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Frist gerissen : Einige Commerzbank-Kunden warten noch immer auf Steuerbescheinigungen für 2021

Die Einkommenssteuererklärung beim Finanzamt wird für Commerzbank-Kunden zum Problem. Das Institut stellte nicht alle Jahressteuerbescheinigung aus. Bild: dpa

Bis 31. Oktober mussten die meisten Privatleute ihre Einkommensteuererklärung abgeben. Doch Commerzbank-Kunden fehlen wichtige Informationen. Sie müssen nun hoffen, dass ihr Finanzamt auf Säumniszuschläge verzichtet.

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          Der Commerzbank ist es nicht gelungen, allen Kunden rechtzeitig eine Bescheinigung über erzielte Kapitalerträge oder Verluste zuzusenden. Zwei von drei Lesern der F.A.Z., die als Kunden der Commerzbank Anfang Oktober noch keine Steuerbescheinigung von dieser Bank erhalten haben, fehlte diese nach eigener Auskunft auch am letzten Tag des Monats. Betroffen sind sowohl Kunden der Commerzbank selbst als auch der Direktbank-Marke Comdirect. Dies bestätigte auch ein Sprecher des Instituts auf Nachfrage.

          Archibald Preuschat
          Redakteur in der Wirtschaft
          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Verzögerung der Commerzbank wiegt schwer, denn am 31. Oktober endete die (wegen Corona schon verlängerte) Frist, bis zu der Privatkunden ihre ohne die Hilfe von Beratern erstellten Einkommensteuererklärungen für 2021 beim Finanzamt einreichen mussten. In der Einkommenssteuererklärung müssen auch die erzielten Kapitalerträge angegeben werden. Ein Leser erzählt, weil er die ausbleibenden Informationen der Commerzbank benötige, habe er sein Finanzamt um Fristverlängerung für die Abgabe der Steuererklärung gebeten – noch fehle die Antwort der Steuerbeamten. Das Finanzamt kann nun Säumniszuschläge verhängen.

          Die Commerzbank schweigt

          Keine Antwort gab die Commerzbank nach Auskunft des Lesers auf seine jüngste Anfrage im Oktober, wann endlich die Steuerbescheinigung versandt werde. Zuvor habe die Bank auf „acht bis zehn E-Mails“, mit denen er schon nachgehakt habe, immerhin geantwortet, wenn auch ausweichend. Nach Angaben des Commerzbank-Sprechers ist das In­stitut Mitte Oktober auf Kunden zugegangen, denen die Kapitalerträge nicht rechtzeitig bescheinigt werden konnten, und hat diese auf die Option hingewiesen, bei ihrem Finanzamt eine Fristverlängerung zu beantragen. „In diesem Fall kann das von uns versandte Schreiben dem Antrag auf Fristverlängerung beigefügt werden“, teilte der Sprecher in seiner Antwort an diese Zeitung. mit.

          Die F.A.Z. hatte nach Hinweisen ihrer Leser bereits am 27. Juli berichtet, dass die Commerzbank zahlreichen Kunden noch keine Jahressteuerbescheinigungen übersandt hat, obwohl diese üblicherweise schon um Ostern vorliegen. Zudem wurde bekannt, dass einige Jahresbescheinigungen andere Werte enthielten als diejenigen, die unterjährig dem Finanzamt übermittelt wurden. Einige Leser monierten auch – zu ihren Ungunsten – fehlerhafte Bescheinigungen (vgl. F.A.Z. vom 13.8.22 und 24.8.22). Damals hatte die Commerzbank gesagt, eine „vierstellige Anzahl“ von Kunden sei von der IT-Panne betroffen, deren Ursache in der 2021 abrupt gestoppten Auslagerung der Wertpapierabwicklung an HSBC liegt.

          Warum es der Commerzbank auch über Monate hinweg bis jetzt nicht gelungen ist, ihren Kunden das zur Vorlage beim Finanzamt nötige Dokument zur Verfügung zu stellen, mochte ihr Sprecher nicht beantworten. Ebenfalls ließ er offen, wie vielen Kunden bislang noch keine Jahressteuerbescheinigung zugestellt werden konnte, sprach lediglich davon, dass der „weitaus größte Teil“ die Jahressteuerbescheinigung mittlerweile erhalten habe. „Die Verzögerung bedauern wir wirklich sehr. Unsere Teams arbeiten weiterhin mit Hochdruck daran, die noch ausstehenden Jahressteuerbescheinigungen bereitzustellen“, heißt es in der Antwort des Sprechers.

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