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Corona-Krise : Dax schleppt sich mit Minus aus der Börsenwoche

Teurer Ausfall: Passagierflotte bleibt größtenteils am Boden. Bild: ZB

Ein Versand von Kochboxen ist an der Börse plötzlich mehr Wert als die Lufthansa – kein Aprilscherz. Für Aktionäre wird es in den kommenden Wochen weitere bittere Wahrheiten geben.

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          Mag sein, dass wir den Aprilscherz in dieser Woche nicht bemerkt haben, mit dem uns jemand auf die Schippe nehmen wollte. Es ist für uns nicht ganz einfach, die rasant gestiegene Zahl an per Whatsapp verschickten Videos mit Übungen zum Gehirntraining, zum neuesten Corona-Schocker und über alte Trump-Witze zu sichten und zwischen Spaß und Ernst zu unterscheiden. Was aber gewiss kein Aprilscherz ist, sind die wackligen Börsen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Angesichts abermals desaströser Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt haben Anleger an der deutschen Börse am Freitag kalte Füße bekommen und den Leitindex Dax mit einem Minus von 0,5 Prozent aus der Woche geschickt.

          Besonders stark sanken am Freitag die Kurse des Flugzeugturbinenherstellers MTU Aerospace, des Sportartikelherstellers Adidas und des Autoherstellers Daimler. Adidas braucht frische Kredite, um Umsatzeinbrüche aufzufangen und hat im Laufe der Woche sein Aktienrückkaufprogramm gestoppt. Daimler dürfte unter eingebrochenen Zulassungszahlen gelitten haben.

          Tagessieger dagegen waren die Titel von Deutscher Börse, Fresenius und Infineon. Der Börsenbetreiber dürfte von der regen Handelsaktivität angesichts der Marktturbulenzen profitiert haben.

          In diesem Jahr hat der Dax schon um mehr als 5000 Punkte geschwankt und zeigte sich damit so anfällig wie nie: Im Januar war noch himmelhoch jauchzen angesagt, der Dax kletterte bis auf grob 13.800 Punkte und stellte damit einen Rekord auf. Dann fiel der Dax in nur vier Wochen bis auf 8400 Punkte, natürlich wegen Corona und des daniederliegenden Wirtschaftsgeschehens, das fast allen Unternehmen keine Gewinn- und Umsatzprognosen, ja oft nicht einmal mehr Dividenden fürs abgelaufene Geschäftsjahr mehr erlaubt.

          Hello Fresh profitiert

          In den vergangenen zwei Wochen haben sich viele Aktienkurse immerhin stabilisiert, der Dax steht wieder deutlich über 9000 Punkten. Aber manches mutet doch weiterhin wie ein Aprilscherz an, bei dem einem das Lachen wegen der Krise sogleich im Halse steckenbleibt. Dax-Unternehmen wie Lufthansa, MTU und Daimler haben in dieser Woche wieder massiv verloren. Die Lufthansa ist nun an der Börse weniger wert als der Kochboxenlieferant Hello Fresh, der vom Zu-Hause-Bleiben profitiert.

          LUFTHANSA

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          Abseits solcher kurzweiligen Kuriositäten lässt sich festhalten: Die Corona-Krise wird dazu führen, dass die Zinsen noch länger als gedacht noch tiefer bleiben werden. Das erlaubt Staaten, sich noch stärker zu verschulden, Japan mit seinem bis auf 240 Prozent einer Jahreswirtschaftsleistung aufgetürmten Schuldenstand lässt grüßen. Auf die aktuellen Stützungsmaßnahmen wie Förderkredite könnten also staatliche Investitionsprogramme folgen.

          Wann kommt die Erholung?

          Die Erholung der Wirtschaft wird kommen, die Frage ist nur, wann. Die Börsen werden in den nächsten Wochen darauf reagieren, ob sich eine Lockerung des Stillstandes abzeichnet. Anleger sollten gerade an schlechten Tagen mit einem Teil ihres Geldes Aktien kaufen. Denn Anleihen sind wegen der dauerhaft tiefen Zinsen noch weniger eine längerfristige Option als bisher.

          Klar erscheint aber auch: Die Verschuldung der Staaten und die Wertpapierkäufe der Notenbanken mögen die Börsen kurzfristig stützen und mittelfristig sogar beflügeln. Langfristig aber müssen Anleger wohl darauf gefasst sein, dass wegen der vielen Schulden und der austrocknenden Kapitalmärkte die Kursreaktionen auf Schocks immer kräftiger ausfallen.

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