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Commerzbank warnt : Immobilienboom wie vor der Lehman-Pleite

Wohnhäuser in Berlin Bild: dpa

Die steigenden Hauspreise in Europa deuten nach Ansicht eines Analysten auf bedenkliche Parallelen zur Zeit vor der Finanzkrise hin.

          2 Min.

          Die Commerzbank berichtet von Risiken am europäischen Immobilienmarkt – und beruft sich dazu unter anderem auf den Europäischen Ausschuss für Systemrisiken (ESRB), dem Christine Lagarde vorsitzt, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB). Viele Deutsche klagten über die hierzulande stark steigenden Immobilienpreise, schreibt Commerzbank-Analyst Marco Wagner. Dabei legten in annähernd zwei Dritteln der Länder der Europäischen Union die Häuserpreise noch stärker zu.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Pikanterweise warnt der Europäische Ausschuss für Systemrisiken, dem die EZB-Präsidentin vorsitzt, vor eben jenen Risiken“, schreibt Wagner. Er meint, es sei vor allem die jahrelange ultraexpansive Geldpolitik der EZB, die hier Wirkung zeige. In Deutschland laufe der Immobilienboom schon seit 2010. Allein 2019 hätten sich Wohnimmobilien um rund 5 Prozent verteuert.

          „Unseren Modellen zufolge dürften die Preise deutschlandweit etwa 15 Prozent über dem liegen, was wir fundamental für gerechtfertigt halten.“ In nahezu zwei Dritteln (17 Länder) der EU-Mitgliedsländer seien die Preise für Wohnimmobilien um mehr als 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen – und damit schneller als in Deutschland. In einem weiteren Drittel (neun Länder) verteuern sich Wohnungen um bis zu 5 Prozent.

          Lediglich in Italien seien die Preise leicht gesunken. Am stärksten sei der „Hype“ in Ungarn, dort seien die Häuserpreise zuletzt um 15 Prozent im Jahr gestiegen. Schon seit Jahren verteuern sich die Immobilien in Ungarn mit Raten im zweistelligen Bereich. In Portugal, Luxemburg, Tschechien und Kroatien hätten die Preise für Immobilien 2019 um 9 Prozent zugelegt, in den Niederlanden und Polen um 8 Prozent. In Frankreich hätten die Häuserpreise in den vergangenen Jahren zwar nur um durchschnittlich 3 Prozent im Jahr zugelegt.

          Trotzdem seien Immobilien dort teuer, und die Gefahr einer Immobilienblase sei entsprechend hoch. „In Frankreich haben sich die Häuserpreise in den zehn Jahren vor Lehman weit mehr als verdoppelt, und eine Korrektur im Zuge der Finanzkrise hat quasi nicht stattgefunden“, schreibt die Commerzbank. Die Bank meint, die EZB werde wohl noch beträchtliche Zeit an ihrem expansiven Kurs festhalten und den Immobilienboom weiter anheizen.

          Während relativ unumstritten ist, dass die niedrigen Zinsen die Immobilienpreise zusätzlich angeheizt haben, ist die Frage, ob daraus eine Blase entstanden sein könnte, sehr umstritten. Die EZB selbst betont in letzter Zeit die Nebenwirkungen der lockeren Geldpolitik stärker als früher, auch die Entwicklung am Immobilienmarkt. Die Bundesbank spricht in ihren Berichten zwar von „Übertreibungen“ in den deutschen Großstädten, nicht aber von einer „Blase“.

          Viele Ökonomen vertreten ohnehin die Ansicht, eine Finanzblase könne man zuverlässig erst erkennen, wenn sie platzt. Seit der Finanzkrise gibt es allerdings viele Gremien wie den Ausschuss ESRB, die aufmerksam beobachten, ob es Anzeichen für eine Blasenbildung gibt, um gegebenenfalls mit sogenannten makroprudenziellen Instrumenten wie strengeren Kapitalvorschriften für Banken reagieren zu können.

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