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Drittgrößter Platinförderer : Der krisengeschüttelte afrikanische Konzern Lonmin wird verkauft

Die Weltfinanzkrise und der Dieselskandal drückten auf die Unternehmensbilanzen

Der Niedergang ist nicht nur dem Marikana-Massaker geschuldet. Der Versuch des früheren Managements zu einer mechanisierten Förderung überzugehen, endete in einem betriebswirtschaftlichen Fiasko. Kurz danach kam die Weltfinanzkrise, und der Platinpreis fiel von mehr als 2.000 Dollar je Feinunze im Jahr 2008 auf heute weniger als 900 Dollar. Zuletzt drückte der Dieselskandal – Platin wird in Abgaskatalysatoren für Dieselfahrzeuge verwendet – noch zusätzlich die Nachfrage.

Obwohl der heutige Vorstandsvorsitzende ein Zimbabwer ist, wurde Lonmin außerdem seinen Ruf als Unternehmen britischer Kolonialherren nicht los. Das Verhältnis zur südafrikanischen Regierung und zu den Gewerkschaften war immer angespannt. Nur zwei Jahre nach dem Marikana-Massaker folgte ein fünf Monate langer Arbeitskampf in Südafrikas Platinbranche, der längste in der Geschichte des Landes. Erst vor kurzem drohte das Bergbauministerium mit dem Entzug der Förderlizenz, weil Lonmin angeblich die Auflagen für Sozialprogramme nicht erfüllt.

Magara hatte über Jahre hinweg zwar mit immer neuen Sanierungsprogrammen, Vermittlungsgesprächen und mehreren Kapitalerhöhungen versucht, den Konzern zu retten. Doch die Anstrengungen reichten nicht. In der Kapitalerhöhung 2015 mussten die frischen Aktien schon mit einem Rabatt von 94 Prozent angeboten werden. Im vergangenen Jahr bildete das südafrikanische Wirtschaftsmagazin „Financial Mail“ einen Grabstein mit der Aufschrift Lonmin auf der Titelseite ab.

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Sibanye-Stillwater kann seine Macht ausbauen

Für den Chef von Sibanye-Stillwater, Neal Froneman, wiederum ist die Übernahme ein weiterer Schachzug, um das Unternehmen als einen der führenden Gold- und Platinförderer der Welt zu etablieren. Sibanye entstand 2012 aus der Abspaltung von Goldminen des Förderers Gold Fields. Seitdem expandierte das Unternehmen kräftig, steigerte den Kurs an der Börse anfangs kräftig. Insbesondere die Schwierigkeiten in der Platinbranche betrachtet Froneman als Chance. Als der Marktführer Anglo Platinum Käufer für mehrere Bergwerke suchte, griff er zu und übernahm fast gleichzeitig auch den Platinförderer Aquarius. Vor einem Jahr folgte die Milliarden-Übernahme des amerikanischen Palladium- und Platinproduzenten Stillwater für umgerechnet knapp 1,9 Milliarden Euro.

Der bullige Sibanye-Chef ist ein Branchenveteran, schon mehrfach hat er bewiesen, dass er aus heruntergewirtschafteten Bergwerken etwas herausholen kann. Deswegen hat er in seiner Heimat auch den Spitznamen „Mister Fix-It“, also einer, der etwas repariert. Bei Lonmin jedoch dürfte dies nicht leicht gelingen. Neuer Ärger zeichnet sich schon ab. In den kommenden drei Jahren will das Unternehmen Schächte schließen und 12.600 Mitarbeiter, ein Drittel der Belegschaft, entlassen. Die radikale Gewerkschaft Amcu kündigte schon Proteste gegen den Stellenabbau an. Er fällt in politisch turbulente Zeiten in Südafrika, während die Wirtschaft kaum wächst.

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