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Aktienanalyse Cropenergies : Hochprozentiges im Tank

Gut für die CO2-Bilanz: Bio-Kraftstoff E10 an einer Tankstelle Bild: dpa

Mit den Ausgangsbeschränkungen im Lockdown brach der Börsenkurs des Biokraftstoffherstellers Cropenergies ein. Ende September erreichte das Papier ein Allzeithoch. Was die Aktie Anlegern bringt.

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          In der aktuellen Diskussion um Elektroautos ist ihre Existenz ein wenig ins Hintertreffen geraten, dabei bieten sie Verbrennern die Möglichkeit, ihre CO2-Bilanz zu verbessern: Die Rede ist von Biokraftstoffen. Beim Erreichen der Klimavorgaben im Verkehrssektor spielen sie zunehmend eine wichtige Rolle. Davon profitieren Unternehmen wie die Mannheimer Cropenergies. In der Vergangenheit waren Hersteller von Biokraftstoffen wie Ethanol jedoch sehr anfällig für politische Entwicklungen. Der Green Deal der EU und die ambitionierteren Emissionsziele sorgen für Optimismus in der Branche. Wie die langfristig strengeren Emissionsrichtlinien und die pandemiebedingten Einschränkungen in nächster Zeit das Geschäft beeinflussen, bleibt abzuwarten. Mit den zuletzt wieder stark steigenden Infektionszahlen hat auch die Unsicherheit zugenommen.

          Die Südzucker-Tochtergesellschaft ist mit einer jährlichen Produktionskapazität von 1,3 Millionen Kubikmetern Europas führender Ethanolhersteller. An insgesamt vier Produktionsstandorten in Deutschland, Belgien, Großbritannien und Frankreich wird aus Getreide und Zuckerrüben Neutralalkohol und technischer Alkohol (Ethanol) gewonnen, als Nebenprodukt entstehen Lebens- und Tierfuttermittel. Neben der Herstellung von nachhaltigem Kraftstoff spielen klassische Anwendungen wie zum Beispiel im Getränke- oder Kosmetikbereich eine Rolle, wenn auch eine untergeordnete. Seit Beginn der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage nach Ethanol für Desinfektionsmittel stark an, konnte allerdings die geringere Kraftstoffnachfrage während des Lockdowns nicht annähernd ausgleichen. Nach dem Lockdown profitierte das Unternehmen von einem Anstieg des Autoverkehrs im Vergleich zu öffentlichen Transportmitteln.

          Während im vergangenen Geschäftsjahr mit 899 Millionen Euro der höchste Umsatz seit der Unternehmensgründung im Jahr 2006 verbucht werden konnte, ist man mit optimistischen Prognosen nun eher vorsichtig. „Im Vergleich zum vorangegangenen Rekordjahr wird für das laufende Geschäftsjahr ein deutlicher Rückgang bei Umsatz und operativem Ergebnis erwartet“, heißt es im Geschäftsbericht. Für 2020/21 rechnet die Unternehmensführung mit einem Umsatz von 850 bis 900 Millionen Euro – vorausgesetzt, dass es im Verlauf des Geschäftsjahres nicht abermals zu Mobilitätseinschränkungen kommt und sich die robuste Nachfrage nach Ethanol fortsetzen.

          Cropenergies 3 Monate

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          Cropenergies erzielte 2019/20 ein operatives Ergebnis von 104 Millionen Euro. Das entspricht einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 146 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Vorstand sogar ein operatives Ergebnis zwischen 110 und 140 Millionen Euro, was einem Ebitda von 150 bis 180 Millionen Euro entspricht. Die Ursache dafür ist nach Unternehmensangaben die hohe Nachfrage nach erneuerbarem Ethanol und die stark gestiegenen Ethanolpreise. Grund zur Hoffnung gibt auch ein Blick auf die aktuelle Gewinnentwicklung: Der Gewinn stieg im zweiten Quartal auf 31,5 Millionen Euro im Vergleich zu 21,1 Millionen Euro im zweiten Quartal des vorangegangenen Jahres. Das operative Ergebnis stieg im gleichen Zeitraum dank deutlich höherer Ethanolerlöse auf 42,6 Millionen Euro im Vergleich zu 28,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Mit einer Eigenkapitalquote von 74 Prozent ist das Unternehmen solide aufgestellt. Cropenergies hat 455 Mitarbeiter.

          Der Kurs der im Prime Standard notierten Aktie hat sich nach der Talfahrt im März wieder erholt und erreichte am 21.September ein Allzeithoch von 16,48 Euro. Seit Jahresbeginn legte der Kurs damit um 21,3 Prozent an Wert zu. Zuletzt hat die Aktie allerdings an Wert eingebüßt und steht derzeit bei 13,32 Euro. Damit erreicht das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 1,2 Milliarden Euro. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,2 ist das Papier vergleichsweise günstig. Für diese Kennzahl wird der Kurs der Aktie ins Verhältnis zu dem für einen Vergleichszeitraum bestimmten oder erwarteten Gewinn je Aktie gesetzt, häufig werden auch Gewinnschätzungen von Analysten einbezogen. Das KGV kann einen Hinweis auf Über- beziehungsweise Unterbewertung des Papiers liefern.

          Insgesamt hat sich der Markt für Biokraftstoffe von den Mobilitätsbeschränkungen im Frühjahr erholt. Die Aktie des Konkurrenten Verbio hat seit ihrem Tiefststand im März eindrucksvoll zugelegt und erreichte zuletzt mit 20,80 Euro den höchsten Wert seit dem Börsengang. Seit Jahresbeginn gewann das Papier somit 77 Prozent an Wert. Die Aktien von Cropenergies befinden sich zu 69,2 Prozent im Besitz der Muttergesellschaft Südzucker AG, 5,2 Prozent hält die Süddeutsche Zuckerrüben-Verwertungsgenossenschaft und 26,4 Prozent befinden sich in Streubesitz. Im Geschäftsjahr 2019/20 zahlte Cropenergies eine Dividende von 0,30 Euro je Aktie aus. Drei Bloomberg-Analysten raten zum Kauf der Aktie, einer empfiehlt, das Papier zu halten.

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