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Aktien-Crash : Gute Chancen für den Einstieg an der Börse

Die 12.000er Marke wackelt und fiel: Dax-Tafel in Frankfurt am Mittwoch Bild: Reuters

Der Dax sackt unter 12.000 Punkte. Immer mehr Fachleute sehen nun den Tiefpunkt nahe.

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          Panik gibt es noch nicht am deutschen Aktienmarkt. Aber das Unwohlsein der Anleger nimmt merklich zu. Bis auf 11.865 Dax-Punkte führte am Mittwoch das Gemisch aus Lecks in Gas-Pipelines, Angst vor neuen Inflationshochs und den geldpolitischen Reaktionen darauf und immer neuen negativen Konjunkturprognosen rund um den Globus. So tief ging es im Dax zuletzt vor Beginn des ersten Corona-Winters im November 2020. Nach mehr als 16.000 Dax-Punkten im Januar ist das schon ein ordentlicher Abschlag. Das Panik-Barometer V-Dax New zeigt aber immer noch erst Werte von 32 und ist damit weit von früheren Nervositäts-Höchstständen entfernt, als die Schwankungen an den Märkten weitaus drastischer waren und der V-Dax Werte von 80 erreichte.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir gehen in die nächsten Monate mit großem Respekt“, sagt Joachim Schallmayer, Leitung Kapitalmärkte und Strategie der Dekabank auf der Aktienmarkt-Prognosekonferenz des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands, der am Mittwoch in den 44. Stock des Deka-Hochhauses in Frankfurt geladen hatte. „An der hohen Unsicherheit wird sich auch im vierten Quartal nichts ändern.“ Für Aktienanleger müsse dies aber kein schlechtes Umfeld sein. „Weitere deutliche Zinserhöhungen sind schon in den Kursen enthalten, ein historischer Crash an den Anleihemärkten ist schon passiert, die Bewertungskorrekturen sind schon erfolgt und die Inflation dürfte nahe ihres Hochpunkts sein“, sagt Schallmayer. „In so einem Umfeld lohnt es oft, antizyklisch in den Aktienmarkt reinzugehen.“

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          Er rechnet in Deutschland zwar mit einem Minus des Bruttoinlandsproduktes von 1,6 Prozent im Jahr 2023, aber keiner globalen Rezession. „Die globale Brille ist beim Blick auf die Perspektiven des Aktienmarktes derzeit hilfreicher als die von Gasmangel-Angst geprägte deutsche Brille.“ Mit 12.000 Dax-Punkten rechnet die Deka zum Jahresende, durchaus mit Abschlägen von 1000 Punkten zwischendurch und dann mit 14.500 Punkten in einem Jahr. Die Suche nach dem Tiefpunkt für den Einstieg in den Aktienmarkt hält Schallmayer für wenig hilfreich.

          Illusion des optimalen Timings

          Markus Reinwand, Aktienmarktstratege der Helaba warnt ebenso davor: „Die Anleger sollten sich von der Illusion verabschieden, das Tief zum Einstieg erwischen zu können“, sagt Reinwand. „Eine Erholung verläuft oft schnell und wer den ersten Moment verpasst, der tut sich dann auch später schwer.“ Er rät dazu, sich die grundsätzliche Frage zu stellen, ob das Chance-Risiko-Verhältnis an den Märkten gut ist. Aktuell hält Reinwand es zumindest für verbessert. „In den Kursen sind schon viele der aktuellen Risiken eingepreist, ich würde daher jeden Kursrückgang zum Aufbau von Positionen nutzen.“

          Dass es an den Aktienmärkten noch deutlich tiefer gehen kann, erläutert Uwe Streich, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg, an einem Schaubild, dass den Dax im Vergleich zum Buchwert der Dax-Unternehmen zeigt. „Im Worst Case, in einem finalen Sell-Off, den wir dieses Jahr bisher noch nicht gesehen haben, da kann es auch mal ein bis drei Tage unter den Buchwert gehen, aktuell also unter 9700 Dax-Punkte.“ Streich betont, dass die aktuellen Bewertung mit einem Dax-Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 10, nur an 6 Prozent aller Tage in der Dax-Geschichte noch niedriger war. „Jetzt einzusteigen ist hochattraktiv, unser Modell lässt für die nächsten fünf Jahre 11,5 Prozent Aktienrendite im Jahr erwarten“, sagt Streich. Der Einstiegszeitpunkt könnte noch günstiger werden. Das Dax-Tief erwartet Streich erst in den ersten Monaten 2023. Er betont aber ebenfalls, dass „Timing immer schwierig“ sei.

          Manfred Bucher, Aktienstratege der Bayern LB, betont positive Aspekte, die derzeit am Markt etwas untergehen. So sorge das billigere Rohöl für Entspannung, ebenso eine Verbesserung der Lieferketten und schwache Konjunkturindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex würden von den Märkten mittlerweile gut verdaut. „In einem Worst-Case-Szenario wäre noch einige Luft nach unten, aber es gibt schon gute Signale für Wendepunkte und die Bewertungsniveaus sind attraktiv“, sagt Bucher. Er würde vor allem auf Unternehmen mit Marktmacht setzen, die als Global Player derzeit die steigenden Kosten gut über höhere Preise an Kunden weitergeben können.

          Volker Sack, Aktienfachmann der Nord LB, verweist auf größere Aktienkäufe amerikanischer Anleger in Deutschland: „Der starke Dollar macht den Dax aus amerikanischer Sicht billig.“ Er sieht in 11.000 Dax-Punkten eine Untergrenze, aber durchaus auch Luft nach oben bis auf 15.000 Punkte. Markus Reinwand von der Helaba erwartet den Dax in einem Jahr sogar auf 15.700 Punkten und betont die positiven Effekte der Inflation für Unternehmen: „Viele Unternehmen können derzeit deutlich mehr für ihre Produkte verlangen.“

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