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Scherbaums Börse : Was können Anleger jetzt tun?

  • -Aktualisiert am

Was nun? Bild: dpa

Das Coronavirus dominiert das Geschehen an den Börsen. Die heftigen Kursverluste von Aktien und der im Gegenzug gestiegene Goldpreis überrascht Experten nicht. Und nun?

          3 Min.

          Schon der Montag saß, es war der größte Tagesverlust des Dax seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 – bis zum Freitag wurde es nicht besser, im Gegenteil. Und es traf (wie immer) viele Anleger auf dem falschen Fuß.

          Die Aktienmärkte haben damit eine plötzliche und weitreichende Korrektur erfahren. Gleichzeitig erreichte der Goldpreis den höchsten Stand seit dem Jahr 2013. Investoren flüchteten auch in ebenfalls als „sichere Hafen“ geltende deutsche und amerikanische Staatsanleihen. In der Folge liegt nun die Rendite 10-jähriger deutscher Bundesanleihen fast wieder auf dem Rekordtief von fast minus 0,70 Prozent, das Ende des vergangenen Sommers verzeichnet wurden.

          Die Reaktion von Marktexperten und Kommentatoren fällt in diesen Tagen aber unterschiedlich aus. Viele hatten ein solches Szenario schon viel früher erwartet und waren nicht überrascht, mahnen aber gleichzeitig auch zur Besonnenheit. „Angst und Panik sind auch diesmal ein schlechter Ratgeber“, sagt Michael Winkler, Leiter der Anlagestrategie der St.Galler Kantonalbank Deutschland und begründet dies mit früheren ähnlichen Szenarien.

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          Letztlich zeigen laut Winkler Anlegern ähnliche Erfahrungen aus der Vergangenheit (SARS, Vogelgrippe), dass erstens konjunkturelle Abschwächungen in der Regel in Folgequartalen wieder aufgeholt wurden. „Zum zweiten werden die Notenbanken sehr wahrscheinlich unterstützend bereitstehen, um negative Auswirkungen auf den Unternehmenssektor so gering wie möglich zu halten“, so Winkler weiter. Diese Unterstützung dürfte auch nötig sein, „da die bisherigen Maßnahmen, die eingeleitet wurden wie Quarantäne, Streichung von Flügen und Zugverbindungen sich negativ auf die weltweite Konjunktur auswirken werden.“

          Ein Angebots- und Nachfrageschock

          Carsten Mumm, Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel, schätzt die Lage ebenfalls vorsichtig ein: „Trotz der steigenden Unsicherheit aufgrund der zunehmenden Corona-Infektionen haben die internationalen Aktienmärkte lange Ruhe bewahrt und sogar vielfach neue Rekorde eingestellt. Scheinbar rechneten viele Anleger mit einem baldigen Höhepunkt der Neuinfektionen und fokussierten sich auf die zu erwartenden Nachholeffekte ab dem zweiten Quartal 2020.“

          Nachdem der Virus aber nun den Sprung über die chinesischen Grenzen geschafft habe und sogar massiv in Europa – allen voran Italien – angekommen sei, sehe die Lage anders aus. „Mittlerweile sind die realwirtschaftlichen Gefahren einer weiteren globalen Ausbreitung offensichtlich. Besonders gravierend ist, dass es sich gleichzeitig um einen Angebots- und Nachfrageschock handelt“, so der Volkswirt weiter. China könne eines Dominoeffekt auslösen, denn allein der schon heute absehbare deutliche Rückgang des chinesischen Wirtschaftswachstums im ersten Quartal beeinflusse eng mit China verbundene Volkswirtschaften negativ, so Mumm.

          Sollte es auch in anderen Teilen der Welt großflächige Quarantänemaßnahmen geben, mache dies in Deutschland eine Schrumpfung der Wirtschaft im ersten Quartal wahrscheinlich. „Mit den bisher erwarteten knapp 15 Prozent aggregierten Gewinnsteigerungen der Dax-Unternehmen ist vor diesem Hintergrund nicht mehr zu rechnen“, resümiert Mumm.

          Notenbanken sind gefordert

          „Es ist derzeit schwierig, die Auswirkungen des Virus auf das Wirtschaftswachstum zu messen“, sagt Salman Baig, Multi-Asset-Manager beim Vermögensverwalter Unigestion. „Die chinesische Notenbank hat und wird aber auch weiterhin eine expansive Geldpolitik verfolgen, um dem von China ausgehenden Nachfragerückgang entgegenzuwirken. Im weiteren Sinne ist die globale Geldpolitik auf eine Lockerung ausgerichtet, was das Wachstum unterstützen wird, falls das Virus fortbesteht und sich in eine Rezessionsgefahr verwandelt“, so der Experte weiter. Es dürfte aber vielleicht nicht nur Chinas Notenbank aktiv werden. Bislang wurden seitens der amerikanischen Notenbank Fed und der EZB keine Maßnahmen angekündigt. Die entsprechenden Sitzungen werden erst Mitte März stattfinden.

          Was macht nun ein Aktien-Anleger in dieser augenscheinlich verworrenen Situation? David Raper und Baijing Yu, Portfoliomanager bei der internationalen Fondsgesellschaft Comgest, raten dazu, bei allen Risiken, die das Coronavirus kurz- und mittelfristig für die Wirtschaft und die Finanzmärkte mit sich bringt, den langfristigen Anlagehorizont nicht aus den Augen zu verlieren.

          Kursrückgänge zur Positionsaufstockung nutzen

          Im Augenblick seien vor allem die Branchen Luxusgüter, Transport und Tourismus am stärksten betroffen. Hinzu kommen Branchen, die zyklisch sind oder in hohem Maße chinesische Produkte (insbesondere Elektronik) importieren, schreibt die französische Fondsgesellschaft La Financière de l’Échiquier (LFDE) in einem Kommentar. Die Experten weisen aber ebenso darauf hin, dass die Marktkorrektur vor dem Hintergrund einer mehrmonatigen starken Rallye stattfindet: „Die Märkte waren daher besonders anfällig. Und wenn die Ausbreitung des Virus unkontrollierbar wird, könnte der wirtschaftliche Schaden ernsthaft sein.“

          „Es ist daher sinnvoll, dass die Märkte korrigieren“, so die Experten von LFDE weiter und ergänzen weiter: „Geduld und Flexibilität bleiben das Motto.“ Winkler wird da konkreter und rät in der aktuellen Situation: „Anleger sollten das Geschehen engmaschig beobachten und sich überlegen, Kursrückgänge für Bestandsaufstockungen zu nutzen.“

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