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Wenig Kreditausfälle : Commerzbank begeistert mit Quartalsgewinn die Börse

Die Zentrale der Commerzbank Bild: dpa

Das Kreditinstitut profitiert im ersten Quartal 2021 von günstigen Zinsgeschäften mit der EZB und erholten Kapitalmärkten. Für Privatkunden soll es bald Strafzinsen und Kontoführungsgebühren geben.

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          Die Commerzbank hat mit ihren Geschäftszahlen für das erste Quartal 2021 positiv überrascht. Während Aktienanalysten im Durchschnitt einen Reinverlust in Höhe von 131 Millionen Euro erwartet hatten, präsentierte der seit 1. Januar 2021 amtierende Vorstandsvorsitzende Manfred Knof einen Konzernnettogewinn von 133 Millionen Euro. Der Quartalsgewinn kam vor allem deshalb überraschend, weil die Commerzbank wie angekündigt 465 Millionen Euro für Abfindungen an mehr als 10.000 nicht mehr benötigte Mitarbeiter zurück stellte. Der Kurs der im M-Dax enthaltenen Commerzbank-Aktie legte am Mittwoch zeitweise um gut 8 Prozent zu und sprang erstmals seit Februar 2020 auf mehr als 6 Euro.

          COMMERZBANK

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          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Analystin Anke Reigen von der Royal Bank of Canada lobte: „Viele Geschäftszahlen sind besser als erwartet.“ Wenn man sich allerdings die Vorgeschichte vergegenwärtigt, wird klar: Die Commerzbank hat bei ihrem guten Start in das Jahr 2021 von hohen Rückstellungen für Konzernumbau und Kreditrisiken profitiert, die sie schon im ersten Quartal 2020 und im vierten Quartal 2020 gebildet hat. 2020 hat die Bank mit 2,9 Milliarden Euro ihren höchsten Jahresverlust seit der Finanzkrise eingefahren. Das lag unter anderem daran, dass Knof schon vor seinem Amtsantritt für ausfallgefährdete Kredite allein im vierten Quartal 2020 mehr als 600 Millionen Euro zurück stellen ließ. Jetzt war im ersten Quartal 2021 nur 149 Millionen Euro Risikovorsorge nötig – der niedrigste Wert seit Ausbruch der Corona-Pandemie.

          Bisher kaum Kreditausfälle

          Finanzchefin Bettina Orlopp sagte Journalisten am Mittwoch, die Commerzbank habe bisher trotz steigender Insolvenzen in Deutschland kaum Kreditausfälle zu verzeichnen. Die Kreditrisikovorsorge werde im Gesamtjahr 2021 wahrscheinlich unter 1 Milliarde Euro liegen, konkretisierte Orlopp ihre Prognose von 0,8 bis 1,2 Milliarden Euro. 2020 hatte die Commerzbank für mögliche Kreditausfälle 1,7 Milliarden Euro zurück legen müssen.

          Für den Vorjahresvergleich ist auch wichtig, dass im März 2020 mit Ausbruch der Pandemie starke Bewegungen an den Börsen einsetzten, während dort derzeit eitel Sonnenschein herrscht. Deshalb erholten sich zuletzt derivative Wertpapiere wie Swaps, und die Commerzbank verzeichnete dank solcher Bewertungseffekte jetzt „Fair-Value-Ergebnis“ von 360 (Vorjahresquartal: minus 304) Millionen Euro. Dieser Unterschied sorgt maßgeblich dafür, dass die Konzernerträge überraschend im ersten Quartal 2021 um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 2,5 Milliarden Euro kletterten.

          Ertragsprognose für 2021 erhöht

          Knof stellte für das Gesamtjahr 2021 nun leicht höhere Einnahmen als 2020 und eine Kernkapitalquote von mehr als 12,5 Prozent in Aussicht (derzeit 13,4 Prozent). Bisher waren niedrigere Erträge und eine Kapitalquote von gut zwölf Prozent angekündigt. Die Chancen auf einen Nettogewinn in 2021 seien gestiegen, sagte Orlopp. Der Rückenwind durch positive Bewertungseffekte werde aber nachlassen. Dagegen könnte das Wertpapiergeschäft ein Ertragsbringer bleiben. Dass ihre Privatkunden viel mit Aktien handelten, brachte der Bank im ersten Quartal 8 Prozent mehr Provisionsüberschuss.

          EZB hilft gegen negative Zinsen

          Weiter profitieren will die Commerzbank von langfristigen Finanzierungsgeschäften der Europäischen Zentralbank (TLTRO). Da sich Geschäftsbanken von der EZB Geld zu minus 1 Prozent leihen konnten, habe sich ein „Zinszuschuss“ von 126 Millionen Euro eingestellt, berichtete Orlopp. Im zweiten Quartal rechnet sie mit weiteren 40 Millionen Euro. Auf die Frage, ob die negativen Zinsen auch dank der LTRO-Programme nicht inzwischen ein gutes Geschäft seien, entgegnete Orlopp, dies sei bei weitem nicht der Fall. Eine Zinserhöhung der EZB brächte nach ihrer Rechnung der Commerzbank 1 Milliarde Euro Mehrertrag.

          Um dem weiter voranschreitenden Zinseinnahmeschwund entgegen zu wirken, sollen vielmehr Firmenkunden 2021 auf ihre Einlagen 200 Millionen Euro an Verwahrentgelt entrichten nach 150 Millionen Euro im Vorjahr. Auch Privatkunden, die im Vorjahr 50 Millionen Euro an „Strafzinsen“ zahlten, sollen dieses Jahr mehr zahlen. Die Commerzbank will bald schon ab 50.000 Euro Guthaben auf Girokonten Gebühren erheben und erhofft sich davon rund 100 Millionen Euro Ertrag jährlich.

          Außerdem will sie trotz eines Urteils des Bundesgerichtshofs Kontoführungsgebühren durchsetzen. Dafür werde ein „aktives Ja“ von Kunden eingeholt werden, kündigte Orlopp an. Nur digital geführte Konten mit monatlichem Eingang von 700 Euro könnten gebührenfrei bleiben. „Nur dann rechnet sich das für uns“, sagte Orlopp. Auf die Frage, wie viele Kunden wegen der angekündigten Gebühren gekündigt hätten, sagte Knof, die Commerzbank habe im ersten Quartal netto 50.000 Kunden gewonnen.

          Aktienanalysten verlieren ihre Stelle

          Die Kosten des Konzerns sollen in diesem Jahr von 6,7 auf 6,5 Milliarden Euro sinken. Dazu soll auch beitragen, dass die Commerzbank ihren eigenen Aktienhandel und ihre Aktienanalyse einstellt und für ihre Kunden statt dessen diese Dienstleistungen von der französischen Bank Oddo-BHF einkauft. Rund 80 Mitarbeiter verlieren ihre bisherige Stelle. Sie können sich bei Oddo-BHF bewerben, gegen Abfindung freiwillig ausscheiden oder eine neue Stelle im Commerzbank-Konzern erhalten. Betriebsbedingte Kündigungen soll es vorerst nicht geben.

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