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Das liebe Geld : Die Erfindung des Geldes

Große Geldstücke: Solches Steingeld wechselt auf dem Pazifikatoll Ulithi noch heute den Besitzer. Bild: Imago

Salz, Tabak, Hundezähne: Die Menschheit hat viele Zahlungsmittel erfunden. Mit Muscheln und Steinen wird sogar heute noch bezahlt.

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          Wer mit Münzen und Scheinen aufgewachsen ist, der kann sich andere Formen des Geldes schwer vorstellen. Dass zum Beispiel verschlüsselte Zahlenreihen, wie sie Bitcoin und anderen sogenannten Kryptowährungen zugrundeliegen, tatsächlich wie Geld funktionieren sollen, ist für Freunde des Bargelds kaum nachvollziehbar. Ebenso unwirklich erscheint es, dass Muschelschalen bis heute in Teilen der Welt als Zahlungsmittel akzeptiert sind. Wenn Ziffernfolgen, Gehäuse von Weichtieren und staatlich beglaubigte Banknoten in derselben Funktion nebeneinander existieren können, dann lässt das nur einen Schluss zu: Alles kann Geld sein. Abhängig davon, in welcher Lebenswelt man sich befindet.

          Thomas Klemm
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass im Prinzip alles zum Geld taugt, zeigt ein Blick in die Geschichte, weit zurück bis ins dritte Jahrtausend vor Christi Geburt. Zu jener Zeit begannen Sumerer und andere Völker, sich von reinen Tauschgeschäften zu verabschieden. Damit ein Töpfer, der eine Familie zu ernähren hatte, nicht zwingend einen Jäger finden musste, der ihm im Tausch einen Topf abnahm, hat man Geld erfunden. Durch das Tauschmittel war fortan jeder in der Lage, zu einem x-beliebigen Zeitpunkt eine Ware oder Dienstleistung zu erwerben, die er gerade benötigte, und das zu einem gewissen Preis.

          Einigung auf ein einheitliches Bezahlungsmittel

          Das Bedürfnis nach Bezahlung entstand nahezu gleichzeitig in vielen Gegenden der Welt. Selbst primitivste Wirtschaften entwickelten irgendeine Form von Geld. In der Frühzeit waren es vor allem Rohstoffe, die als Standardtauschmittel zum Einsatz kamen. Als Erstes mussten sich die jeweiligen Gemeinschaften darauf einigen, welcher Stoff als Zahlungsmittel dienen sollte. Einige Voraussetzungen mussten erfüllt sein. Zum einen musste der Rohstoff in dem jeweiligen Lebensraum allgemein verfügbar sein. Zum anderen mussten sich die Mitglieder einer Gemeinschaft darauf verständigen, dass das ausgewählte Naturprodukt einen Wert besitzt und jeder darauf vertrauen kann, dass es von allen anderen als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Sobald eine Gemeinschaft darin übereingekommen ist, dass ein bestimmtes Mittel zum Verrechnen, Bezahlen und zur Wertaufbewahrung taugt, ist seine Erscheinungsform egal: ob es Banknoten aus Papier sind, elektronische Bitcoin oder Naturalien wie Zucker.

          Dass es sich bei den Vorläufern unseres heutigen Geldes meistens um Rohstoffe handelte, lag auch daran, dass sie üblicherweise einen Gebrauchswert hatten, also nützlich waren. Sie waren obendrein leicht zu transportieren, aufzubewahren und abzuzählen. Völlig ungeeignet waren zum Beispiel Eier, weil sie zerbrechlich sind und deswegen schlecht zu befördern.

          Auch Salz setzte sich als Zahlungsmittel nicht an vielen Orten durch. In Afrika war Salz aus der Sahara zwar als eine Form des Geldes anerkannt, weil es eine gewisse Härte und Haltbarkeit garantiert. Doch in feuchteren Weltregionen war Salz ungeeignet: Wird es nämlich nass, löst es sich auf – und das Geld ist futsch. Also wurden normalerweise robuste Dinge zum Zahlungsmittel der Wahl: Muscheln oder Kokosnüsse, Pfeilspitzen oder Äxte, Vogelfedern oder Reis. Auf manchen Inseln wurde sogar mit Delphinzähnen und Hundezähnen bezahlt, wie Michael Vaupel und Vivek Kaul in ihrem Buch „Die Geschichte(n) des Geldes“ berichten.

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