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F.A.Z. exklusiv : DAK verliert nach Beitragsanhebung 184.000 Kunden

  • -Aktualisiert am

Die DAK erscheint als der große Verlierer der Beitragserhöhungsrunde. Bild: dpa

Die DAK hat 3 Prozent ihrer Versicherten verloren und zählt damit erstmals weniger als 6 Millionen Kunden. Doch Daten zeigen: Zusatzbeiträge führen nicht automatisch zu Abwanderungen.

          2 Min.

          Zwei von drei Krankenkassen hatten zum Jahreswechsel ihre Zusatzbeiträge teils drastisch angehoben. Viele Mitglieder haben darauf mit dem Wechsel zu einer günstigeren Kasse reagiert und so bares Geld gespart. In der Mitgliederstatistik der Kassen schlägt sich das wegen der Kündigungsfristen und Bearbeitungszeiten in den April-Zahlen zum ersten Mal erkennbar nieder. Die ersten Daten liegen jetzt vor.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Sie zeigen, dass die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) im Wettbewerb mit den Ersatzkassen wieder Boden gutmachen konnten. Während die Ersatzkassen nach Informationen der F.A.Z. unter dem Strich zum Januar 17.000 Mitglieder und 34.000 Versicherte verloren, gewann die AOK 268.000 Mitglieder und 355.000 Versicherte hinzu. Anfang April zählten die Ersatzkassen 26,7 Millionen Kunden, die AOK noch 2 Millionen weniger. Angesichts dieser Zahlen müssen auch Innungs- und Betriebskrankenkassen Versicherte verloren haben. Offizielle Daten werden im Mai erwartet.

          Erstmals weniger als 6 Millionen Kunden

          Ein Grund für die Schwäche der Ersatzkassen ist die DAK. Sie erscheint als der große Verlierer der Beitragserhöhungsrunde. Die AOK Plus und die Techniker Krankenkasse zählen mit 165.000 sowie 132.000 Neuversicherten dagegen zu den Gewinnern. Dabei hatte zumindest die TK ihren Beitragssatz ebenso wie viele andere Kassen um 0,2 Punkte angehoben. Sie bliebt aber weiter knapp unter dem durchschnittlichen Satz von 15,7 Prozent.

          Nach einer der F.A.Z. vorliegenden internen Auswertung des Verbands der Ersatzkassen hat die DAK, die mit einem Zusatzbeitrag von 16,1 Prozent die teuerste deutsche Kasse ist, seit Januar 184.000 Kunden oder 3 Prozent der Versicherten und (beitragzahlenden) Mitglieder verloren. Sie hat damit erstmals weniger als 6 Millionen Kunden. Bei keiner anderen Kasse dürfte die Zahl der Abgänge so groß sein. Auf der Verliererseite steht auch die Barmer-GEK mit netto 50.000 Abgängen, obwohl sie ihren Beitragssatz mit 15,7 Prozent nicht überdurchschnittlich erhöht hatte. Auch die KKH verliert gut ein halbes Prozent und zählt noch 1,7 Millionen Kunden.

          Mit 9,6 Millionen Versicherten hat die Techniker ihren Vorsprung als größte deutsche Kasse ausgebaut und nimmt die Marke von zehn Millionen in den Blick. Auf Platz zwei folgt die Barmer-GEK mit 8,4 Millionen Mitgliedern vor der DAK, die drittgrößte deutsche Kasse ist. Nicht so hart wie die DAK hat es die IKK Classic getroffen, die seit Januar mit 16,0 Prozent auch einen hohen Zusatzbeitrag verlangt. Es hätten zwar an die 100.000 Mitglieder gekündigt, doch konnte die Kasse den Schwund durch andere Zugänge nach eigenen Angaben auf netto 23.000 Abgänge ausgleichen. Anfang April zählte die Kasse demnach 2,6 Millionen Mitglieder und 3,5 Millionen Versicherte.

          Höhere Beitragssätze müssen nicht zu Wanderungsverlusten führen

          Ihr größter Konkurrent ist die AOK Plus. Diese Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) versorgt nur Kunden in Sachsen und Thüringen. Mit 14,9 Prozent hat sie einen der niedrigsten Beitragssätze. Ausschlaggebend dafür sind auch strukturelle Gründe, wie die in den 90er Jahren grundlegend reformierte Krankenhauslandschaft in Sachsen. Die AOK Plus hat nach eigener Darstellung seit Januar 165.000 Kunden hinzugewonnen und zählt seit April erstmals mehr als 3 Millionen Versicherte.

          Dass höhere Beitragssätze nicht automatisch zu Wanderungsverlusten führen, zeigt die AOK Rheinland/Hamburg. Die hat ihren Beitragssatz ebenfalls auf das Rekordmaß von 16,0 Prozent geschraubt. Das hat sich aber unter ihren Mitgliedern und im Windschatten der Debatte um die DAK offenbar nicht weiter herumgesprochen. Man habe seit Januar 18.500 Versicherte und 16.800 Mitglieder hinzugewonnen, sagte eine Sprecherin. In der amtlichen Statistik zähle man 2,9 Millionen Versicherte und 2,2 Millionen Mitglieder.

          Die HEK aus Hamburg legte um 2 Prozent zu, die Bremer HKK sogar um 17 Prozent. Ihre Beitragssätze liegen mit 15,6 und 15,2 Prozent weiter unter Durchschnitt. Die HKK zählt nun 485.000 Versicherte, die HEK 474.000.

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