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Scherbaums Börse : Das gefährliche Rudelverhalten der Tech-Anleger

  • -Aktualisiert am

Passanten vor der New Yorker Börse Bild: AFP

An der Börse kommt seit Monaten kein Anleger an Amerikas Internet-Aktien vorbei. Allein Apple und Amazon machen rund ein Viertel des Gesamtgewichts des Nasdaq-100-Index aus. Die Gefahr einer Überbewertung wurde ignoriert – bis jetzt.

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          Wer in den vergangenen Wochen an die amerikanische Technologiebörse Nasdaq blickte, kam kaum auf die Idee, dass die Welt nach wie vor mit der Corona-Pandemie und den Folgen des daraus resultierenden globalen Lockdown zu kämpfen hat. Ungeachtet dessen erklomm der Nasdaq 100 Index einen historischen Höchststand und schaffte es zuletzt, zehn Rekordhochs innerhalb von zwölf Handelstagen zu vermelden.

          Doch am Donnerstag überraschte ein Einbruch des technologiestarken Nasdaq-Index um mehr als 5 Prozent die Anleger. Das zog am Donnerstag auch den Dax deutlich nach unten, der am Freitag mit einem Minus von 0,7 Prozent und unter der Marke von 13.000 Punkten eröffnete.

          Das von den Tech-Giganten Apple, Microsoft und Amazon dominierte Börsenbarometer Nasdaq 100 hatte zum Auftakt des Septembers zunächst nahtlos an den starken Monat August angeknüpft. Es war zudem der stärkste Monat August seit 2000 – dem Jahr in dem die Dotcom-Blase zu gigantischen Vermögensverlusten bei vielen Anlegern führte.

          Ich will an dieser Stelle nicht den Versuch eingehen, einen Vergleich zu ziehen, auch wenn Analysten zuletzt immer wieder vor zu hohen Bewertungen vor allem in der Internet-, Chip- und Software-Branche gewarnt haben. Die Einschätzung, dass die Aktienkurse die fundamentalen Wachstumsaussichten der Unternehmen zu weit hinter sich lassen und eine Blase drohe, sind schon länger von vielen Analysten zu lesen. Es ist auch nicht so schwer nachzuvollziehen:

          NASDAQ 100

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          Allein Apple und Amazon machen rund ein Viertel des Gesamtgewichts aller 100 Unternehmen des Nasdaq 100 Index aus. Der Hype um diese Papiere, wie auch um die Google-Holding Alphabet oder um Microsoft und Netflix sind für manche älteren Börsianer nicht so leicht nachvollziehbar.

          (Zu) hohes Bewertungsniveau bei Tech-Werten

          Letztlich bergen sie auch eine gewisse Gefahr. Das gigantische Bewertungsniveau bei den großen amerikanischen Tech-Werten ist darauf zurückzuführen, dass seit Wochen und Monaten gefühlt jeder Anleger in diese Aktien investiert, um an der Kursrallye teilzunehmen. Das „Verpasst-Gefühl“ will schließlich keiner haben. Dadurch entsteht aber auch ein nicht zu verachtendes Rudelverhalten: Eine Handvoll Aktien wird von sehr vielen Anlegern gekauft, das wiederum steigert die Spekulation und das Risiko von Überbewertungen.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          Mikko Ripatti, Portfolio Manager bei DNB Asset Management, geht sogar noch weiter und nimmt klar zur Apple-Aktie Stellung: „Apple ist ein Beispiel für einen Titel, den Anleger derzeit nicht im Portfolio haben müssen. Die Aktie ist in diesem Jahr um mehr als 70 Prozent gestiegen, während die Prognosen für den Gewinn je Aktie nur um ein Prozent angehoben wurden. Das Betriebsergebnis (Ebit) liegt auf dem gleichen Niveau wie 2015.“

          Hinzu komme, so der Börsen-Experte, dass bei Apple eine zusätzliche Wertschöpfung im App-Business eher unwahrscheinlich sei, weil es sich vor dem Hintergrund der Corona-Krise um den perfekten Sturm gehandelt habe. Er ergänzt: „Zugleich wird der 5-G-Wiederbeschaffungszyklus vor dem Hintergrund eines von einem hohen Sättigungsgrad gekennzeichneten Marktes überbewertet.“

          Apple von Handelskrieg betroffen

          Nicht zuletzt sei Apple sehr stark vom chinesisch-amerikanischen Handelskrieg betroffen. Doch „trotz der fehlenden fundamentalen Wertschöpfung wird die Apple-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 33 auf Basis der für das kommende Jahr prognostizierten Gewinne gepreist.“

          Was macht nun ein Anleger, der in den vergangenen Wochen erst bei einem Tech-Titel wie Apple eingestiegen ist? Soll er die Gewinne mitnehmen – auch nach dem Einbruch vom Donnerstag? Ein Investor wie Warren Buffett, der beim iPhone-Konzern schon deutlich früher eingestiegen ist, hat es da einfacher. Das „Orakel vom Omaha“ sitzt auf einem milliardenschweren Apple-Anteil und konnte eben mit dieser Aktie einen grandiosen Gewinn bisher generieren.

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          Neben Apple könnte man aber ebenso Microsoft als gutes Beispiel für ein steigendes Risiko von Überbewertung nennen. Auch die Aktie des Windows-Konzerns hat sich in den vergangenen Monaten sehr gut entwickelt. Doch hat das Papier jetzt ein Bewertungsniveau erreicht, das es für manchen Analysten im Vergleich zu anderen Aktien des Sektors eher als unattraktiv erscheinen lässt.

          Tiefe Bewertungskluft

          Professionell agierende Investoren würden hingegen, so Thomas Böckelmann, Marktexperte bei Euroswitch, derweil versuchen abzuschätzen, ob sich die historisch gesehen größte Bewertungskluft zwischen Growth- und Value-Titeln fortsetzen wird oder vor ihrem Ende steht. „Wachstumstitel wie Technologie waren nie teurer und gleichzeitig zyklische Branchen wie zum Beispiel Rohstoffe oder Energie günstiger bewertet“, konstatiert Böckelmann.

          Am Ende wird jeder Anleger sich selbst überlegen müssen, wie das persönliche Aktien-Portfolio für den langfristigen Vermögensaufbau aussehen soll. Letztlich sollte man eines vermeiden: Einfach in Aktien investieren, die gerade überall die Schlagzeilen bestimmen und entsprechend (zu) hoch bewertet sind.

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