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Studie der Consors-Bank : Wie Schocks den Börsenhandel verändern

New York während der Anschläge vom 11. September 2001 Bild: dpa

Ob Großkrisen den Finanzmarkt beeinflussen, richtet sich weniger nach der politischen oder medialen Einschätzung solcher Ereignisse. Entscheidend ist deren langfristige wirtschaftliche Bedeutung.

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          Dass diese Krise anders ist, als alle anderen zuvor, werden die meisten Menschen mitbekommen haben. Nur die wenigsten werden zu ihren Lebzeiten einen solchen Ausnahmezustand erlebt haben, der das Leben nahezu aller Menschen so radikal so schnell geändert hat. Dass diese Krise so besonders ist, lässt sich auch mit Blick auf die Börsen erkennen, wie nun eine Auswertung der Consorsbank zeigt. Das Tochterunternehmen der BNP Paribas untersuchte auf Wochensicht, wie sich der Handel während Krisen verändert hat, und stellte auf Wochensicht eine Rangliste auf.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der Kalenderwoche 11, als der Dax den größten Tagesverlust seiner Geschichte verzeichnete, stieg der Handel von Wertpapieren stark an. Der normale Durchschnittswert an Käufen und Verkäufen wurde um 170 Prozent übertroffen – ein absoluter Rekord. Auch die Plätze 2 bis 4 gehen an die Corona-Krise.

          Spannungsabbau nach Negativentwicklungen

          Anders als man vermuten würde, sind es also nicht punktuelle Ereignisse wie Terroranschläge oder Naturkatastrophen, welche die Börsen am meisten bewegen. In der Mehrzahl der Fälle geht es um einen Spannungsabbau, nachdem sich über Wochen oder Monate andere Ereignisse zusammengebraut haben wie etwa eine negative wirtschaftliche Entwicklung.

          Ein Beispiel dafür ist der Handel in der Kalenderwoche 32 im Jahr 2011. Am schwarzen Montag am 8. August brachen die Kurse auf der ganzen Welt ein. Grund war damals die Herabstufung der Bonität der Vereinigten Staaten durch die Ratingagentur Standard & Poor’s von AAA auf AA+. Der Handel lag damals 115 Prozent über dem Jahresmittel.

          In dem Zusammenhang zeigte sich auch, dass es egal ist, aus welcher Region der Impuls kommt. Weltumspannende Themen dominieren zwar, aber auch wenn Ereignisse nur in den Vereinigten Staaten stattfanden, haben diese auf den weltweiten Börsenhandel Einfluss genommen.

          Überraschend ist auch, dass viele Ereignisse, die eigentlich als einschneidend empfunden wurden, nicht zu übertriebenen Reaktionen geführt haben. So sorgte der Anschlag auf das World Trade Center nicht für einen großen Ausschlag bei den Handelszahlen. Eine mögliche Erklärung: Der Handel wurde damals an der Wall Street für einige Tage ausgesetzt, und die deutschen Anleger reagierten nach dem ersten Schock verzögert, wohl auch, weil sich die Dimension des Anschlags erst in den kommenden Wochen erschloss. Zudem ging ein längerer Kursverfall an den Börsen voraus.

          Auch das Brexit-Votum in Großbritannien im Jahr 2016, die Annexion der Krim im Jahr 2014 und die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten hinterließen für das Handelsvolumen keinen nachhaltigen Eindruck. Die Consorsbank schließt daher mit den Worten: „Mediale Aufmerksamkeit und weltpolitische Bedeutung sind offenbar nicht immer zwingend auch extremer Börsentreibstoff.“

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