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Dax und M-Dax : Aktienmarkt schließt mit schwarzer Null

  • Aktualisiert am

Besonders kurvenreich ist der Dax in diesen Zeiten. Bild: dpa

Die Angst vor einer Entlassungswelle in Amerika hat Anleger verunsichert, doch Hoffnung auf ein Ende des Ölpreiskriegs verhinderte Schlimmeres.

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          In einem nervösen Handel hat der Dax am Donnerstag wieder um die Rückeroberung der Marke von 9600 Punkten gekämpft. Letztlich gelang dies aber nicht. Mit einem kleinen Plus von fast 0,3 Prozent auf 9570 Punkte ging der Leitindex schließlich aus dem Tag.

          Nach einem angesichts der Coronavirus-Krise moderaten Auf und Ab hatten am Nachmittag verheerende Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt einen Absturz des Dax bis auf 9337 Punkte ausgelöst. Aussagen von Amerikas Präsident Trump, er erwarte und hoffe, dass Russland und Saudi-Arabien ihre Ölförderung kürzen werden, begünstigten eine anschließende Erholung und den Sprung über den Widerstand bei 9600 Zählern. Doch rasch bröckelten die Gewinne wieder ab, da Kremlsprecher Dmitri Peskow Trump umgehend widersprach.

          Der M-Dax rückte am Donnerstag ebenfalls um fast 0,3 Prozent vor und schloss mit 20.488 Punkten. Auch europaweit waren die Vorzeichen bis zum Handelsschluss wieder positiv.

          DAX ®

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          Die Hoffnung auf ein rasches Ende des Ölpreis-Kriegs zwischen Saudi-Arabien und Russland löste ein Kursfeuerwerk bei Rohöl aus und lockte Anleger in die Aktienmärkte zurück. Der amerikanische Standardwerteindex Dow Jones gewann 0,9 Prozent.

          Trump „erwartet und hofft“ nach einem Telefonat mit dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, dass das Königreich und Russland ihre Ölförderung um zehn bis 15 Millionen Barrel pro Tag reduzieren werden. Derzeit pumpt allein Saudi-Arabien täglich die Rekordmenge von zwölf Millionen Barrel aus dem Boden. Das Land habe zu einer Dringlichkeitssitzung der „Opec+“, zu dem neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören“, einberufen, meldete die staatliche saudi-arabische Nachrichtenagentur.

          Die Rohöl-Sorte Brent verteuerte sich daraufhin zeitweise um fast die Hälfte auf 36,29 Dollar je Barrel, das amerikanische Öl WTI um 35 Prozent auf 27,39 Dollar. Damit steuerten beide auf den größten Tagesgewinn ihrer Geschichte zu.

          WTI

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          Dies verhalf auch europäischen Ölkonzernen wie BP, Total oder Shell zu Kursgewinnen von bis zu neun Prozent. Der Branchen-Index verbuchte mit einem Plus von etwa 5,5 Prozent einen der größten Tagesgewinne seiner Geschichte. An der Wall Street schossen die Papiere von US-Schieferölförderern wie Marathon, Occidental oder Apache sogar bis zu 30 Prozent hoch. Diese Firmen leiden besonders stark unter dem niedrigen Ölpreis, weil sie Experten zufolge wegen des aufwendigen Fracking-Verfahrens erst ab einem Preis von etwa 50 Dollar profitabel arbeiten. Mit Whiting musste ein erster großer Schieferölförderer bereits Gläubigerschutz beantragen.

          Eine Erleichterungsrally verzeichneten auch die russischen Börsen. So kletterte der Moskauer Aktienindex um vier Prozent und die Währung des Landes wertete auf. Im Gegenzug verlor der Dollar bis zu 1,7 Prozent auf 77,296 Rubel.

          Entlassungswelle rollt

          Unabhängig davon nahmen Investoren die anhaltende Entlassungswelle in den Vereinigten Staaten gefasst auf. Die Entwicklung sei wegen des wirtschaftlichen Stillstands nicht völlig überraschend, sagte Oliver Pursche, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Bruderman. Außerdem rechneten viele mit einer raschen Erholung der Wirtschaft nach dem Ende der aktuellen Beschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie.

          Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lag in der vergangenen Woche mit 6,6 Millionen doppelt so hoch wie der bisherige Rekordwert aus der Vorwoche. Analysten hatten mit 3,5 Millionen Anträgen gerechnet.

          Am Devisenmarkt trieben diese desaströsen Zahlen Anleger in die Weltleitwährung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währung widerspiegelt, stieg um 0,4 Prozent auf 100,08 Punkte. Im Gegenzug verbilligte sich der Euro um ein Prozent auf 1,08 Dollar. Die „Antikrisen-Währung“ Gold gewann 1,1 Prozent auf 1608 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Je länger das öffentliche Leben wegen Corona eingeschränkt bleibe, desto größer werde der wirtschaftliche Schaden, sagte Anlagestratege Bob Haberkorn vom Brokerhaus RJO. Gold sollte sich gut entwickeln, da im Kampf gegen die Pandemie-Folgen die Druckerpressen mit Hochdruck liefen und die Zinsen auf Null gefallen seien. Gold dient Investoren auch als Inflationsschutz.

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