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F.A.Z. exklusiv : DZ Bank will trotz Dividendenstopp zahlen

Eine Fahne der DZ Bank Gruppe weht vor dem Banken-Hochhaus „Westend 1“ in Frankfurt. Bild: dpa

Die EZB-Bankenaufsicht hat europäischen Geldhäusern empfohlen, angesichts der aktuellen Krisensituation keine Dividenden auszuschütten. Erste Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

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          Noch hat keine deutsche Bank auf die Forderung der Europäischen Bankenaufsicht reagiert, bis Oktober keine Dividenden auszuschütten. Vielmehr geht nach Informationen der F.A.Z. vom Sonntag die DZ Bank davon aus, dass sie wie geplant 320 Millionen von 1900 Millionen Euro Jahresgewinn an ihre Eigner, rund 800 Volks- und Raiffeisenbanken, als Dividenden zahlt. Denn offenbar soll der Dividendenstopp nicht für Institute gelten, die wie DZ und auch Deka im vollständigen Besitz anderer Banken und Sparkassen sind. Die Deka entscheidet im Verlauf der kommenden Woche, ob sie ihre Ausschüttungspläne beibehält.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die börsennotierten Aareal, Commerzbank und Deutsche Pfandbriefbank blieben am Sonntag bei ihren Mittelungen vom Freitag, dass sie ihre Dividendenvorschläge für die im Mai anstehenden Hauptversammlungen und die direkt darauf folgenden Ausschüttungstermine verantwortungsvoll prüften. Offenbar ist vielen Banken der rechtliche Charakter der „Empfehlung“ der Bankenaufsicht nicht klar. Schließlich handele es sich nicht um ein Verbot, sondern um eine Erwartung, die von der Geschäftsführung ins Kalkül zu ziehen sei, heißt es von Hausjuristen. Spanische Banken wie Santander, Caixa und Bankia hatten dagegen in der vergangenen Woche schon auf erste Forderungen von Aufsichtsbehörden reagiert und ihre Dividenden gekürzt.

          Wie die F.A.Z. berichtete, hat die Europäische Zentralbank die europäischen Banken am Freitagabend aufgefordert, für das Jahr 2020 und – soweit noch nicht erfolgt – für 2019 bis Oktober keine Dividende auszuschütten. Der bei der Zentralbank der Zentralbanken (BIZ) angesiedelte Baseler Ausschuss verschob außerdem die härteren Eigenkapitalvorgaben für Banken („Basel IV“) um ein Jahr auf 2023. Im Gegenzug für diese Erleichterung forderte die BIZ am Sonntag von Banken weltweit einen Stopp von Aktienrückkäufen und Dividenden. Die Banken sollen also ihre Gewinne vollständig einbehalten und zusätzliche Rücklagen bilden, um in der Corona-Krise weiter Kredite zu geben und widerstandsfähiger gegen Kreditausfälle zu sein.

          Der Bundesverband der privaten Banken, dem Commerzbank und Aareal angehören, hält diese Maßnahme in der aktuellen Krisensituation für vertretbar. Allerdings betont Hauptgeschäftsführer Christian Ossig, „dass es sich bei der Vorgabe der Bankenaufsicht um eine Ausnahme handeln muss“. Nur die außergewöhnliche Notlage vieler Unternehmen rechtfertige einen solchen Eingriff in die Autonomie der Banken. „Die Aufsicht muss im Interesse der Finanzstabilität deutlich machen, dass weitere Eingriffe in die Ausschüttungspolitik der Institute nicht erfolgen werden“, sagte Ossig. Ansonsten werde es für Banken schwierig, langfristig Investoren zu finden. Darunter würde die Stabilität und Leistungsfähigkeit des Finanzsektors leiden. In dieser Stellungnahme des Bankenverbandes schwingt erkennbar die Sorge mit, dass die angeratene Dividendensperre am Kapitalmarkt als Schwäche des Bankensektors ausgelegt werden könnte.

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