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Scherbaums Börse : Daimler Truck: Ein Weltmarktführer zum Anfassen

  • -Aktualisiert am

Der elektrische Lkw eActros ist Teil der globalen Plattformstrategie für Elektromobilität von Daimler Truck. Bild: dpa

Die Lkw von Daimler Truck sind weltweit gefragt. Der Nutzfahrzeughersteller und Dax-Neuling könnte langfristig eines der nachhaltigsten Investments für mobilitätsaffine Anleger werden.

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          Vergangene Woche hielt Daimler Truck die erste ordentliche Hauptversammlung als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen ab. Corona-bedingt musste das Aktionärstreffen als virtuelle Hauptversammlung abgehalten werden, trotzdem lohnte sich ein Blick auf die Veranstaltung. Das Dax-Unternehmen konnte mit einiger deutscher Manager-Prominenz aufwarten. Joe Kaeser, langjähriger Siemens-Chef, durfte die Hauptversammlung als Aufsichtsratsvorsitzender eröffnen und den Vorsitz übernehmen.

          Der Konzern, der unter anderem mittelschwere und schwere Lkw, Stadtbusse und Überlandbusse, Reisebusse sowie Busfahrgestelle anbietet, legte dar, wie man die Herausforderungen – wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges, Lieferkettenprobleme sowie eine drohende wirtschaftliche Abschwächung – meistern möchte. Wenn es um die kurzfristigen Probleme geht, scheint sich Daimler Truck gut schlagen zu können. Als Reaktion auf den Halbleitermangel wurde beispielsweise die Verteilung der Chips optimiert. Eine strikte Kontrolle der Fixkosten soll zudem helfen, die Steigerungen bei den Rohstoffpreisen abzufedern.

          Noch läuft es mit den Lkw-Aufträgen

          Gleichzeitig kam dem Konzern zuletzt aber auch eine anhaltend starke Nachfrage infolge der wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Delle zugute. Im ersten Quartal 2022 legten die Verkaufszahlen im Vorjahresvergleich trotz Lieferengpässe um 8 Prozent auf 109.000 Einheiten zu. Preissteigerungen sowie positive Entwicklungen in den Bereichen Aftersales und Gebraucht-Lkw sorgten dafür, dass die Umsätze um 17 Prozent auf 10,6 Milliarden Euro zulegten. Mit einem Auftragseingang von 139.000 Einheiten wurde zudem der Rekord-Auftragsbestand weiter ausgebaut. Bereinigt um die Kosten des Stopps der Aktivitäten in Russland infolge des Ukraine-Krieges legte das bereinigte EBIT im Industriegeschäft um 9 Prozent auf 604 Millionen Euro zu.

          Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          Die Aktionäre dürften dies mit Freude aufgenommen haben, ebenso wie optimistisch sich das Management für den Rest des Jahres äußerte. Der 2022er-Absatz wird bei 500.000 und 520.000 Einheiten gesehen, während die Umsatzprognose von 45,5 bis 47,5 Milliarden Euro auf nun 48,0 bis 50,0 Milliarden Euro sogar leicht angehoben wurde. Die EBIT-Prognose für den Konzern wurde ebenfalls von „leichter Rückgang“ angepasst „auf Vorjahresniveau“.

          Die E-Mobilität steht im Fokus

          Ein ebenso wichtiges Thema auf der Hauptversammlung war, wie Daimler Truck die Dekarbonisierung im Mobilitätssektor angehen möchte. Der Konzern will die Entwicklung von Fahrzeugen mit batterie- und wasserstoffbasierten Antrieben beschleunigen. Im Jahr 2030 sollen im Fahrbetrieb emissionsfreie Nutzfahrzeuge bis zu 60 Prozent der Verkäufe von Daimler Truck ausmachen. Ab 2039 will das Unternehmen in Nordamerika, Europa und Japan nur noch Neufahrzeuge anbieten, die im Fahrbetrieb CO2-neutral sind.

          Ein wichtiger Schritt hierfür ist die im Mai erfolgte Ankündigung des Unternehmens, dass der eCascadia der amerikanischen Marke Freightliner noch in diesem Jahr in die Serienproduktion gehen und an einige Kunden ausgeliefert werden soll. Zuvor hatte der vollelektrische Schwerlast-Lkw laut Konzernangaben mehr als 1,6 Millionen Testkilometer erfolgreich im Kundenbetrieb absolviert. Die Reichweite liegt bei etwa 370 km, sodass der Lkw für Kurzstrecken ideal sein soll.

          Der Freightliner eCascadia ist zusammen mit dem Mercedes-Benz eActros und dem eEconic Teil der globalen Plattformstrategie von Daimler Truck. Auf diese Weise setzt das Unternehmen auf eine weltweit einheitliche und kostensparende Basisarchitektur für vollelektrische Lkw: den ePowertrain. In zwei Jahren soll wiederum der elektrische Langstrecken-Lkw eActros LongHaul mit einer Reichweite von rund 500 km im wichtigen Langstreckenverkehr zum Einsatz kommen und den Beitrag von Daimler Truck zur Elektrifizierung der Nutzfahrzeugindustrie erhöhen.

          Eine Option für Langfristanleger

          Die Pläne von Daimler Truck könnten den einen oder anderen Langfristanleger mit dem Fokus auf nachhaltige Investments durchaus dazu bringen, sich die Aktie einmal näher anzuschauen. Aufgrund der kurzen Kurshistorie bleibt eigentlich auch nicht viel, um sich ein Bild des Konzerns zu machen. Wer seit dem Börsenstart dabei ist, dürfte entspannt sein.

          Nach dem Börsen-Start von Daimler Truck am 10. Dezember 2021 (Eröffnungskurs: 28 Euro) ging es für den Kurs zunächst bis Mitte Januar 2022 auf 35,75 Euro nach oben. Nach einem anschließenden mehrwöchigen Seitwärtslauf rutschten die Notierungen ab. Dabei markierte Daimler Truck Anfang März den bislang tiefsten Stand bei 20 Euro. Bis Anfang Juni legte der Kurs wieder auf 30 Euro zu, woraufhin bis Mitte Juni ein erneuter Einbruch auf 25 Euro folgte. Inzwischen konnten sich die Notierungen im Bereich dieser Kursmarke stabilisieren.

          DAIMLER TRUCK HLDG NA ON

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          Wegen der eben noch sehr kurzen Börsenhistorie lässt sich bei Daimler Truck aktuell nicht einschätzen, ob die Aktie als Langfristanlage geeignet ist. Die scharfe Kurskorrektur zwischen Februar und März um – in der Spitze – rund 40 Prozent lässt aber vermuten, dass es sich hier um einen konjunktursensiblen Wert handelt, bei dem auch künftig größere Kursschwankungen zu erwarten sind.

          Seitens internationaler Analysehäuser gab es in den vergangenen Wochen diverse positive Kommentare. Die kanadische Bank RBC Capital beispielsweise hat die Einstufung auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 53 Euro belassen. JP Morgan wiederum hat die Einstufung vor den im August erwarteten Quartalszahlen auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 48 Euro belassen.

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