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Börse unter Druck : Dax und Euro rauschen nach unten

Der Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt Bild: Reuters

Der Dax erreicht den tiefsten Stand seit November 2020. Der Euro fällt auf ein neues 20-Jahre-Tief. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe testet erstmals seit neun Jahren die Marke von 2 Prozent. Was ist da los?

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          Was für eine Börsenwoche! Der Euro erreichte am Freitag ein neues 20-Jahres-Tief und die Rendite der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit testete zum ersten Mal seit immerhin neun Jahren wieder die Marke von 2 Prozent. Der Wechselkurs des Euros fiel bis auf 0,97 Dollar, während sich die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bei rund 1,95 Prozent fing, nachdem sie zu Handelsbeginn bis auf 2,01 Prozent gestiegen war.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der deutsche Aktienindex Dax stürzte zeitweise auf den tiefsten Stand seit immerhin November 2020 und notierte am Nachmittag nur noch bei 12.206 Punkten. Abwärts ging es auch mit vielen Rohstoffpreisen: Der Preis für Kupfer beispielsweise, der unter dem Spitznamen „Dr. Copper“ als Indikator für die Gesundheit der Weltwirtschaft gilt, gab weitere 2,3 Prozent auf 7503 Dollar je Tonne nach. Öl der Nordseesorte Brent verbilligte sich um knapp 2 Prozent auf 88,83 Dollar je Fass. Der Goldpreis fiel auf den niedrigsten Stand seit April 2020, zeitweise kostete eine Unze (31,1 Gramm) nur noch 1641 Dollar. 

          Zinserhöhungen verschrecken Anleger

          Was ist da los? „Dass zumindest Europa in eine Rezessionsphase eintritt, wird inzwischen nur noch von den wenigsten bezweifelt“, sagte Analyst Jens Herdack von der Weberbank. Die Zinserhöhungen verschreckten offenbar viele Anleger, hinzu kommen die kaum mehr zu übersehenden Anzeichen für einen Abschwung. Nicht weniger als 13 Notenbanken in aller Welt haben in dieser Woche über ihre Zinspolitik entschieden, viele entschieden sich für einen recht aggressiven Zinserhöhungskurs. Nicht zuletzt Amerikas Notenbank Fed, die angekündigt hat, die Leitzinsen bis ins nächste Jahr hinein weiter anzuheben.

          DAX ®

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          Bestätigt sahen sich die Konjunkturpessimisten zuletzt von den deutschen Einkaufsmanager-Indizes, denen zufolge die deutsche Wirtschaft im September überraschend stark geschrumpft ist. Im Euroraum liefen die Geschäfte so schlecht wie zuletzt vor mehr als eineinhalb Jahren. „Offensichtlich glaubt die Mehrheit auf dem Parkett nicht, dass die EZB mit dem hohen Straffungstempo der amerikanischen Notenbank Fed Schritt halten kann“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners zu den Euro-Kursverlusten. Ein weiterer Belastungsfaktor seien die anstehenden Parlamentswahlen in Italien. Das in Umfragen führende rechte Wahlbündnis sei weniger EU-freundlich als die bisherigen Regierungen. Daher müssten sich Investoren vor allem bei italienischen Staatsanleihen auf Kursausschläge gefasst machen.

          Inflation dürfte zweistellig werden

          In der kommenden Woche werden die Inflationszahlen für Deutschland und den Euroraum veröffentlicht. Und zumindest Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, rechnet damit, dass die Inflation in Deutschland bereits im September einen zweistelligen Wert erreicht hat – und im Euroraum nur noch sehr knapp darunter liegt. Auch dort dürfte sie bald bei 10 Prozent liegen, sagte Krämer. Laut Umfragen misstrauten immer mehr Bürger der EZB und rechneten auch längerfristig mit einer Inflationsrate deutlich oberhalb der versprochenen 2 Prozent. „Auf diese Alarmsignale beginnt die EZB zu reagieren“, sagte der Ökonom. Die Finanzmärkte hätten ihre Leitzinserwartungen deutlich nach oben genommen und rechneten jetzt für Mitte nächsten Jahres mit einem EZB-Zins von 3 Prozent: „Das ist der Hauptgrund, warum die Renditen der Bundesanleihen zuletzt so stark gestiegen sind.“

          EUR/USD

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          Der Euro dagegen werte gegenüber dem Dollar aus zwei Gründen ab, sagte Krämer. „Erstens dürfte die amerikanische Notenbank noch entschiedener gegen die hohe Inflation vorgehen als die EZB“, meint der Ökonom: „Außerdem sind die konjunkturellen Risiken im Euroraum höher – denn hierzulande droht anders als in den Vereinigten Staaten eine Energiekrise.“

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