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Währungskrise in der Türkei : „Sagt Erdoğan keiner, wo der Fehler liegt?“

Fußgänger auf dem Mahmutpasa-Basar, eines von Istanbuls größten Einkaufszentren Bild: AFP

Die unorthodoxe Geldpolitik der Türkei macht der Lira große Probleme. Am Ende könnten Kapitalverkehrskontollen drohen, warnt Commerzbank-Experte Leuchtmann.

          4 Min.

          Herr Leuchtmann, die Lira verliert rasend schnell an Wert, am Dienstag bis zu 18 Prozent. Wo endet das?

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Die Abwertung der Lira hat eine Eigendynamik bekommen. Sie nährt die Inflation, und die Inflation nährt wiederum die Abwertung. Wie weit das noch geht, ist schwer vorauszusagen.

          Aber das kann doch nicht auf Dauer so weitergehen.

          Es wird ein Umdenken in der Geldpolitik der türkischen Notenbank geben müssen. Sie wird die Zinsen anheben müssen, weil die Abwertung der Lira so massiv ist, dass sie das Land in große Probleme stürzt. Das trifft zuerst Unternehmen, die in Fremdwährungen verschuldet sind. Aber noch sehen wir keine Änderung, eher das Gegenteil. Die Notenbank senkt die Zinsen, statt sie anzuheben, und der Präsident feuert sie an. Die Frage ist: Wann ist der wirtschaftliche Schaden so groß, dass es zu einer Neujustierung kommt? Aber das ist keine ökonomische, sondern eine politische oder sogar psychologische Frage. Deshalb fällt die Antwort darauf so schwer.

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