Juni sind diese auf das Rekordhoch von fast einer Billion Dollar gesprungen. Die Banken geben ihre überschüssige Liquidität an die Fed zurück, was als Spielraum für eine Drosselung der Anleihekäufe gewertet werden kann.

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