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Drittgrößter Platinförderer : Der krisengeschüttelte afrikanische Konzern Lonmin wird verkauft

Im letzten Moment gerettet: Der südafrikanische Platinförderer Lonmin wird an den Bergbaukonzern Sibanye-Stillwater veräußert. Bild: EPA

Das traditionsreiche Unternehmen Lonmin wird für 323 Millionen Euro an den Bergbaukonzern Sibanye-Stillwater verkauft. Es gleicht einer Rettung in letzter Minute.

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          Eigentlich hätte die Nachricht in Südafrika für viel Gesprächsstoff sorgen müssen. Doch der Skandal um den Möbelhersteller Steinhoff und das letzte Gefecht von Staatspräsident Jacob Zuma auf dem Parteitag der Regierungspartei ANC überschatten gerade alles andere. Lonmin, der drittgrößte Platinförderer der Welt, wird vom südafrikanischen Bergbaukonzern Sibanye-Stillwater übernommen. Traurige Berühmtheit erlangte Lonmin 2012, als in der Platingrube Marikana 34 streikende Arbeiter von der Polizei erschossen wurden. Das Ereignis stürzte das damals schon angeschlagene Unternehmen in eine Krise, von der es sich bis heute nicht erholt hat.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Die Transaktion dürfte eine Rettung in letzter Minute sein. Im Mai hatte Lonmin in den Geschäftszahlen zum Halbjahr einen Vorsteuerverlust von knapp 200 Millionen Dollar (170 Millionen Euro) ausgewiesen, fast zehnmal so hoch wie im Vorjahr. Der Vorstandsvorsitzende Ben Magara warnte, man werde wegen des gesunkenen Börsenwerts die Vereinbarungen mit den Gläubigerbanken womöglich nicht mehr einhalten können. Binnen fünf Jahren hat die Aktie mehr als 96 Prozent im Kurs verloren, seit zwei Jahren dümpelt sie auf niedrigstem Niveau dahin.

          Die Kombination beider Unternehmen bilde nun eine „stärkere Plattform“ für die Lonmin-Aktionäre, sagte Magara. Die Präsenz in unterschiedlichen Ländern und die Förderung verschiedener Rohstoffe seien positiv. Sibanye-Stillwater ist ein Gold-, Platin- und Palladiumschürfer, der auch in den Vereinigten Staaten Minen betreibt. Die Aktionäre sollten das Angebot daher annehmen. Sibanye bietet für eine Lonmin-Aktie 0,967 Sibanye-Stillwater-Aktien. Dies entspricht einem Aufschlag von 57 Prozent auf den Börsenkurs am Tag vor der Offerte und bewertet das Unternehmen mit umgerechnet 323 Millionen Euro.

          Rowland erwarb sich den Ruf eines knallharten Unternehmers

          Die Übernahme bedeutet das Ende einer Unternehmensgeschichte, die vor mehr als 100 Jahren im südlichen Afrika begann und immer wieder für viel Aufsehen sorgte. Der legendäre Direktor des damals Lonrho genannten Unternehmens, Tiny Rowland, hatte von den sechziger Jahren an ein mächtiges Konglomerat aus Hunderten Unternehmen zusammengestellt, das von Bergwerken in Afrika bis zu Hotels, Autohändlern, Textilunternehmen, Brauereien und der britischen Zeitung Observer reichte. Rowland, ein verwegener Typ mit einem deutschen Vater, machte Schlagzeilen, als er sich über Jahre hinweg ein erbittertes Gefecht mit dem seinem früheren Geschäftspartner Mohamed Al-Fayed um das Londoner Nobelkaufhauses Harrods lieferte. Er hatte auch den Ruf eines skrupellosen Unternehmers, insbesondere, wenn es um seine Interessen in Afrika ging. Der frühere britische Premierminister, Edward Heath, nannte ihn einmal das „unerträgliche Gesicht des Kapitalismus“.

          Später zerfiel das Konglomerat und wurde kurz vor Rowlands Tod schließlich aufgespalten: in die heute nicht mehr börsennotierte Investitionsgesellschaft Lonrho und den Minenkonzern Lonmin. Mit der Übernahme durch Sibanye-Stillwater verabschiedet sich nun auch Lonmin von der Börse. Der Hauptsitz im Londoner Nobelviertel Mayfair wird geschlossen.

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