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Impfen : Die Pandemie lässt viele Pharmaaktien kalt

Jetzt wird geimpft. Bild: dpa

Eigentlich müsste die Pfizer-Aktie von der starken Nachfrage nach Corona-Impfstoff profitieren und abheben. Doch die Aktie kostet so viel wie vor zweieinhalb Jahren. Wie können Anleger von der Impfwelle profitieren?

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          Es ist eine unangenehme Erkenntnis, doch man kann ihr nicht aus dem Weg gehen: Die Welt ist mit der schwersten Gesundheitskrise seit hundert Jahren konfrontiert, die nur durch massenhafte Impfung beendet werden kann, etliche große Pharmakonzerne sind dafür aber nicht hundertprozentig mobilisiert. An keinem Ort zeigt sich das klarer als an der Börse, die für die meisten Manager eine Richtschnur bleibt. Die Pfizer-Aktie beleuchtet, warum sich nicht alle Konzerne auf das Geschäft stürzen: Der amerikanische Konzern ist der einzige der großen vier Impfstoffhersteller der Welt, der an der Speerspitze der Impfkampagnen steht – vor allem dank des kleinen deutschen Partners Biontech. Doch seine Aktie notiert derzeit bei rund 36 Dollar und damit dort, wo sie auch schon vor zweieinhalb Jahren stand. Dazwischen gab es einige Hochs und Tiefs, aber keinen dramatischen Aufschwung, wie man ihn sich erhoffen könnte.

          Laut Geoff Meacham, Pharma-Analyst bei der Bank of America, „ist das Impfgeschäft normalerweise kein bevorzugtes Feld für die Investoren“, es hänge von Regierungskäufen ab, „daher ist es oft nicht stabil“, sagt er der F.A.Z. „Es hat nicht die gleichen Wachstumsraten wie beispielsweise Medikamente gegen Krebs.“ Die Produktion von Impfstoffen, die in großen Volumen gebraucht werden, ist technisch schwierig, und dennoch sind die gebotenen Preise selten berauschend. In der Pandemie kommt hinzu, dass etliche Hersteller angeboten haben, den Impfstoff zum Selbstkostenpreis abzugeben. „Die Entwicklungsphasen sind normalerweise lang, manchmal zehn bis zwölf Jahre lang. In den Frühphasen kann viel schiefgehen. Es reicht die heftige Reaktion eines Patienten, und das ganze Programm kann kollabieren.“

          Die größten Anbieter

          Die vier größten Impfstoff-Hersteller weltweit sind Pfizer, Sanofi, Glaxo-SmithKline (GSK) und Merck & Co. Mit Sanofi und GSK haben sich zwei Impfriesen gegen Covid zusammengeschlossen, doch die Arbeiten erlitten wegen eines Fehlers in der Qualitätskontrolle bei Sanofi einen schweren Rückschlag. Zwei Reagenzien, die von Zulieferern geliefert wurden, waren fehlerhaft. So testete Sanofi zwischen September und Dezember in den Vereinigten Staaten mehr als 400 Patienten mit einer Dosis, die geringer war als beabsichtigt; bei den über 50-Jährigen waren die Ergebnisse daher unbefriedigend. Mit dem Impfstoff selbst gibt es wahrscheinlich keine Probleme. Doch die Tests müssen jetzt wieder von vorne anfangen. Das Vakzin von Sanofi wird nun für das vierte Quartal 2021 erwartet – mit mindestens vier oder fünf Monaten Verspätung.

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