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Anleger in Angst : Dax erleidet höchsten Verlust seit 2001

  • Aktualisiert am

Schock zum Handelsstart: Händler an der Wall Street Bild: AP

In Amerika und Europa fallen die Aktienkurse. Der Dax verzeichnet den höchsten Tagesverlust seit den Terroranschlägen von 2001. Die Wall Street hat den Handel zwischenzeitlich ausgesetzt und verzeichnet das größte Minus seit der Finanzkrise.

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          Die amerikanischen Börsen haben einen turbulenten Handelstag mit Kursstürzen von mehr als 7 Prozent abgeschlossen. Der Leitindex Dow Jones gab 7,8 Prozent auf 23.851 Punkte nach, das bedeutete den größten prozentualen Tageseinbruch seit der Finanzkrise 2008. Damit verlor der Dow das erste Mal überhaupt innerhalb eines Tages mehr als 2000 Punkte. Der marktbreite S&P 5000 gab um 7,6 Prozent nach, der technologielastige Nasdaq um 7,3 Prozent.

          Kurz nach Handelsbeginn hatten die Börsen in New York den Handel vorübergehend ausgesetzt. Zuvor tendierten die Leitindizes Dow Jones und S&P 500 jeweils um mehr als 7 Prozent niedriger. Dies löste einen sogenannten „Marketwide Circuit Breaker“ (MWCB) aus. Dieser sieht seit dem Jahr 2013 vor, den Handel in außergewöhnlichen Zeiten in drei Stufen zu unterbrechen. Die erste Stufe wird dabei ausgelöst, wenn der S&P 500 um mehr als 7 Prozent fällt. In diesem Fall wird der Handel wie am Montag für 15 Minuten unterbrochen. Dies war das erste Mal seit Einführung, dass ein „Circuit Breaker“ in der bestehenden Form ausgelöst wurde.

          Ziel ist es, eine Kettenreaktion zu unterbrechen, vor allem wenn eine Flut von Verkaufsaufträgen weitere Aufträge nach sich zieht. Die Sinnhaftigkeit der „Circuit Breaker“ wird für vorübergehende Liquiditätsprobleme nicht in Zweifel gezogen. Ob sie jedoch einen Markt auf Dauer stabilisieren können, der unter dem Druck schlechten Nachrichten steht, gilt als fraglich.

          Trump nennt Gründe

          Anleger fragten als ausfallsicher geltende Papiere wie beispielsweise amerikanische und deutsche Staatsanleihen verstärkt nach: Richtungweisende Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentierten mit beinahe minus 0,9 Prozent so niedrig wie nie zuvor, der Euro wertete auf mehr als 1,15 Dollar auf.

          In Deutschland verminderte sich der Standardwerteindex Dax bis zum Handelsschluss um 7,94 Prozent auf 10.625 Punkte. Es war prozentual der größte Tagesverlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Einzelne Werte erlitten teils deutlich stärkere Verluste: Die Anteile an der Deutschen Bank und des Autoherstellers Daimler verbilligten sich um mehr als 13 Prozent. Auch die Aktien des Chemiekonzern Covestro verloren rund 11 Prozent.

          Die Geschwindigkeit der Stimmungswende überrascht dennoch viele Marktbeobachter. Man sei nahtlos vom Stadium der Euphorie in den Pessimismus übergegangen, meint etwa Kevin Caron, Portfoliomanager bei Washington Crossing. Das verlange eine rasche Anpassung.

          Als Grund nennen professionelle Anleger sowohl das sich gerade außerhalb Chinas weiter ausbreitende neuartige Coronavirus als auch den offenbar heraufziehenden Ölpreiskampf zwischen den bedeutenden Förderländern Saudi-Arabien und Russland.

          „Saudi-Arabien und Russland streiten sich über den Ölpreis und den Ölfluss. Das, und die Fake News, ist der Grund für den Rückgang des Marktes!“, teilte wiederum der amerikanische Präsident Donald Trump über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Über das Wochenende hatte sich der Preis für ein Fass (159 Liter) der europäischen Ölsorte Brent um bis zu 30 Prozent ermäßigt.

          Regierungen in Europa raten derweil zu immer größerer Vorsicht oder schränken geplante Veranstaltungen ein. Am Wochenende beschloss die schwarz-rote Koalition in Berlin, der deutschen Wirtschaft zu helfen, etwa über umfassenderes Kurzarbeitergeld.

          Auch die Aktienkurse an anderen europäischen Börsen sanken kräftig: Der Börsenindex der Schweiz schloss rund 5 Prozent im Minus. Der wichtigste britische Index FTSE brach wie der Dax um knapp 8 Prozent ein. Die wichtigsten Aktienmarktbarometer in Asien hatten ebenfalls deutlich nachgegeben. An den Börsen in Japan und Australien verminderten sich die Kurse um durchschnittlich 6 bis 7 Prozent.

          DAX ®

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          Amerikanische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit, die eine wichtige Orientierung für die Weltfinanzmärkte darstellen, rentierten mit etwas mehr als 0,4 Prozent und damit ebenfalls auf einem Tiefstand. In Europa waren neben deutschen Staatsanleihen auch die Anleihen der Niederlande, Österreichs oder Finnlands gefragt. Italienische Staatspapiere dagegen wurden verkauft.

          EUR/USD

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          Der Euro allerdings zeigte sich sehr stabil und wertete gegenüber dem Dollar auf nun 1,15 Dollar auf. Die Entwicklung am Devisenmarkt kennzeichnet sich wiederum auch dadurch, dass die amerikanische Notenbank Federal Reserve in der vergangenen Woche die Leitzinsen überraschend um einen halben Prozentpunkt verringerte. Viele professionelle Marktbeobachter halten weitere Schritte der Währungshüter in Washington für durchaus wahrscheinlich. Sie gehen davon aus, dass auch die Europäische Zentralbank auf das aktuelle Marktumfeld reagieren wird.

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