https://www.faz.net/aktuell/finanzen/corona-jahr-2020-hat-viele-dividenden-anleger-auf-nulldiaet-gesetzt-17217757.html

Scherbaums Börse : Dividende gut, alles gut

  • -Aktualisiert am

Zuverlässiger Dividendenzahler: Flaggen des Versicherungskonzern Allianz wehen anlässlich einer Hauptversammlung vor der Olympiahalle in München. Bild: dpa

Das Corona-Jahr 2020 hat viele Dividenden-Anleger auf Nulldiät gesetzt. Dieses Jahr dürfte es wieder besser werden. Die Bandbreite wird aber groß sein – von überraschenden Ausfällen bis hin zu unerwarteten Erhöhungen.

          3 Min.

          Dividenden wurden in Zeiten von Negativzinsen und fallenden Renditen zinsgebundener Investments, die immer häufig nicht einmal die Inflation ausgleichen konnten, oft als der „neue Zins“ gefeiert. Kein Wunder, waren Dividenden doch bei vielen Anlegern die einzigen Einnahmen abseits der Kursgewinne.

          Anleger, die auf dividendenstarke Titel bauten, wurden seit der Finanzkrise 2008 zudem selten enttäuscht. Die Ausschüttungen hatten bei manchen Unternehmen die Zuverlässigkeit eines Tagesgeld-Kontos während der 1990er-Jahre. Und spätestens als im Juli 2012 der damalige EZB-Präsident Mario Draghi seine „whatever it takes“-Rede hielt und eine langdauernde Niedrigzinsphase in der Euro-Zone ankündigte, haben sich Dividenden-Titel mit jährlichen Ausschüttungen von drei, vier oder mehr Prozent für viele schlicht als der neue Zins etabliert.

          Das funktionierte lange Zeit gut, doch dann kam das Jahr 2020 und Corona. Es war ein ziemliches Schreckensjahr für Dividenden-Anleger. Auf einmal fielen gerade die zuverlässigen Dividendenausschüttungen im März als erstes der Corona-Krise zum Opfer.

          Die Aktienkurse brachen ein, die Sorge um die eigene Liquidität, gepaart mit der Angst vor einer weltweiten Depression, ließen auch Traditionskonzerne zurückrudern, die Prognosen streichen und die Aktionäre auf eine (Null-)Diät setzen.

          „In vielerlei Hinsicht war das Jahr 2020 für Dividenden schlimmer als die globale Finanzkrise. Unternehmen haben die Ausschüttungen nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern oft auch aus sozialen und regulatorischen Bedenken heraus gekürzt“, erklärt Ilga Haubelt von Newton Investment Management und zählt hierfür exemplarisch die Versicherungsgesellschaften und Banken auf.

          Dieses Bild spiegelt auch der neue, jährlich erscheinende Global-Dividend-Index von Janus Henderson wider. Ein Drittel der weltweiten Dividendenkürzungen 2020 entfiel demnach, gemessen am Volumen, auf Banken – mehr als dreimal so viel wie auf Ölproduzenten, dem am zweitstärksten betroffenen Sektor.

          Folgen der Finanzkrise waren schlimmer

          Vergangenes Jahr gab es insgesamt weltweit 220 Milliarden Dollar weniger Dividenden aufgrund der Corona-Krise. Die Ausschüttungen sanken rund um den Globus demnach um 12,2 Prozent auf 1,26 Billionen Dollar, ein Rückgang von 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch war es laut Janus Henderson ein geringerer Rückgang als nach der globalen Finanzkrise 2008.

          Jedes achte Unternehmen strich seine Ausschüttung ganz und jedes fünfte kürzte sie, doch immerhin zwei Drittel der Unternehmen erhöhten die Dividende oder hielten sie zumindest konstant. Anleger, die in klassische defensive Branchen investiert hatten, blieben von einer (Null-)Diät bei den Dividenden weitgehend unversehrt.

          Für das Dividendenjahr 2021 ist man bei Janus Henderson verhalten optimistisch: Ein langsames Abklingen der Pandemie und die durch das erste Quartal verursachte Verzögerung würden auf einen Rückgang der Ausschüttungen im gesamten Jahr um zwei Prozent auf Gesamtbasis hindeuten, heißt es im Bericht. Bereinigt betrage das Minus drei Prozent. Im besten Fall dürften die Ausschüttungen dieses Jahr weltweit um 5 Prozent auf insgesamt 1,32 Billionen Dollar steigen (bereinigt plus zwei Prozent).

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Warmes Wasser aus der Leitung könnte es mancherorts bald nicht mehr durchgängig geben.

          Drohender Gasmangel : Das große Frösteln beginnt

          Warmwasser morgens nur noch bis 8 Uhr, leer gefegte Regale für Brennholz und Kohle: Was der drohende Gasmangel für Verbraucher bedeutet – und wie sich Deutschland für den Winter rüstet.
          Andirj Melnyk in seinem Büro in der ukrainischen Botschaft in Berlin.

          Botschafter Melnyk : Verschwinden wird er sicher nicht

          Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk wird Deutschland zum Herbst verlassen. Zuletzt hat der Diplomat überzogen, stand in der Kritik. Gegenüber der F.A.Z. weist er die Vorwürfe von Antisemitismus und Polenfeindschaft zurück.
          Die Kosmonauten Oleg Artemjew, Denis Matwejew und Sergej Korssakow posieren auf der ISS mit der Flagge der selbsterklärten „Volksrepublik“ Luhansk.

          Russische Kosmonauten : Provokation auf der ISS

          Der Westen arbeitet in vielen Bereichen nicht mehr mit Russland zusammen. Eine Ausnahme ist die Internationale Raumstation. Doch nun gab es dort einen Zwischenfall.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.