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Cyberwar : Verwirrung um Hackerangriff auf Russlands Zentralbank

  • Aktualisiert am

Wer steckt hinter dem Cyber-Angriff auf die russische Notenbank? Bild: Reuters

Wurden die Konten der russischen Zentralbank gehackt? Berichte, dass 2 Milliarden Rubel mit gefälschten Zugangscodes erbeutet worden seien, dementierte die Notenbank über die staatliche Nachrichtenagentur Tass.

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          Haben unbekannte Hacker bei Russlands Zentralbank einen Millionen-Betrag erbeutet? Es seien insgesamt zwei Milliarden Rubel (umgerechnet 29,2 Millionen Euro) mittels gefälschter Zugangscodes von Konten abgeräumt worden, teilte ein Mitarbeiter der Zentralbank am Freitag laut eines Reuters-Berichts mit. Dagegen berichtete die russische Staatsnachrichtenagentur Tass von einem Dementi der Zentralbank.

          Die Zentralbank verwies demnach in ihrem Dementi auf eine Übersicht zur Finanzmarktstabilität, die am Freitagabend vorgelegt worden sei. Darin sei es um Verluste gegangen, die Banken und ihre Kunden durch Hackerangriffe im ganzen Jahr 2016 erlitten hätten, teilte die Notenbank laut Tass mit. Wenn das zutrifft, wären die Hackerangriffe weder neu, noch hätten sie die Zentralbank direkt betroffen.

          Die Zentralbank teilte laut Tass weiter mit, dass zu Anfang des Jahres 2016 durch zielgerichtete Hackerangriffe Geld von Konten kommerzieller Banken erbeutet worden sei, und zwar 2,87 Milliarden Rubel, wovon 1,67 Milliarden Rubel wiedererlangt worden seien.

          Wie Reuters und CNN dagegen berichteten, hätten die Diebe versucht, insgesamt an fünf Milliarden Rubel zu kommen. Der Fall ruft Erinnerungen an den weit spektakuläreren Beutezug von Cyberangreifern in Bangladesch wach, die bei der Notenbank 81 Millionen Dollar stahlen. Die Hacker nutzten dafür das internationale Zahlungsverkehrssystem Swift.

          Von Amerika aus?

          Ausländische Spione haben nach Angaben des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB zudem koordinierte Cyberangriffe auf das Bankensystem Russlands und eine Welle von Falschmeldungen in sozialen Netzwerken geplant. Dies sei vereitelt worden. Der Angriff sollte demnach am Montag starten und auf eine Reihe größerer Geldhäuser abzielen.

          Die Falschmeldungen sollten von einer Krise im Bankensystem, Insolvenzen und dem Entzug von Lizenzen handeln. „Der FSB hat die notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um Bedrohungen für die russische Wirtschafts- und Informationssicherheit zu neutralisieren“, hieß es in der Mitteilung. Russlands Zentralbankchefin Elvira Nabiullina sagte, das Bankensystem sei stabil.

          In Russland gilt eine erhöhte Warnstufe für Cyberangriffe, insbesondere seit den Vorwürfen aus den Vereinigten Staaten, wonach die Regierung in Moskau an dem Hackerangriff auf die Demokratische Partei während des Wahlkampfs beteiligt gewesen sein soll.

          Der amerikanische Vizepräsident Joe Biden hatte damals erklärt, die Vereinigten Staaten würden darauf eine „verhältnismäßige“ Antwort finden. Seither hat es eine Reihe von Cyberangriffen auf russische Einrichtungen gegeben. Es ist aber unklar, ob sie in Zusammenhang mit dem Streit zwischen den Regierungen in Moskau und Washington stehen.

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