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Daniel Kapffer : Deka fordert in der Cloud mehr Schutz vor Hackern

Daniel Kapffer ist IT-Vorstand der Deka Bild: Unternehmen

Die Fondsgesellschaft der Sparkassen will Kundendaten nicht an amerikanische Cloud-Anbieter auslagern. Doch der Verbundpartner FITS müsse nachrüsten, verlangt IT-Vorstand Daniel Kapffer im Gespräch.

          5 Min.

          Daniel Kapffer hält nichts davon, den Fortgang der Digitalisierung nur zu beobachten. Nur kurz sinniert der Finanz- und IT-Vorstand der Deka darüber, dass man ja auch erst einmal abwarten könne, welche Technologien und Anwendungen sich für das Wertpapierhaus der Sparkassen als relevant herausstellen, um dann erst „draufzuspringen“. Doch Kapffer, seit sieben Jahren bei der Deka und davor 17 Jahre für den Unternehmensberater Accenture tätig, verwirft diese Option im Gespräch mit der F.A.Z. schnell. „Als Bank muss man die Kraft haben, von Anfang an bei aussichtsreichen Technologien dabei zu sein, sonst ist der Entwicklungssprung später zu groß.“

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was Kapffer meint, erklärt er mit anderen Worten so: „Banken müssen schnell innovativer und effizienter werden, denn die Digitalisierung gewinnt gerade enorm an Fahrt.“ Tatsächlich sind Bankkunden, gerade die jungen, aus anderen Branchen einfache und benutzerfreundliche Produkte und Prozesse gewohnt. „Auch von uns Banken wird mehr Benutzerfreundlichkeit erwartet. Um hier innovativer zu werden, hilft Standardsoftware. Denn sie erlaubt den Einsatz moderner Technologie und weniger komplexer Lösungen als in der Vergangenheit“, sagt Kapffer.

          Viel Standardsoftware im Einsatz

          In vielen Banken ist noch ein in den siebziger Jahren entstandenes Kernbanksystem im Einsatz, das wie ein monolithischer Block aufgebaut ist. Immer neue Subsysteme und Eigenanwendungen wurden „drangesetzt“, so dass das Ganze immer mehr ausgeufert ist. „Die Deka hat im Gegensatz dazu erfreulicherweise eine sehr schlanke IT-Infrastruktur. 80 Prozent unserer IT besteht aus Standardsoftware, vor allem von FIS für das Kapitalmarktgeschäft und von SAP für viele betriebliche Funktionen“, sagt Kapffer. Es ergebe keinen Sinn, sich mit vielen IT-Eigenentwicklungen zu verzetteln, mit denen man sich gegenüber Wettbewerbern kaum unterscheide und die Kunden wenig nutzten. Kapffers Credo lautet: „Eine schöne Technologie hat noch keinen Wert an sich.“

          Standardsoftware einzusetzen, wo immer möglich, lege die Basis dafür, dass sich die Deka gezielt auf einige neue Technologien und ausgewählte Eigenanwendungen konzentrieren könne. „Wir entwickeln nie im Labor, sondern sofort an echten Fällen, um den Kundennutzen belegen zu können“, sagt Kapffer.

          Die Vorteile der Cloud

          Einen neuen Wert sehen viele Banken derzeit in der Cloud-Technologie, also der Auslagerung großer Datenmengen in dezentrale Rechenzentren. Sie hat den Vorteil, dass zum Beispiel Kundenbetreuer nicht nur zentral in einer Filiale, sondern mit Internetzugang von überall, ob von zu Hause oder im Callcenter zum Beispiel den Wertpapierauftrag eines Kunden einsehen und bearbeiten können. „Die Cloud ist sehr effizient, denn man muss keine Rechenleistungen mehr vorhalten, sondern mietet sie. Bei hoher Last können wir fast beliebig Rechenleistungen zubuchen, wir bezahlen aber nur, was wir brauchen“, bringt Kapffer den Vorteil der Cloud auf den Punkt.

          Die Marktmacht der Amerikaner

          Aber die Gretchenfrage ist: An welchen Cloud-Anbieter lagert man als Bank seine sensiblen Kundendaten aus? Die Deutsche Bank arbeitet überwiegend mit Google zusammen, die Commerzbank setzt bewusst auf Google und Microsoft, um sich nicht zu abhängig von einem Anbieter zu machen. Commerzbank-Vorstand Marcus Chromik hat sogar ein Bündnis mehrer europäischer Banken ins Leben gerufen, um der Marktmacht von Amazon Software Service, Microsoft Azure und Google etwas entgegen zu setzen. Die öffentlich-rechtliche Sparkassen-Finanzgruppe, zu der die Deka gehört, ist besonders zurückhaltend, auf Rechenzentren amerikanischer Anbieter zurückzugreifen, auch wenn diese auf Drängen der Bankenaufsicht in Europa stehen müssen. „Die Deka verlagert aktuell keine Kundendaten in eine public Cloud“, sagt Kapffer. Zwar greife die Fondsgesellschaft etwa bei der Bewertung von Finanzprodukten auf Cloud-Dienstleistungen von Microsoft Azure zu, aber Kundendaten würden nur an die zur Finanzinformatik gehörende FITS ausgelagert, also an ein Gemeinschaftsunternehmen der Sparkassen.

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