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IT-Panne bei Commerzbank : Kunden warten noch auf ihre Steuerbescheinigung für 2021

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt Bild: dpa

Nach der fehlgeschlagenen Auslagerung der Wertpapierabwicklung wollte die Commerzbank ihren Kunden eigentlich etwas Gutes tun. Doch nun gibt es Verzögerungen. Es ist nicht der erste Ärger wegen dieser Panne.

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          Ein Unglück kommt selten allein. Im Sommer 2021 musste die Commerzbank ihr wichtigstes IT-Projekt, die Auslagerung der Wertpapierabwicklung an die Bank HSBC, stoppen. Die schon aufgelaufenen Kosten von 200 Millionen Euro schrieb das Kreditinstitut in den Wind, der zuständige IT-Vorstand Jörg Hessenmüller musste trotz gerade verlängerten Vertrags gehen. Doch die Nachwehen dieser gescheiterten Auslagerung spüren Commerzbank-Kunden bis heute.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon im Januar gab es Klagen Tausender Kunden, ihnen sei fälschlicherweise Kapitalertragsteuer zum Teil in sechsstelliger Höhe abgebucht worden, obwohl eigentlich nur wenige Hundert Euro an Kapitalertragsteuer zu belasten gewesen wären. Tatsächlich hatte die Commerzbank bei Transaktionen um den Jahreswechsel – Valuta noch in 2021, Buchung erst 2022 – die Kapitalerträge für die Steuer falsch berechnet und abgeführt und damit zum Schreck ihrer Kunden manches zuvor gut bestückte Konto tief ins Minus geschickt.

          Nun stellt sich nach Informationen der F.A.Z. ein weiteres Problem: Die Jahressteuerbescheinigung, also die Aufstellung der Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne für 2021, liegt manchen Kunden noch nicht vor. Auch hier ist die gescheiterte Auslagerung der Wertpapierabwicklung an HSBC ein Grund.

          Gut gemeint ...

          Denn als die Commerzbank doch die Abwicklung des Wertpapierverkehrs behielt, hatte sie im zweiten Halbjahr 2021 ihren Kunden eigentlich etwas Gutes tun wollen. Bisher bekamen diejenigen Kunden mit mehreren Konten und Depots dafür jeweils eine separate Erträgnisaufstellung. Künftig, so die Idee der Commerzbank, will sie jedem Kunden – gleichgültig, wie viele Depots und wie viele Konten er bei dem Kreditinstitut unterhält – nur noch eine gebündelte Erträgnisaufstellung bieten. Eigentlich also eine gute Sache zur Vereinfachung, die das Erstellen der Steuererklärung erleichtert.

          Aber für diesen besseren Service waren „Softwareanpassungen“ nötig, die den Versand der Steuerbescheinigungen für das Jahr 2021 „für einzelne Kunden“ verzögert haben, wie die Sprecherin der Commerzbank erklärt.

          Normalerweise spätestens Ostern

          Üblicherweise kommen die Jahressteuerbescheinigungen von der Bank im ersten Quartal des Folgejahres, spätestens an Ostern. Bei der Commerzbank habe aber 2022 anfangs eine vierstellige Zahl an Kunden die Jahreserträgnisaufstellung nicht wie gewohnt erhalten. „Diese Kunden wurden über eine Verzögerung informiert“, sagt die Sprecherin. Wer aber bis jetzt noch keine Steuerbescheinigung für 2021 erhalten habe, sei ein Einzelfall. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass auch diese Kunden so schnell wie möglich ihre ausstehende Jahresbescheinigung zur Verfügung gestellt bekommen.“

          COMMERZBANK AG

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          Tatsächlich ist die Verzögerung in diesem Jahr nicht ganz so tragisch, schließlich hat die Bundesregierung im „Vierten Corona-Steuerhilfegesetz“ die Frist zur Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2021 vom 31. Juli 2022 auf den 31. Oktober 2022 ausgeweitet. Wer seine Steuererklärung mithilfe eines Steuerberaters oder eines Lohnsteuerhilfevereins erstellen lässt, hat sogar bis 31. August 2023 Zeit.

          Allerdings gibt es auch Zweifel an der Darstellung der Commerzbank, es handele es sich um Einzelfälle, die ihre Steuerbescheinigung für 2021 noch nicht erhalten haben und dann im Wesentlichen um solche Kunden mit mehreren Konten und Depots. Zumindest ein F.A.Z.-Leser, der nur ein Depot bei der Commerzbank unterhält und dessen Adresse und Familienstand sich nicht geändert haben, wartet noch immer auf seine Steuerbescheinigung 2021 und wird von seinem Kundenberater mit Softwareproblemen vertröstet.

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