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Dax verliert : Anleger fürchten sich vor Corona-Folgen

  • Aktualisiert am

Unter Strom: Händler in Frankfurt Bild: EPA

Der deutsche Aktienmarkt startet mit einem deutlichen Minus. Die Erholung vom Vortag scheint sich damit erledigt zu haben. Positive Nachrichten könnten aus Japan kommen, wo wohl bis April ein gigantisches Konjunkturpaket geschnürt werden soll.

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          Die Anleger in Frankfurt sind zum Wochenschluss wieder in Deckung gegangen. Der Dax startete am Freitag 2,3 Prozent deutlich tiefer bei 9772 Punkten in den Handel. Das Minus reduzierte sich zunächst nur leicht auf -2,1 Prozent.

          Die Erholungsrally sei erst einmal vorbei, sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung QC Partners. „Auf der Infektionsseite bleiben die Nachrichten negativ. Neue Nachrichten zu Hilfspaketen der Regierungen und Notenbanken wird es erst einmal nicht geben. Diese Gemengelage könnte dem einen oder anderen Börsianer doch aufs Gemüt schlagen.“

          Um fünf Prozent aufwärts ging es dagegen für die Aktien des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1. Nach monatelangen Führungsquerelen verlässt Vorstandschef Max Conze das Unternehmen. Seine Aufgaben übernimmt Finanzchef Rainer Beaujean. Während der Amtszeit Conzes hätten die Aktien fast drei Viertel an Wert verloren, sagte ein Börsianer. Sein Abgang schüre Spekulationen, dass die italienische Mediaset sowie der Investor Kretinsky ihren Einfluss ausbauen könnten.

          PROSIEBENSAT.1

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          Deutsche Staatsanleihen profitierten einmal mehr von der Schwäche des Aktienmarkts. Die anhaltenden Hiobsbotschaften von der Konjunkturseite stützen die Nachfrage nach Staatsanleihen. „Der Lockdown und die Angst vor COVID-19 sowie den damit zusammenhängenden Verwerfungen in Wirtschaft, Gesellschaft und an den Finanzmärkten sind gewaltig“, schrieb Volkswirt Ralf Umlauf von der Helaba in einem Kommentar. So ist im März das Ifo-Beschäftigungsbarometer regelrecht eingebrochen. Der Rückgang war der stärkste seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 2002.

          Die Renditen südeuropäischer Anleihen gaben weiter nach. Der Start des Not-Anleihekaufprogramms der Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Vortag für deutliche Rückgänge gesorgt. Bei den neuen Not-Käufen verzichten die Währungshüter auf eine wichtige Grenze: Die bisherige Regel, dass die Notenbank maximal ein Drittel aller Staatsanleihen eines Eurolandes kaufen darf, gilt nicht für die neuen Käufe. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erteilte unterdessen der Forderung verschiedener EU-Mitgliedsländer nach Einführung sogenannter gemeinschaftlicher Corona-Bonds eine klare Absage.

          Gigantisches Konjunkturpaket

          Positive Nachrichten für die Finanzmärkte könnten vielleicht noch aus Japan kommen. Dort will die Regierung die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie Insidern zufolge mit einem riesigen Konjunkturprogramm lindern. Dieses solle zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmachen, sagten mit den Planungen vertraute Regierungsmitarbeiter am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

          Das Paket, das unter anderem Barauszahlungen an private Haushalte, Kreditlinien und Bürgschaften umfassen soll, könnte mehr als 515 Milliarden Dollar groß sein. Auch Subventionen und Steuererleichterungen würden ins Auge gefasst, um Arbeitsplätze zu erhalten und Firmenpleiten zu verhindern. Noch seien die Planungen aber nicht abgeschlossen. Ministerpräsident Shinzo Abe könnte in den kommenden Tagen sein Kabinett anweisen, das Paket im April fertigzustellen.

          DAX ®

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          Der Betrag würde die Summe übersteigen, die Japan zur Bekämpfung der Finanzkrise von 2009 ausgegeben hat. Ein Teil des Pakets wird durch Gelder finanziert, die bereits im Rahmen eines früheren Konjunkturprogramms im Wert von 239 Milliarden Dollar bereitgestellt wurden. Das wurde im Dezember aufgesetzt, um den durch den Handelskrieg zwischen Amerika und China entstehenden Schaden zu dämpfen.

          Der größte Teil der Ausgaben wird durch neue Schulden finanziert, sagten Regierungsmitarbeiter. Für die am höchsten verschuldete Industrienation der Welt kann das zum Problem werden. Die Schuldenlast ist bereits doppelt so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt der nach den Vereinigten Staaten und China drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Die Regierung sei dennoch bereit, bei Bedarf weitere Schritte zu unternehmen, sagten den Insidern.

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