https://www.faz.net/-gv6-a3vyf

Compleo : Hersteller von E-Auto-Ladesäulen will an die Börse

  • -Aktualisiert am

Checrallah Kachouh, Co-CEO von Compleo, vor einer Palette lieferfertiger Ladestationen Bild: obs

Der politische und volkswirtschaftliche Rahmen passt perfekt für den technisch versierten Infrastrukturdienstleister. Doch das Elektromobilitäts-Unternehmen muss sich gegen Konkurrenten durchsetzen, wenn es Rendite für Anleger liefern will.

          2 Min.

          Der Unternehmensname Compleo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß übersetzt „ich lade“. Von Batterien oder Autos hatten die alten Römer zwar keine Ahnung, wohl aber von Infrastruktur, wovon ihr in Grundzügen noch heute bestehendes Straßennetz durch halb Europa zeugt.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor einer infrastrukturellen Mammutaufgabe stehen Deutschland und Europa auch aktuell, denn die politisch forcierte Elektromobilität für die Masse ist ohne ein dichtes Netz von Ladepunkten undenkbar. Compleo als Entwickler, Hersteller und Lieferant von Ladesäulen für Elektroautos rechnet sich daher große Wachstumschancen aus – eine Börsenstory wie aus dem Bilderbuch.

          Geleitet wird das aus dem 1948 gegründeten Schaltschrankhersteller EBG hervorgegangene Dortmunder Unternehmen von Checrallah Kachouh und Georg Griesemann. Kachouh, der gleichzeitig Technologievorstand (CTO) ist, kommt aus der Automobilzulieferbranche und bezeichnet Compleo als Greentech-Unternehmen mit technisch fortschrittlichen Ladelösungen. Griesemann, der auch Finanzvorstand ist, arbeitete zuvor als Finanzchef eines großen Immobilienunternehmens. Er erwartet für Europa stark steigende Verkaufszahlen von Elektroautos. „Mit den Erlösen aus dem geplanten Börsengang wollen wir unsere Expansion in Europa vorantreiben“, sagt Griesemann im Gespräch mit der F.A.Z.

          Mehr als 220 neue Elektromodelle

          Ist das eine vielversprechende Strategie für Anleger? Der gesamtwirtschaftliche Rahmen mit dem wachsenden Umweltbewusstsein vieler Autokäufer, den teils brachialen staatlichen Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität sowie der Entwicklung vieler neuer Elektromodelle auch durch klassische Autohersteller sieht äußerst günstig aus.

          Inwieweit Compleo an dem erhofften Wachstum teilhaben kann, wird aber auch davon abhängen, ob sich das Unternehmen gegen Konkurrenten durchsetzen wird. Aktuell gibt es nur 175.000 Ladepunkte für Elektroautos in Europa, doch die Zahl soll sich laut Schätzungen bis 2025 auf 1,2 Millionen vervielfachen. Compleo hat in den vergangenen elf Jahren europaweit 25.000 Ladestationen ausgeliefert, 22.000 davon im Heimatmarkt Deutschland.

          Die Dortmunder besitzen also einen deutlichen Marktanteil, sind aber mit einem Jahresumsatz von 15 Millionen Euro im Jahr 2019 bei weitem keine Monopolisten. Auch Anbieter wie ABB, Schneider Electric oder Alfen buhlen europaweit um Aufträge von großen Unternehmen oder Stadtwerken für die Lieferung und den Aufbau von Ladestationen. Wie stark Compleo sich auf Wachstum konzentriert, zeigt der Umsatz für das erste Halbjahr 2020: Er ist mit mehr als 14 Millionen Euro fast so hoch wie der Gesamtumsatz des Vorjahres.

          Der Börsengang im regulierten Markt der Frankfurter Börse ist für das laufende Jahr geplant, potentielle Anleger und Investoren warten nun auf die Veröffentlichung des Wertpapierprospekts. Compleo will das an der Börse eingesammelte Geld vorwiegend in den Ausbau von Vertrieb und Service, die weitere Verbesserung der Technologie sowie in die Ausweitung des Produktangebotes investieren. Bei den zur Zeichnung angebotenen Aktien soll es sich vorwiegend um neue Anteile aus einer Kapitalerhöhung handeln. Zudem wollen Altaktionäre auch einen Teil ihrer Aktien abgeben. Den Börsengang betreuen Commerzbank und Oddo BHF.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zapfenstreich für Merkel : Abschied mit Fackeln und Schlagern

          Mit dem Großen Zapfenstreich verabschiedete sich die Bundeswehr von Angela Merkel nach 16 Jahren im Amt. Die Kanzlerin hält zwei Ratschläge bereit – und freut sich über Schlager aus Ost und West.
          Militärübung Zapad: Alexandr Lukaschenko Mitte September auf dem Truppenübungsplatz Obuz-Lesnovsky

          Sorgen um die Ukraine : Lukaschenko droht für Putin

          Der Minsker Machthaber kündigt „Manöver“ mit Russland nahe der Ukraine an – und stellt sogar die Stationierung russischer Nuklearwaffen in Belarus in Aussicht.
          Tritt von der politischen Bühne ab: Sebastian Kurz am Donnerstag in Wien

          Österreichs früherer Kanzler : Wie lange ist Kurz weg?

          Österreichs früherer Kanzler Sebastian Kurz legt seine politischen Ämter nieder und spricht davon, dass er seine Begeisterung verloren habe. Ob es ein Abschied für immer sein soll, bleibt offen.