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Scherbaums Börse : Das boomende Geschäft mit den Fresspaketen

  • -Aktualisiert am

Delivery Hero-Zentrale in Berlin Bild: Picture-Alliance

Online-Bestellplattformen gehören zu den Profiteuren der Corona-Pandemie – etwa Delivery Hero, das es nach dem Abstieg von Wirecard sogar in den Dax schaffen könnte. Doch es gibt auch vielversprechende Konkurrenten.

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          Der Corona-Lockdown hat bei vielen Menschen teils massive Veränderungen im Alltag ausgelöst. Nicht nur, dass man vielerorts im Homeoffice gearbeitet hat. Nein, auch die Essgewohnheiten vieler Familien und Verbraucher haben sich seit März deutlich verändert. Der spontane abendliche Gang mit Freunden zum Italiener an der Ecke fiel von heute auf morgen einfach weg. In den eigenen vier Wänden wurde wieder mehr gekocht.

          Doch nicht jeder hatte Lust, fast täglich mit Maske einkaufen zu gehen, um nicht nur Fertigessen aus der Tüte oder Konserve zu sich zu nehmen. Die Lösungen für dieses Problem haben viele Hungrige im Internet gefunden: Lieferdienste, bei denen man das Essen einfach online bestellen kann. Die gesamte Branche boomt(e) seit der Corona-Krise.

          Pionier Pizza Hut

          Die Idee ist gewiss nicht neu. Schon vor 26 Jahren lancierte die amerikanische Kette Pizza Hut den ersten Online-Bestelldienst für Pizza. 25 Jahre später ist das Geschäft mit Online-Lieferdiensten ein Milliarden-Business. Experten schätzen, dass der Markt allein 2019 rund um den Globus mehr als 105 Milliarden Dollar Umsatz generiert hat. Bis 2025 gehen Experten davon aus, dass der Markt einen Umsatz von mehr als 180 Milliarden Dollar erzielen wird.

          Zu den großen Gewinnern der Branche gehört auch ein deutscher Konzern: Der Essenslieferdienst Delivery Hero ist einer der großen Profiteure der Corona-Pandemie. Der Grund ist ganz einfach: Da Restaurants in vielen Ländern teils wochenlang geschlossen waren und manch einer wegen der Angst vor einer möglichen Ansteckung wohl auch den Gang in den Supermarkt scheute, bestellten viele Menschen, vor allem junge Verbraucher, ihr Essen und ließen es sich liefern. Zwar verzeichnete das Unternehmen laut den jüngsten Angaben im April zunächst einen Einbruch, danach zog das Auftragswachstum aber deutlich an.

          Allein im Monat Juni verdoppelte sich die Anzahl der Bestellungen. Für das zweite Quartal ergibt sich damit ein Auftragsplus von 94 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen betreibt in mehr als 40 Ländern Bestellplattformen für Essen lokaler Anbieter und beschäftigt über 25.000 Mitarbeiter.

          Plötzlich Dax-Kandidat

          Der jüngste Erfolg von Delivery Hero spiegelt sich auch im Kurschart wider: Im Zuge des Coronavirus-Börsen-Crashs wurde Delivery Hero zunächst mit in die Tiefe gerissen. Dabei brach der Aktienkurs im März zeitweise auf rund 50 Euro ein und startete dann eine neue Kurs-Rallye. Bis zum 6. Juli kletterte der Kurs in der Spitze auf 106,20 Euro, was ein neues Allzeithoch bedeutete. Kurse von 110 und 120 Euro sind rein charttechnisch nur noch eine Frage der Zeit.

          DELIVERY HERO SE NA O.N.

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          Das könnte ebenso für den Aufstieg der Aktie in die oberste deutsche Börsenliga gelten. Denn das rasante Wachstum könnte Delivery Hero schon im September einen Platz im Dax bescheren. Spätestens dann muss der in einem Bilanzskandal verwickelte, insolvente Zahlungsabwickler Wirecard den Dax verlassen.

          Die Erfolgsgeschichte von Delivery Hero ist aber nicht die einzige in der Branche. Generell ist das sogenannte Food Delivery-Geschäft ein boomender Markt. Die Menschen, vor allem die Altersgruppe der 25 bis 34-Jährigen, haben nur bedingt nach einem längeren Arbeitstag Lust und Muße, selbst in der Küche zu stehen und zu kochen.

          Da ist es bequemer sich per Online-Bestellplattform oder per App etwas (Frisches) zum Essen zu bestellen. Was vor 15 Jahren der Anruf beim Italiener war, ist heute der Gang ins Internet. Essen bestellen war noch nie so einfach, schnell und teilweise günstig und Online-Bestellplattformen wachsen entsprechend stetig. Deren Geschäft ist leicht nachzuvollziehen:

          Sie haben viele Angebote verschiedener Restaurants in petto, nehmen die Bestellungen der Kunden entgegen und kassieren für die Vermittlung der Bestellung eine Gebühr von den angeschlossenen Restaurants.

          Erweiterte Geschäftsmodelle

          Viele Onlinebestell-Plattformen wie Deliveroo haben ihr Geschäftsmodell erweitert und bieten auch noch die Auslieferung der bestellten Mahlzeiten zum Kunden an. Der Vorteil für die angeschlossenen Restaurants ist, dass diese keinen eigenen Lieferdienst aufbauen müssen. Dafür haben sie für überschaubare Gebühren einen neuen Absatzkanal mit zusätzlichem Umsatzpotenzial.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          Man mag die Veränderungen der Gesellschaft in Bezug auf Essen bestellen und nicht selbst Essen kochen, für falsch oder bequem erachten – für Anleger ist es ein spannendes Thema, das in den nächsten Jahren vorangetrieben werden dürfte. Wer nicht nur auf Delivery Hero vertrauen möchte, sondern lieber in die gesamte Branche als solches investiert sein möchte, könnte auf ein interessantes Produkt der Schweizer Bank Vontobel zurückgreifen.

          Die Derivatexperten haben die wichtigsten 20 Anbieter im sogenannten Food-Delivery-Segment in einem Index, dem Solactive Food Delivery Index zusammengefasst. Die Auswahl der Unternehmen erfolgt anhand eines Indexuniversums, das sich aus börsennotierten Unternehmen aus Industrieländern zusammensetzt.

          Die Unternehmen müssen mindestens eine Marktkapitalisierung von 750 Millionen Dollar aufweisen und das durchschnittliche tägliche Börsenhandelsvolumen mindestens 5 Millionen Dollar betragen. Aktuell gehören dem Index unter anderem Amazon, Alibaba, Delivery Hero, Uber, Yum Brands, die Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway.com und HelloFresh an. Mit einem entsprechenden Open-End Partizipationszertifikat (ISIN DE000VP3SFD4) auf den Index kann der Anleger mit nur einer Depot-Position an der Wertentwicklung des Index und der darin gelisteteten 20 Unternehmen teilhaben.

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