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Sparkassen-Tochter : Deka-Zertifikate von 350 Millionen Euro unter Wasser

Hochhaus der Deka in Frankfurt Bild: dpa

Die Kunden der Sparkassen-Fondsgesellschaft bekommen den Crash zu spüren. Das Kundenvermögen der Deka ging jedoch deutlich weniger zurück als der Dax.

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          Auch die Kunden der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka haben den Crash auf den Kapitalmärkten im März zu spüren bekommen. Von Ende Dezember bis Ende März sanken die von der Deka in Fonds und Zertifikaten verwalteten Vermögen (Total Assets) von 313 auf 288 Milliarden Euro, berichtete am Dienstag der seit 1. Januar amtierende Vorstandsvorsitzende Georg Stocker. 7 Milliarden Euro (Nettovertriebsleistung) an neuen Wertpapieren seien im ersten Quartal 2020 verkauft worden.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Kunden hätten insgesamt auf die „extreme Marktsituation“ sehr besonnen reagiert, Abflüsse aus Aktienfonds hätten sich im März mit Zuflüssen in Misch- und Immobilienfonds nahezu ausgeglichen. Seit der letzten März-Woche stiegen auch die Zuflüsse in Aktienfonds wieder.

          Addiert man die 7 Milliarden Euro Nettovertriebsleistung zu dem Bestand am Jahresbeginn von 313 Milliarden Euro hinzu, ergibt sich ein Rückgang der Kundenvermögen im ersten Quartal von 10 Prozent. Das ist deutlich weniger als der Dax, der im ersten Quartal 25 Prozent verlor, aber unter den Deka-Fonds sind eben bei weitem nicht nur Aktienfonds, sondern etwa auch Immobilienfonds. Hier liege die Nachfrage der Kunden derzeit ungewöhnlich niedrig, berichtete Finanzvorstand Matthias Danne mit Blick darauf, dass die Kontingente üblicherweise schon nach wenigen Wochen im Jahr voll verkauft sind.

          Verbraucherschützer skeptisch

          Besonders im kritischen Blick von „Verbraucherschützern“ sind die Investmentzertifikate, für die die Deka im vergangenen Jahr mit 5,1 Milliarden Euro fast so viel Geld von Privatanlegern einsammelte wie für Fonds mit 6 Milliarden Euro. Im Zuge der Finanzkrise hatten auch Sparkassen-Kunden mit Lehman-Zertifikaten viel Geld verloren, weil es sich um Inhaberschuldverschreibungen handelt. Stocker sagte mit Blick auf die Deka-Zertifikate: „Ich halte den Lehman-Vergleich, von dem ich viel lese, für nicht angemessen.“

          Die Deka habe nach der DZ Bank das beste Rating der deutschen Großbanken. Entscheidend für die Höhe der Rückzahlung sei bei den riskanteren Express-Zertifikaten der Deka, ob Barrieren von Wertpapieren (Basiswerten) nicht einmal irgendwann „durchtaucht“ worden seien, sondern ob sie am Ende der durchschnittlich 5 Jahre langen Laufzeit unterschritten seien. Derzeit lägen von in diesem Jahr fälligen Deka-Zertifikaten im Volumen von 920 Millionen Euro Zertifikate im Volumen von Euro 350 Millionen im Minus. Das seien etwa 2,5 Prozent des Gesamtbestandes. Auch bei diesen Zertifikaten gibt es noch die Möglichkeit der Wertaufholung", sagte Stocker.

          Für die Deka sind Zertifikate eine günstige, zinssparende Form der Finanzierung. Allerdings bringen sie im Vergleich zu Fonds wenig Gebühren. Von aktiv gemanagten Fonds aber lebt die Deka: 86 Prozent der Erträge lieferte im Jahr 2019 der Provisionsüberschuss. Indexfonds (ETFs) der Deka dagegen werden von den Sparkassen kaum angeboten, vermutlich weil es damit weder für den Vertrieb noch den Produzenten Deka viel zu verdienen gibt. Das wirtschaftliche Ergebnis der Deka sank von 452 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 434 Millionen Euro im Jahr 2019. Das entspricht einem Rückgang der Eigenkapitalrendite von 9,6 auf 9,0 Prozent.

          Im wirtschaftlichen Ergebnis berücksichtigt ist eine Rückstellung für eine Kapitalzufuhr von 140 Millionen Euro, die die Deka an die S-Pensionsmanagement wird leisten müssen. An diesem 2001 gegründeten Versorgungswerk der Sparkassen-Finanzgruppe hält die Deka 50 Prozent, die andere Hälfte gehört  öffentlichen Versicherern wie Provinzial und Versicherungskammer Bayern. Die damals üblichen garantierten Zinsverpflichtungen ließen sich mit bonitätsstarken Anleihen in der noch länger andauernden Niedrigzinsphase nicht decken, erklärte Danne. Daher sei angeraten, dort etwas zu tun, es gebe aber keinen Druck, sagte Danne auf die Frage, ob die Finanzaufsicht Bafin die Deka zu diesem Stabilisierungsschritt aufgefordert habe. Auch die öffentlichen Versicherer werden nach den Worten von Danne einen ähnlichen Betrag wie die Deka in die S-Pensionsmanagement einbringen.

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