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Nebenwerte am Aktienmarkt : Die kleinen Profiteure der Corona-Krise

Beatmungsgerät von Drägerwerk Bild: Drägerwerk

Die Aktienkurse sind auf Talfahrt. Doch die einiger Nebenwerte entwickeln sich prächtig, meist weil Anleger hoffen, sie könnten von der Pandemie profitieren. Vorsicht scheint aber oft angebracht.

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          In den vergangenen Wochen sind die Kurse der 14.851 in Deutschland gehandelten Aktien massiv und auf breiter Front um 30 Prozent gefallen. Nur eine Minderheit von rund 5 Prozent konnte sich dagegen behaupten. So gesehen, haben sich Aktien deutscher Unternehmen mit einem Anteil der Gewinner von mehr als 10 Prozent besser behauptet.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allerdings waren fast die Hälfte der Werte, die Aufschläge verzeichnete, Hoffnungswerte mit eher zufälligen Kursbewegungen. Ihre Marktkapitalisierung beträgt weniger als 10 Millionen Euro. Unter den deutschen Aktien machten diese sogar fast zwei Drittel der Gewinner aus.

          Die Hauptgewinner unter den deutschen Aktien, die mehr als 10 Millionen Euro auf die Börsenwaage bringen, sind dennoch eher Leichtgewichte. Aladdin Healthcare, Heidelberg Pharma und Nanorepro bringen es auch nach dem Kursanstieg gemeinsam gerade mal auf eine Marktkapitalisierung von einer Viertelmilliarde Euro. 60 Prozent davon entfallen auf Heidelberg Pharma. Das Unternehmen – früher unter dem Namen Wilex bekannt – ist in der Krebsforschung aktiv. Aladdin forscht im Bereich der Früherkennung von Krankheiten durch Künstliche Intelligenz und Nanorepro an Schnelltests.

          HEIDELBERG PHARMA AG O.N.

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          Vor allem in den beiden letzten Fällen lässt sich schon ein Bezug zur aktuellen Pandemie erkennen, da etwa Nanorepro noch im April einen SARS-CoV-2-Schnelltest ausliefern will. Aladdin hat vor einer Woche bekannt gegeben, eine Absichtserklärung mit der indischen Our Health Mate unterzeichnet zu haben. Innerhalb von zwei Jahren nach der Validierung will man für COVID-19 ein entsprechendes Diagnoseprodukt in Indien vermarkten.

          Allen drei Aktien ist gemein, dass ihre Kurse bis vor kurzem noch tief im Keller lagen. Nanorepro notierten im Februar noch auf einem Allzeittief von 42 Cent und werden jetzt für 2,36 Euro gehandelt. Die wenig gehandelte Aktie von Aladdin dümpelte zwischen 4 und 5 Euro dahin, aktuell sind es 7 Euro.

          Heidelberg Pharma hatten sich von einem Kurseinbruch 2012 nie erholt und schossen nun von rund 2,50 Euro auf 5,20 Euro nach oben. Auch hier gibt es einen Bezug zur Coronapandemie: Der israelische Kooperationspartner von Heidelberg, Red Hill Biopharma, sucht offenbar mit einem von Heidelberg Pharma lizensierten Wirkstoff einen Ansatz gegen Covid-19.

          DRAEGERWERK VZO O.N.

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          Neben diesen auf Spekulationen auf einen großen Durchbruch in der Krankheitsbekämpfung beruhenden Gewinnern gibt es auch etwas konservativere Anlagen. So ist etwa auch der Aktienkurs von Drägerwerk deutlich gestiegen. Der Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik erhielt jüngst einen Auftrag der Bundesregierung über 10.000 neue Beatmungsgeräte. Dazu will das Unternehmen seine Produktion in Lübeck erheblich ausweiten. Zudem liefert Drägerwerk persönliche Schutzausrüstung für Krankenhauspersonal. Mit einer Marktkapitalisierung von 580 Millionen Euro ist die S-Dax-Aktie sogar eher groß.

          Aber auch Aktien von eher weiter von der Medizin entfernten Unternehmen sind gefragt, so etwa die Aktie von Zooplus, einer Internetplattform für Haustierbedarf oder der Wertpapierbörse Tradegate.

          Unter den internationalen Aktien ragen Allied Healthcare heraus, das etwa Beatmungsgeräte herstellt. Der Kurs, der in den Neunziger Jahren stark eingebrochen war und sich davon nie wieder richtig erholt hatte, schoss in den vergangenen Tagen auf das Achtfache nach oben und damit auf ein 24-Jahres-Hoch.

          ALLIED HEALTHCARE DL-,01

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          Stark gefragt war auch die Aktie von iBio, deren Kurs zunächst auf das Siebeneinhalbfache stieg, dann aber wieder deutlich nachgab. Beobachter raten zur Vorsicht. Es sei nicht das erste Mal, dass die Aktie von einer Pandemie profitiert habe. 2014 wurde etwa gemutmaßt, iBio würde einen Impfstoff gegen Ebola entwickeln. Bislang aber hat das Unternehmen offenbar noch kein Produkt auf den Markt gebracht.

          Jenseits der Pharmazie ist vor allem die Aktie der Waitr Holdings begehrt. Das Unternehmen aus Lake Charles in Louisiana betreibt eine Internetplattform und einen Essens-Lieferdienst, der sich vor allem auf unterversorgte Städte im mittleren Westen der Vereinigten Staaten spezialisiert hat. Seit dem Ausbruch der Krise hat sich der Kurs vervierfacht, ist aber auch zwischenzeitlich schon wieder deutlich zurückgefallen.

          Auch diese drei Unternehmen sind nicht gerade Riesenkonzerne. Nach dem Kursanstieg bringen sie gemeinsam wie die drei deutschen Überflieger gerade einmal 250 Millionen Euro auf die Börsenwaage.

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