https://www.faz.net/-gv6-7ztrv

Dax 11.000 : Einsteigen lohnt sich noch

Der Dax nimmt eine Rekordhürde nach der nächsten. Bild: © ImageZoo/Corbis

Die Börse eilt von Rekord zu Rekord – trotz der Griechen- und Ukraine-Krise. Aktien sind gleichwohl noch nicht zu teuer.

          3 Min.

          Und schon wieder ein Rekord: Am Freitag hat der Dax die Marke von 11.000 Punkten geknackt und stoppte erst bei 11.014 Punkten. Deutschlands wichtigster Aktienindex kennt derzeit nur die Richtung nach oben. Seit Jahresanfang hat er schon 12 Prozent gewonnen - mehr als im ganzen vergangenen Jahr. Und auch mehr als die meisten anderen internationalen Börsen. Deutschland ist nicht nur Fußball-Weltmeister, sondern ist in diesem Jahr nun auch Börsenchampion.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Euphorie überrascht angesichts des schon erreichten Kursniveaus und des mittlerweile schon sehr langen sechs Jahren währenden Börsenaufschwungs. Und es wundert vor dem Hintergrund der jüngsten Blockadehaltung von Griechenland, die zu einem Ausscheiden des Landes aus dem Euro mit der damit verbundenen Unruhe an den Finanzmärkten führen kann. Und angesichts des Krieges in der Ostukraine, der in den vergangenen Wochen immer heftiger wurde und in weiteren schmerzhaften Wirtschaftssanktionen gegen Russland resultieren könnte. Das würde einige deutsche Unternehmen hart treffen.

          Der Dax blendet solche Risiken völlig aus. Und steigt einfach ungebremst. Das hat in der Vergangenheit selten gut getan. Spielen die Märkte jetzt verrückt, müssen sich die Anleger daher sorgen, dass bald der Absturz kommt? Oder ist jetzt der Zeitpunkt zu kaufen?

          Niedriger Ölpreis als Konjunkturmotor

          Die meisten Beobachter sind optimistisch. „Die positiven Faktoren dominieren derzeit den negativen Gegenwind“, sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt HSBC Trinkaus&Burkhardt. Davon gibt es einige und die sind ziemlich handfest. Das heißt: Die ökonomischen Fakten sind derzeit stärker als politische Unsicherheiten. So hat sich zum Beispiel der Ölpreis seit dem vergangenen Sommer fast halbiert. Davon profitieren die ölverarbeitenden Unternehmen und die Transportbranche, aber auch die Autofahrer an der Tankstelle. Die haben nun deutlich mehr Geld in der Tasche als vorher. „Die Konsumenten haben die mit dem Rückgang der Energiepreise verbundene gestiegene Kaufkraft nicht weggespart, sondern für gesteigerte Ausgaben genutzt“, sagt Gottfried Steindl, Analyst bei der österreichischen Raiffeisen Research.

          Bild: F.A.Z.

          Das spiegelt sich wider in den gerade veröffentlichten Zahlen zum deutschen Wirtschaftswachstum. Der Konsum hat dabei besonders kräftig zugelegt. Dabei hilft, dass die Zinsen so niedrig sind, dass viele Deutsche gar keinen Anreiz haben, das Geld „wegzusparen“, sondern es lieber ausgeben. Auch das Wirtschaftswachstum insgesamt hat die Märkte positiv überrascht und war einer der Hauptgründe für den neuen Dax-Rekord in der vergangenen Woche. 1,6 Prozent stieg es in Deutschland, dabei im vierten Quartal besonders stark. „Deutschland ist die treibende Kraft in der Eurozone“, sagt Steindl.

          Den Unternehmen hilft zudem der gesunkene Eurokurs. Wer aus dem Euroraum heraus exportiert, dessen Waren wurden auf den Weltmärkten seit vergangenem Frühjahr um fast 20 Prozent günstiger - gerade für deutsche Auto- und Maschinenbauer ist das ein großer Wettbewerbsvorteil. Nicht überraschend haben Deutschlands Exportfirmen 2014 einen neuen Rekordumsatz gefeiert und sind damit führend in der Welt.

          Aktien kaufen oder Shoppen gehen

          Die Anleger fragen sich nun, ob es in diesem Jahr so weitergehen kann und es sich daher lohnt, jetzt noch Aktien zu kaufen. Einiges spricht dafür. Zum Beispiel die Europäische Zentralbank. Sie wird bald mit Staatsanleihekäufen beginnen und damit noch mehr billiges Geld in den Markt pumpen. Das hält die Zinsen weiter niedrig. Wer noch etwas Rendite haben will, muss dann Aktien kaufen. Das treibt die Kurse weiter nach oben. Wer gar nicht mehr sparen mag und lieber einkaufen geht, fördert Konsumaktien. Baumärkte wie Hornbach, Reiseveranstalter wie Tui oder Luxushersteller wie Dior oder Tiffany freuen sich schon.

          Auch der Euro wird schwach bleiben. Denn die europäische Wirtschaft wächst derzeit schwächer als die amerikanische. Außerdem wird die Notenbank in Washington vermutlich im Sommer die Leitzinsen erstmals seit 2006 erhöhen und damit den Dollar weiter stärken. „Die Analysten unterschätzen die positiven Währungseffekte auf die Bilanzen der deutschen Unternehmen“, sagt Jürgen Pieper, Leiter des Research der renommierten Privatbank Metzler. Die Schwäche des Euro werde sich erst 2015 voll in den Gewinnen zeigen. Allein für die Autobauer erwartet er dadurch jeweils mindestens eine Milliarde Euro mehr Gewinn. Deren weitverbreitete Sorge vor einem Einbruch des wichtigen Exportmarktes China teilt er nicht. Und der Absatzmarkt Amerika entwickele sich weiter hervorragend. Deutsche Exporttitel gehören daher zu Piepers wichtigsten Empfehlungen derzeit.

          Zudem sind Aktien trotz der Kursrekorde noch nicht teuer. Das drückt sich in der Kennzahl Kurs-Gewinn-Verhältnis aus. Derzeit sind in den Dax-Kursen ungefähr das 14-fache der erwarteten Gewinne eingepreist. Das ist nicht günstig, aber auch nur knapp über dem historischen Durchschnitt. „Angesichts der niedrigen Zinsen wäre theoretisch selbst das 20fache noch nicht richtig teuer“, sagt Pieper. Er würde jetzt noch Aktien kaufen. „Ich denke, der Aufschwung trägt auf jeden Fall noch bis ins nächste Jahr hinein.“

          Frankfurt : Dax knackt 11.000-Punkte-Marke

          Weitere Themen

          Nach dem Rennen geht es los

          Aktienmarkt : Nach dem Rennen geht es los

          Im Mai verkaufen, im September zurückkommen, lautet eine alte Börsendevise. Ob das sinnvoll ist, daran scheiden sich die Geister. Aber die Beschäftigung damit lehrt viel über die Börse.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.