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Global Wealth Report : Die Pandemie hat die Schere zwischen Arm und Reich weiter geöffnet

Auch in der Pandemie bleibt der Stadtstaat Monaco ein Zentrum der Reichen und Schönen. Bild: AFP

Dem Global Wealth Report zufolge besitzen 1,1 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung knapp 46 Prozent aller privater Vermögen. Trotz Corona stieg der Betrag auf 418 Billionen Dollar. Allerdings profitieren nur einige Regionen und Länder.

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          Zwischen Januar und März 2020 hat die Corona-Pandemie private Vermögen von 17,5 Billionen Dollar ausradiert. Doch der danach eingesetzte Aufschwung der Aktienkurse und Immobilienpreise ließ die Gesamtvermögen der privaten Haushalte in aller Welt im Gesamtjahr schließlich um 7,4 Prozent auf 418 Billionen Dollar steigen. Bereinigt um Wechselkurseffekte, betrug das Plus 4,1 Prozent. Dies hat die Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) ausgerechnet und am Dienstag in ihrem „Global Wealth Report 2021“ veröffentlicht. Demnach verfügt jeder der 5,2 Milliarden Erwachsenen auf dieser Erde über ein Vermögen von rund 80.000 Dollar.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Doch dieser Durchschnittswert täuscht darüber hinweg, dass die Vermögen sehr ungleich verteilt sind. Während sich die Schere zwischen Arm und Reich in den vier Jahren vor Corona noch leicht geschlossen hatte, ging sie im vergangenen Jahr wieder weiter auf.

          Drei Millionen Dollar-Millionäre in Deutschland

          Nach den Berechnungen des Credit Suisse Research Institute besitzen 1,1 Prozent der erwachsenen Bevölkerung knapp 46 Prozent der privaten Vermögen, in Summe 192 Billionen Dollar. 2019 betrug der globale Vermögensanteil der Millionäre und Milliardäre noch 43 Prozent. Den Reichen stehen am unteren Ende der Vermögenspyramide 2,9 Milliarden Menschen oder 55 Prozent der Bevölkerung gegenüber, die jeweils über weniger als 10 .000 Dollar verfügen. Zusammen halten sie 1,3 Prozent aller Vermögen nach 1,4 Prozent im Jahr zuvor.

          In dieser Entwicklung spiegelt sich, dass viele Regierungen in reicheren Ländern während der Pandemie Soforthilfen gewährten und beschäftigungspolitische Maßnahmen ergriffen, welche die Einkommensverluste der Einwohner in Grenzen hielten. In ärmeren Ländern hingegen verloren viele Menschen Arbeit und Lohn, darunter vor allem Frauen und junge Leute, die in Dienstleistungsbranchen wie dem Gastgewerbe arbeiten.

          Bei einer regionalen Betrachtung fällt auf, dass die Vermögen in Nordamerika, Europa, China und in der Asien-Pazifik-Region 2020 deutlich gestiegen sind, während sie in Lateinamerika und Indien sanken. Neben Wechselkurseffekten spiele dabei die Zusammensetzung der jeweiligen Aktienmärkte eine Rolle, sagte die CS-Managerin Nannette Hechler-Fayd’herbe im Gespräch mit Journalisten. So habe zum Beispiel der amerikanische Aktienmarkt von der Dominanz großer Technologieunternehmen profitiert, deren Aktienkurse durch die Pandemie sogar zusätzlich beflügelt wurden. Hinzu kommt, dass Amerikaner im internationalen Vergleich einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihres Vermögens in Aktien halten.

          In den Vereinigten Staaten leben demnach 22 Millionen Dollar-Millionäre, in China 5,3 Millionen und in Deutschland knapp 3 Millionen. Setzt man die Millionäre in Relation zur Zahl der erwachsenen Einwohner, steht die Schweiz mit knapp 15 Prozent unangefochten an der Spitze. Auf den Plätzen dahinter folgen Australien (9,4 Prozent), die Vereinigten Staaten (8,8), Hongkong (8,3) und die Niederlande (7,7). Deutschland steht mit einem Millionärsanteil von 4,3 Prozent nicht in den Top Ten. Im Jahr 2015 hatte der Anteil freilich nur 2,5 Prozent betragen.

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