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Sorge wegen Ukraine und Zinsen : Dax fällt um 4 Prozent – Dow Jones schließt im Plus

  • Aktualisiert am

Schlechte Stimmung an der Frankfurter Börse Bild: Wolfgang Eilmes

Aktienkurse und Kryptowährungen unter Druck, Bundesanleihen und Gold gefragt: Nicht nur in Deutschland macht sich Angst am Finanzmarkt breit. Die Wall Street kommt dagegen noch zu einem positiven Endergebnis.

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          Die Aktienkurse an den europäischen Börsen sind am Montag wegen der Ukraine-Krise und der Aussicht auf steigende Zinsen in Amerika deutlich gefallen. Anteile aus dem Reise- und Tourismussektor, Technologietitel und die Krypotwährung Bitcoin flogen aus den Depots, während sichere Häfen wie Bundesanleihen und Gold gefragt waren.

          Der deutsche Standardwerteindex Dax fiel zunächst unter 15.000 Punkte und lag zu Handelsschluss um 3,8 Prozent tiefer mit 15.011 Punkten, der europäische Euro Stoxx 50 zeigte sich ebenfalls deutlich schwächer. Beide Indizes steuerten damit auf ihre größten Tagesverluste seit Ende November zu, als die Omikron-Variante des Coronavirus die Börsen in Unruhe versetzte.

          Auch an den New Yorker Börsen sah es zwischenzeitlich nach einem schwarzen Handelstag aus. Im Späthandel konnte der amerikanische Leitindex Dow Jones Industrial jedoch den Verlust von mehr als drei Prozent noch vollständig aufholen und schaffte es mit 0,29 Prozent sogar noch leicht ins Plus. Damit schloss der Dow Jones bei 34.364,50 Punkten und holte 1200 Zähler im Vergleich zum Tagestief mit 33.150 Punkten wieder auf.

          Der marktbreite S&P 500 ging 0,27 Prozent höher bei 4410,13 Punkten ins Ziel und der technologielastige Nasdaq 100 erholte sich gar um 0,49 Prozent von seinem Kursrutsch der vergangenen Tage. Er schloss bei 14.509,58 Zählern.

          Rätseln um Zinserhöhung der Fed

          „Der Risiko-Mix aus geopolitischen Spannungen, einem steigenden Ölpreis und damit der Aussicht auf weiter hohe Inflationsraten und höhere Zinsen sorgt dafür, dass Anleger gerade einen weiten Bogen um Aktien machen“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Die Volatilitätsindizes V-Dax und V-Stoxx, die die Nervosität der Anleger messen, stiegen um bis zu 21 Prozent.

          Börsianern rechneten zwar damit, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve am Mittwoch für März eine Zinserhöhung in Aussicht stellen werde, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. „Nur wie hoch dieser Zinsschritt ausfallen und wie viele ihm im Jahresverlauf folgen, darüber rätselt der Markt.“ Unklar sei außerdem, wie schnell die Fed ihre Wertpapierbestände abschmelzen werde.

          Kursverluste in Russland

          Aus Furcht vor westlichen Sanktionen als Reaktion auf die Spannungen mit dem Nachbarland Ukraine flohen Anleger aus russischen Aktien. Der Moskauer Leitindex fiel um mehr als acht Prozent – der größte Kursrutsch seit dem Corona-bedingten Börsen-Crash vom März 2020. Die russische Währung geriet ebenfalls unter Druck. Im Gegenzug notierte der Dollar mit 79,40 Rubel so hoch wie zuletzt vor mehr als einem Jahr.

          Ungeachtet der diplomatischen Bemühungen verschärfen sich die Spannungen zwischen Russland und dem Westen weiter. Russland warf der Regierung in Kiew am Montag vor, einen militärischen Konflikt zu provozieren. Die Kriegsgefahr sei noch nie so groß gewesen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau.

          Die Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum verloren um bis zu 15 Prozent ihrer Werte und notierten mit 34.329 und 2232 Dollar auf dem Niveau von vor einem halben Jahr. Die „Antikrisen-Währung“ Gold verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 1834 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Bundesanleihen waren ebenfalls gefragt, wodurch die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,11 Prozent fiel.

          Der Aktienkurs von Siemens Energy brach zunächst um knapp sieben Prozent ein und markierte bei 17,805 Euro ein Rekordtief. Zu Handelsschluss lag er bei 18,04 Euro, ein Rückgang um rund 5,7 Prozent. Am Freitag hatten die Titel wegen andauernder Probleme ihrer Windkraft-Tochtergesellschaft Siemens Gamesa mit fast 17 Prozent den größten Tagesverlust der Firmengeschichte verbucht.

          Mit Verkäufen reagierten Anleger auf die Zahlen von Philips. Die Aktien der Medizintechnikfirma fielen in Amsterdam um 4,6 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 28,04 Euro. Umsatz und operativer Gewinn 2021 lägen unter den Erwartungen, kommentierte Analyst James Vane-Tempest von der Investmentbank Jefferies.

          In der Hoffnung auf frischen Wind bei Unilever stiegen Anleger bei dem Konsumgüter-Hersteller ein. Die Aktien des „Domestos“-Anbieters gewannen in London 7,3 Prozent und stiegen damit so stark wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Insidern zufolge hat sich der aktivistische Finanzinvestor Trian bei Unilever eingekauft.

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