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Sparkassen : Deka verkauft erstmals mehr Zertifikate als Fonds

DekaBank in Frankfurt Bild: dpa

Lange sträubte man sich bei den Sparkassen gegen den Verkauf von Zertifikaten. Jetzt sind sie ein Bestseller. Verbraucherschützer bemäkeln den Verkauf von „Wetten“.

          Lange haben die Landesbanken als Eigentümer aus Furcht vor Konkurrenz verhindert, dass die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka auch Zertifikate anbietet. Erst als 2013 nur noch Sparkassenverbände und keine Landesbank mehr an der Deka beteiligt war, konnte sie loslegen. Nur fünf Jahre hat die Deka gebraucht, um dank der Sparkassen erst Commerzbank und Deutsche Bank und nun im Jahr 2018 die DZ Bank zu überholen und mit einem Marktanteil von 19,5 Prozent zum größten Zertifikate-Anbieter in Deutschland aufzusteigen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und nicht nur das: Erstmals haben Privatkunden in Sparkassen-Filialen oder über deren Online-Banking sogar mehr Zertifikate als Fonds der Deka gekauft, Klar, dass das auch kritische Fragen provoziert. Schließlich kritisieren Verbraucherverbände Zertifikate regelmäßig als zu komplexe und zu wenig transparente Finanzanlageprodukte. „Zertifikate sind im Grunde Wetten“, heißt es auf der Internetseite der Verbraucherzentralen.

          Zertifikate „decken gut Bedarf der Privatkunden“

          Georg Stocker, der am 1. Januar 2020 vom stellvertretenden zum Deka-Chef aufsteigen wird, wollte sich seinen Erfolg im Zertifikategeschäft am Dienstag nicht kaputtreden lassen. Als Stocker als Vertriebsvorstand auf der Bilanzpressekonferenz der Deka mit der Kritik der Verbraucherverbände konfrontiert wurde, sagte er nur, die von der Deka entwickelten und von den Sparkassen 2018 besonders zahlreich verkauften Zertifikate wie Stufenzins- und Aktienanleihen sowie Expresszertifikate deckten „gut den Bedarf“ der Privatkunden.

          Vor der Finanzkrise hatten es die Sparkassen kritisch gesehen, dass die Deka unter Führung von Franz Waas ihr Derivate-Geschäft zum zweitgrößten in Deutschland hinter der Deutschen Bank ausbauen wollte. Jetzt wünschten sie im Zertifikate-Geschäft keine Beschränkung, meint Stocker.

          „Ein Produkt, das schwer zu verstehen sein kann“

          Unklar scheint allerdings, ob Sparkassenkundenberater und ihre Kunden verstehen, was sie (ver-)kaufen. Unter den zehn am meisten verkauften Zertifikaten der Deka waren 2018 sechs Zinsdifferenzanleihen. „Sie sind im Begriff, ein Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann“, heißt es einleitend auf dem „Basisinformationsblatt“ der „WM-Zinsdifferenz-Anleihe mit Zielzins 07/2033“, dem meistverkauften Deka-Zertifikat im Jahr 2018.

          Und in der Tat lässt es sich nur unzureichend in einem Satz erklären: In den ersten drei Zinsperioden erhält der Anleger einen stabilen Zins, in der letzten Phase aber hängen Zeitpunkt und Höhe der Rückzahlung davon ab, wie sich die Differenz aus dem 30-Jahres-Euribor-Euro-CMS-Zinsatz und dem 10-Jahres-Euribor-Euro-CMS-Zinssatz entwickelt hat.

          „Keine Wetten“

          Gleichwohl weist die Deka den Vorwurf der Verbraucherverbände zurück, es handele sich bei Zertifikaten schlicht um Wetten. Das sei ähnlich pauschal, als wenn man behaupte, jedes Auto habe einen großen Spritverbrauch. Vielmehr betrachtet die Deka Zertifikate als einen wichtigen Beitrag zur Wertpapierkultur, weil sie gerade in Kapitalmärkten ohne starke Tendenz („Seitwärtsmärkten“) gute Renditen liefern können. Die Deka unterstütze die Sparkassen mit 210 Vertriebsleuten in den Filialen und mehr als 1000 Veranstaltungen und Schulungen im Jahr. „Wir wollen, dass unsere Kunden die Zertifikate verstehen“, heißt es.

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