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Jahresprognose 2022 : Commerzbank rechnet auch für nächsten Winter mit Rückschlag durch Corona

Mancherorts hat es dieses Jahr schon geschneit. Bild: dpa

Die Pandemie ist bald vorbei? So sieht die Commerzbank das jedenfalls nicht. Sie rechnet auch für den Winter 2022/23 noch mal mit einem Rückschlag für das Wirtschaftswachstum durch Corona. In diesem Jahr dürften immer mehr Regionen vom Lockdown betroffen sein.

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          Anders als die Europäische Zentralbank (EZB), die den derzeitigen Anstieg der Inflationsraten nur für „transitorisch“, also vorübergehend hält, rechnet die Commerzbank umgekehrt mit einem nur vorübergehenden Absinken der Inflationsrate im nächsten Jahr. „Danach wird es ein langsames Hochdriften geben, mit einer klaren Richtung“, sagte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, am Freitag in seinem Jahresausblick. „In ein paar Jahren werden die Inflationsraten dann deutlich über 2 Prozent liegen.“

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Krämer kritisierte, die EZB habe mit ihren Anleihekäufen seit Beginn der Pandemie rechnerisch die Haushaltsdefizite aller Eurostaaten finanziert: „Damit will die EZB unter anderem den Euro-Rentenmarkt von Einflüssen aus den Vereinigten Staaten abschotten.“ Amerika habe „längst ein Inflationsproblem“, dort stiegen nicht nur diejenigen Preise, die etwas mit der Corona-Pandemie zu tun hätten – sondern etwa auch die Mieten.

          Gastronomie-Umsätze fallen wieder deutlich

          Die Commerzbank rechnet damit, dass die Renditen amerikanischer Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit Mitte 2022 bis auf 2,1 Prozent steigen. Die Renditen deutscher Bundesanleihen dagegen blieben voraussichtlich negativ und könnten allenfalls zur Jahresmitte als Reaktion auf Zinsanhebungen in Amerika „die Null touchieren“.

          Beim Wirtschaftswachstum erwartet die Commerzbank im Winterhalbjahr 2021 für Deutschland eine technische Rezession. Die Umsätze in der Gastronomie fielen schon seit Sommer wieder. „Immer mehr Regionen werden vom Lockdown betroffen sein“, sagte Krämer.

          Aber sogar für den nächsten Winter sagt er noch mal eine „Coronadelle“ für das Wirtschaftswachstum vorher. 2022 insgesamt werde das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um 3 Prozent zulegen, in Europa 3,5 Prozent und in den Vereinigten Staaten 3,8 Prozent. Der deutsche Aktienindex Dax werde, getrieben auch von der weiter lockeren EZB-Geldpolitik, zum Jahresende 2022 bei 17.200 Punkten stehen.

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