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Crowdfunding : Der Schwarm sammelt lieber in Amerika

Auf Crowdfunding-Plattformen ermöglichen Fans die Umsetzung von Projekten, darunter immer wieder auch Bücher. Bild: dapd

Die Vereinigten Staaten bleiben beim Crowdfunding das Maß aller Dinge. Verglichen mit dem amerikanischen Milliardengeschäft sind die auf deutschen Plattformen eingeworbenen Beträge winzig.

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          Das Internet hat schon viele Branchen grundlegend verändert: Seitdem man Lieder weltweit aus dem Netz laden kann, verdienen Musiker heute ihr Geld mehr über Fanartikel und Konzerte als über den Verkauf ihrer Musik. Auch der Zeitungsbranche bereitet das Nachrichtenangebot im Internet Schwierigkeiten, die Folge sind sinkende Auflagen. Als Nächstes könnten die Banken an der Reihe sein und ihren Nimbus als Kreditgeber verlieren. Denn immer öfter wird im Internet auch um Geld geworben. Das Ganze nennt sich – je nach Ausprägung – Crowdfunding oder Crowdinvesting. Übersetzt bedeutet das so viel wie Schwarmfinanzierung.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Konzept ist einfach: Wer eine Idee hat, stellt sie auf einer Internetplattform wie Seedmatch oder Kickstarter vor und gibt seinen Geldbedarf an. Wer die Idee gut findet, beteiligt sich daran. Indem viele Menschen eher kleinere Beträge geben, kommen so vergleichsweise große Summen zusammen. Sollte der Punkt, an dem die Realisierung möglich ist, nicht erreicht werden, bekommen die Geber ihr Geld zurück. Der Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting liegt darin, was genau man für sein Geld bekommt. Beim Crowdfunding gibt es nämlich keine monetäre Rendite. Wird ein Projekt finanziert, liegt der Gewinn zum Beispiel in einer Danksagung oder dem fertigen Produkt.

          13 Millionen durch Crowdinvesting

          Beim Crowdinvesting geht es dagegen um handfeste wirtschaftliche Interessen. Die Schwarmfinanziers geben einem Unternehmen Geld, und dieses verspricht wiederum eine Rendite – je nachdem, wie erfolgreich das Projekt ist. So wollen die Unternehmen ihren Kapitalstock erhöhen, was über den Schwarm oft deutlich günstiger ist als über Banken oder andere Geldgeber. Die Anleger setzen dafür darauf, ihr investiertes Kapital deutlich höher verzinst wiederzuerlangen. Natürlich müssen Anleger auch hier die Grundregel der Geldanlage beachten: „Je höher die Rendite, desto höher das Risiko“ – sie geben den Unternehmen nichts anderes als eine Finanzierung. Sollte das Unternehmen – aus welchen Gründen auch immer – in eine finanzielle Schieflage geraten, kann das Geld weg sein.

          Bisher wurden hierzulande laut dem Portal „Für Gründer“ seit 2011 insgesamt 18,79 Millionen Euro gesammelt. 12,99 Millionen Euro wurden durch Crowdinvesting eingetrieben, weitere 5,8 Millionen Euro durch Crowdfunding. Der Markt wird in Deutschland momentan von zwei Plattformen dominiert: Startnext ist die erfolgreichste Plattform für Crowdfunding. Dort wurden von den bisherigen 5,8 Millionen Euro 5 Millionen gesammelt. Den Crowdinvesting-Markt dominiert dagegen das Dresdner Portal Seedmatch. Vier der fünf größten deutschen Projekte wurden dort gestartet und mehr als 8 Millionen Euro gesammelt.

          Hohes Betrugsrisiko

          Verglichen mit den Vereinigten Staaten, sind dies winzige Beträge: Allein für das Computerspiel „Star Citizen“ wurden bisher schon 27 Millionen Dollar gesammelt. Der dortige Marktführer Kickstarter hat im vergangenen Jahr 312 Millionen Dollar bei Anlegern gehoben. Und insgesamt wurden in den Vereinigten Staaten laut dem Marktforschungsinstitut Massolution 1,6 Milliarden Dollar eingesammelt. Weltweit kamen 2,7 Milliarden Dollar zusammen. Für das laufende Jahr rechnen die Fachleute von Massolution sogar mit einem weltweiten Volumen von etwa 5,1 Milliarden Dollar.

          Der deutsche Markt ist verhältnismäßig so klein, weil die Zahlen von „Für Gründer“ nur für die deutschen Portale erhoben werden. Gibt ein Deutscher also Geld für ein Projekt in den Vereinigten Staaten, wird das nicht Deutschland zugerechnet, sondern Amerika. Da auf den dortigen Plattformen wesentlich mehr Projekte zu finden sind, fließt dorthin dementsprechend auch mehr Geld.

          Man sollte aber nicht die Nachteile aus dem Auge verlieren. So wurde bei der amerikanischen Plattform Kickstarter bei 44 Prozent der Projekte nie das Finanzierungsziel erreicht, sie werden also nicht realisiert. Daneben gibt es auch die Gefahr, dass sich diejenigen, die das Geld sammeln, mit ihrem Erlös aus dem Staub machen oder dass ihre Produkte schlicht nicht so gut sind wie versprochen.

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