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Erster Corona-Fall in der EZB : Geldpolitik aus dem Homeoffice

Rund 100 EZB-Mitarbeiter arbeiten mittlerweile im Homeoffice. Bild: dpa

Bei Europäischer Zentralbank und Deutscher Bank gibt es mittlerweile erste Corona-Infizierte. Rund 100 Mitarbeitern wechseln allein bei der EZB ins Homeoffice. Die Deutsche Bank schließt vorübergehend Filialen.

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          Gerade noch hatte die Europäische Zentralbank getestet, wie sie mit Homeoffice auf eine stärkere Ausbreitung des Coronavirus reagieren, jetzt wird es ernst: In der Nacht zum Dienstag meldete die Notenbank, ein erster Mitarbeiter sei positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nicht nur er selbst soll jetzt nicht mehr ins Büro im Frankfurter Ostend kommen, auch 100 weitere EZB-Mitarbeiter, die unmittelbar Kontakt mit ihm hatten, sollen jetzt von zu Hause aus arbeiten.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ähnliches gilt offenbar für Mitarbeiter, die regelmäßig nach Italien pendeln, die es bei der EZB auch gibt. Grundsätzlich gebe es die Aufforderung, nicht in die betroffenen Region zu reisen, es gebe einen „Travel ban“. Hieß es. Wer sich in letzter Zeit privat dort aufgehalten habe und sich nicht wohl fühle, solle für zwei Wochen nicht zur Arbeit kommen.

          Weitere Fälle in mehreren Filialen

          Viele Mitarbeiter könnten ins Homeoffice wechseln. Entsprechende Regelungen gelten bei der EZB auch für geldpolitisch relevante Abteilungen. Für den EZB-Rat, dem beispielsweise auch der italienische Notenbankgouverneur angehört, gebe es allerdings keine prinzipielle Reisebeschränkung, das liege im Ermessen der jeweiligen Personen.

          Das alles ist nicht irrelevant: Schließlich kommt der EZB-Rat am Donnerstag zu seiner monatlichen geldpolitischen Sitzung zusammen und könnte wichtige Beschlüsse fassen. Für die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde ist es eine besondere Herausforderung, wie sie auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert, etwa mit der Bereitstellung von Liquidität oder geldpolitischen Maßnahmen. Zahlreiche Stabsmitarbeiter dürften deshalb mit der Ausarbeitung der entsprechenden Vorschläge befasst sein – jetzt zum Teil offenbar im Homeoffice.

          Auch die Deutsche Bank hat mittlerweile einen Infizierten am Zentralenstandort Frankfurt gemeldet, allerdings nicht aus den symbolträchtigen verspiegelten Doppeltürmen, sondern aus dem gegenüber liegenden Handelszentrum „Deutsche Bank Campus“. Weitere Fälle gibt es offenbar in mehreren Filialen der Deutschen Bank, die zum Teil vorübergehend geschlossen und gründlich gereinigt wurden.

          Notfallstandorte bis zum 27. März

          Betroffen waren offenbar die Filiale in Kempten im Allgäu, die am Montag geschlossen worden war, aber am Dienstag wieder öffnete, die Filiale in Detmold, wo schon zwei Mitarbeiter infiziert sein sollen, eine Partnerfiliale in Herford, sowie die Filiale in Köln am Hohenzollernring, die am Dienstag gereinigt wurde und am Mittwoch wieder öffnen soll.

          Der besonders heikle Fall der Deutsche Bank in Frankfurt im Handel wurde offenbar so gelöst, dass das entsprechende Team jetzt geteilt an zwei verschiedenen Standorten arbeitet. Diese Lösung mit Notfallstandorten soll bis zum 27. März gelten. Von solchen Formen der Notfallmaßnahmen soll dort eine „niedrige zweistellige Zahl“ von Mitarbeitern betroffen sein. Manche zuliefernde Bereiche zum Handel, bei denen physische Präsenz nicht so wichtig ist, wurden offenbar auch ins Homeoffice geschickt.

          Wer unmittelbar Kontakt mit Infizierten hatte, soll sich in „Selbst-Quarantäne“ begeben. Schon seit Januar gelten bei der Deutschen Bank Regelungen zu Reisen in die besonders betroffenen Gebiete, die zum Teil verschärft wurden. Wer jetzt etwa von Deutschland nach Italien reisen will, braucht Genehmigungen aus beiden Ländern.

          Auch die spanischen Banken BBVA und Santander verteilten Mitarbeiter auf mehrere Standorte, nachdem Beschäftigte positiv auf das Virus getestet wurden. Die britische Bank Lloyds schickte 1000 Beschäftigte eines nordirischen Call Centers bei der Hypotheken-Tochtergesellschaft Halifax an einen Notfall-Standort oder ins Homeoffice. Die Commerzbank schloss unter anderem Ihr Büro in Mailand vorübergehend.

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