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Scherbaums Börse : Und es hat Zoom gemacht

  • -Aktualisiert am

Notlösung: Über Zoom können sogar Musikfestivals übertragen werden. Bild: Reuters

Der Spezialist für Videokonferenzen mit dem anschaulichen Markennamen Zoom wurde wegen der Corona-Pandemie zum Börsenstar – der Kurs schoss bis zu 500 Prozent in die Höhe. Zuletzt aber gab es deutliche Gewinnmitnahmen. Was ist los mit der Aktie?

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          Wer als Anleger vor Corona schon etwas von Zoom gehört hat, der gehörte wohl eher einem kleinen Kreis von Investoren an. Doch dann kam der große Lockdown im Frühjahr und quasi über Nacht wurden digitale Kommunikationsplattformen wie Slack, Teamviewer und auch Zoom zu gefragten Aktienlieblingen an den Börsen. Sie stahlen fast ein bisschen den etablierten Hightechgrößen wie dem Windows-Konzern Microsoft mit seinem Chat-Programm Teams oder Cisco System mit Webex die Show.

          Die Video-Plattform Zoom kann jeder in einer Basis-Version kostenlos nutzen. Das haben im Corona-Lockdown auch viele im Homeoffice getan – und nicht nur dort. Im privaten Bereich boomte Zoom. Familientreffen, Gottesdienste, Schulunterricht und Freizeitkurse wurden darüber abgehalten.

          Wer jedoch – wie etwa Unternehmen – Zoom professioneller und mit mehr Zusatzfunktionen nutzen möchte, muss dafür in verschiedenen Abo-Modellen bezahlen. Das machen auch immer mehr Unternehmen und nutzen Angebote wie die von Zoom in ihrem Geschäftsalltag. Allein in Deutschland ist laut dem Digitalverband Bitkom in diesem Jahr der Anteil jener Unternehmen deutlich gestiegen, die eine Strategie zur Bewältigung des digitalen Wandels verfolgen wollen. Nämlich von 68 Prozent im Jahr 2018 auf 75 Prozent im Jahr 2020.

          Bei der internen und externen Kommunikation setzen die Unternehmen 2020 insgesamt sehr viel stärker auf digitale Kanäle. So legten Video-Konferenzen mithilfe von Zoom, Skype oder GotoMeeting ebenfalls stark zu und werden laut einer Bitkom-Studie bei 61 Prozent der Unternehmen rege genutzt – lediglich 48 Prozent waren es im Jahr 2018.

          Starke Konkurrenz

          Zoom selbst hatte über 370.000 Unternehmenskunden per Ende August. Mehr als 100.000 Neukunden konnte das Unternehmen im zweiten Quartal gewinnen. Die Bilanz für das zweite Quartal 2020 spiegelte dann letztlich auch den Erfolg des Unternehmens wider: Ein Umsatzplus von 355 Prozent  und ein Nettogewinn von 166 Millionen Dollar.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg : Bild: Christoph Scherbaum

          Für das dritte Quartal hatte Zoom noch Anfang September einem Umsatz von bis zu 690 Millionen Dollar prognostiziert. Für das gesamte Geschäftsjahr 2020/2021 (per Ende Januar 2021) rechnete der Konzern im September noch mit Erlösen von 2,4 Milliarden Dollar. Sollte das Unternehmen Ende November bei seiner Bilanzveröffentlichung diese Zahlen tatsächlich publizieren bzw. seine Jahresprognose „nur“ bestätigen, würde dieses eines klar bedeuten: Das rasante bisherige Wachstum von Zoom wäre erst einmal zu Ende und das Unternehmen hätte alle Hände zu tun, bei der starken Konkurrenz im Bereich der Videochat-Plattformen, seinen Kundenstamm im Geschäftsbereich zu erweitern und damit die Bilanz zu halten. So mancher Anleger würde sich fragen, was es langfristig mit der Aktie auf sich hat. Ist der Hype dann (schon wieder) zu Ende?

          Der Blick auf den Chart ist in diesem Zusammenhang spannend: Die Aktie entwickelte sich nach dem Börsengang im April 2019 zunächst enttäuschend, denn bis zum Januar 2020 pendelten die Notierungen nur seitwärts. Doch im Zuge des Ausbruchs der Corona-Pandemie startete dann die Aktie des Videokonferenz-Anbieters im Februar dieses Jahres eine steile Kurs-Rallye.

          Zoom Video Communications

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          Dabei konnte sich der Aktienkurs in den folgenden acht Monaten mehr als versiebenfachen und markierte Mitte Oktober ein neues Rekordhoch bei rund 589 Dollar. Nach dem Höhenflug folgte dann bis Mitte November eine scharfe Korrektur um rund 30 Prozent auf zeitweise 413 Dollar. Doch trotz des kräftigen Rückschlags notiert die Aktie immer noch im großen Abstand von rund 60 Prozent über der 200-Tage-Linie (256 Dollar), sodass der langfristige Aufwärtstrend weiterhin intakt ist.

          Spannend wird nun ebenso, was für Zahlen Zoom Ende November veröffentlicht. Sind die Zahlen für den Markt gut, könnten die Notierungen in Kürze wieder eine neue Kurs-Rallye starten und das Oktober-Allzeithoch bei 589 Dollar wäre wieder im Fokus. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau würde sich allein bis zu dieser Marke ein Aufholpotenzial von 43 Prozent eröffnen und die Zoom-Aktie würde ein weiteres Mal als Paradebeispiel eines Digitalisierungsgewinners dastehen.

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