https://www.faz.net/-gv6-9yuls

25 Prozent arbeiten zuhause : Heil will Homeoffice per Gesetz

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Für Millionen Arbeitnehmer soll es nach dem Willen von Arbeitsminister Heil ein Recht auf Arbeit von zuhause aus geben – auch nach Corona. Doch die Arbeitgeber sind dagegen.

          2 Min.

          Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will bis Herbst ein Gesetz zum Recht auf Homeoffice vorlegen. „Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Homeoffice arbeiten können – auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist“, sagt Heil der „Bild am Sonntag“.

          „Wir lernen in der Pandemie gerade, wie viele Arbeiten heutzutage von zu Hause erledigt werden können“, erklärte der Minister. In der Corona-Krise sei die Zahl der Arbeitnehmer im Homeoffice ersten vorsichtigen Schätzungen zufolge von 12 auf 25 Prozent aller Beschäftigten gestiegen. „Das wären acht Millionen Männer und Frauen, die ihren Job gerade von zu Hause aus erledigen.“ Das sollten sie auch in Zukunft können.

          Wo es betrieblich möglich sei, könne künftig jeder Arbeitnehmer das Arbeiten von zu Hause einfordern, erläuterte Heil. „Man darf entweder komplett auf Homeoffice umsteigen oder auch nur für ein oder zwei Tage die Woche.“ Mit fairen Regeln werde er verhindern, dass „sich die Arbeit zu sehr ins Private frisst“. Auch im Homeoffice gebe es einen Feierabend - „und zwar nicht erst um 22 Uhr“.

          Die Arbeitgeber jedoch lehnen die Pläne ab, das Recht auf Arbeit von zu Hause aus gesetzlich zu verankern. „Politische Ladenhüter aus der Zeit vor dem größten Wirtschaftsrückgang seit vielen Jahrzehnten aufzuwärmen, wirkt etwas aus der Zeit gefallen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, am Sonntag. „Wir brauchen ein Belastungsmoratorium statt weiterer Vorgaben, die Wachstum und Flexibilität beschränken.“

          Es sei im Interesse von Arbeitgebern und Beschäftigten gleichermaßen, mobiles Arbeiten dort einzusetzen, wo es möglich und sinnvoll sei, so Kampeter. „Dabei müssen betriebliche Belange und die Wünsche der Kunden eine zentrale Rolle spielen. Mit Homeoffice allein kann die Wirtschaft nicht am Laufen gehalten werden.“

          Lohnfortzahlung für Eltern

          Der Bundesarbeitsminister hat zudem angekündigt, dass Eltern, die in der Corona-Krise wegen fehlender Kinderbetreuung nicht arbeiten können, eine verlängerte Lohnfortzahlung vom Staat bekommen sollen. „Eltern müssen Sicherheit haben - deshalb schaffen wir eine Anschlussregelung“, sagte Heil in der „Bild am Sonntag“. Die bisherige Regelung läuft nach sechs Wochen Mitte Mai aus.

          Auch für den Fall, dass nach einem Kontakt mit einem Corona-Infizierten ein Angestellter für zwei Wochen in häusliche Quarantäne muss, soll es eine Regelung für die Lohnfortzahlung geben. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sagte der Zeitung: „Ein wirksamer Schutz vor weiteren Infektionen wird nur funktionieren, wenn sich diejenigen, die unter Corona-Verdacht stehen, strikt an die Quarantäne-Vorgaben halten. Wenn eine Quarantäne von staatlicher Seite gewollt ist, darf es keinen sozialen oder finanziellen Druck geben.“

          Lieber zuhause bleiben

          Heil betonte, dass in Corona-Zeiten gelte, bereits beim kleinsten Anzeichen einer Krankheit zu Hause zu bleiben, genau wie nach einem Kontakt mit einem Infizierten. „Halten wir das nicht penibel ein, droht eine sehr gefährliche zweite Infektionswelle.“

          Scharfe Kritik übte der Bundesarbeitsminister am Koalitionspartner Union wegen der Blockade der Grundrente. Es sei „zynisch, für Pflegekräfte und Kassiererinnen zu klatschen und dann ausgerechnet für diese fleißigen Menschen kein Geld übrig zu haben“. Die Grundrente müsse und werde kommen. Große Teile der Union stünden zu dem Beschluss. Mit Blick auf Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) sagte Heil: „Ich erwarte von den Störenfrieden, dass sie endlich ihre Blockade aufgeben, damit das Gesetz jetzt in den Bundestag kommt und die Grundrente im nächsten Jahr kommt.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kommt es zum neuen Kalten Krieg zwischen China und den Vereinigten Staaten?

          Amerika gegen China : Ein Planet – zwei Welten

          Internet, Finanzsystem und Forschung: Wie im Kalten Krieg droht die Welt wieder in zwei Blöcke zu zerfallen. Wie sich das anfühlen würde, wird immer greifbarer.
          „Monte Kali“: Die Abraumhalde bei Heringen im hessisch-thüringischen Grenzgebiet

          Kalisalzabbau in Thüringen : Der salzigste Fluss Europas

          Die Entsorgung von Abwasser aus dem Kalibergbau in Werra und Weser sollte längst vorbei sein. Aber der Bergbaukonzern K+S beantragt immer wieder eine Verlängerung – sehr zum Ärger Thüringens.

          Champions League im Liveticker : Wer wird Bayerns Halbfinal-Gegner?

          Im letzten Viertelfinale der Champions-League trifft Pep Guardiola mit Manchester City auf Juve-Bezwinger Olympique Lyon. Kommt es im Halbfinale zu einem Wiedersehen Guardiolas mit den Bayern? Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.

          Öl-Katastrophe : Frachter vor Mauritius auseinandergebrochen

          Der aufgelaufene Frachter bescherte Mauritius die schlimmste Öl-Katastrophe, die der Inselstaat je erlebt hat. Nun hat es das Schiff in zwei Teile zerrissen. 1000 Kilometer vor der Küste soll der Bug versenkt werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.