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Stellungnahme : Comdirect sträubt sich gegen Übernahme

Vor dem Gebäude der Comdirect in Quickborn Bild: dpa

Vorstand und Aufsichtsrat haben Stellung zum Angebot der Comdirect-Mutter genommen – mit einer ungewöhnlichen Empfehlung für ihre Aktionäre.

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          Vorstand und Aufsichtsrat der Comdirect haben Bedenken gegen die Übernahme der Direktbank durch die Muttergesellschaft Commerzbank. Zwar halten die Mitglieder den von ihr gebotenen Preis von 11,44 Euro je Comdirect-Aktie für angemessen, nachdem sie Wertgutachten von den externen Beratern Barclays und Deloitte eingeholt haben. Aber Vorstand und Aufsichtsrat machen in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme deutlich, dass ihnen Aussagen der Commerzbank zu einer gemeinsamen Strategie, zur Hebung des Einsparpotentials, zu negativen Zusammenschlusseffekten und Zusagen für den Erhalt von Standorten fehlten.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Wertgutachten und die Unsicherheit über die strategische Ausrichtung der Comdirect nach der Verschmelzung auf die Commerzbank führen zu einem ungewöhnlichen Ratschlag: Kurzfristig orientierte Aktionäre sollten deren Angebot zu 11,44 Euro je Comdirect-Aktie annehmen, empfehlen Vorstand und Aufsichtsrat in der einstimmig beschlossenen Stellungnahme. Langfristig orientierten Aktionären dagegen könne man das Angebot nicht empfehlen. Damit erfährt das Vorhaben der Commerzbank einen unerwarteten Dämpfer.

          Die Commerzbank, die schon 82 Prozent an der Direktbank hält, will Comdirect komplett übernehmen. Die Offerte läuft bis 6. Dezember und steht unter der Voraussetzung, dass die Commerzbank dann 90 Prozent der Comdirect-Aktien hält. Dann kann sie die restlichen Aktionäre zwangsabfinden und herausdrängen. Ob das gelingt, ist jedoch fraglich: Zwar bietet die Commerzbank mit 11,44 Euro einen Aufschlag von 25 Prozent auf den Aktienkurs vor Bekanntwerden der Übernahmepläne am 20. September. Doch seither wird die Aktie an der Börse höher gehandelt.

          COMDIRECT

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          Am Mittwoch kletterte die Comdirect-Aktie um 0,15 Prozent auf 13,49 Euro. Anleger, die zu diesem Kurs über die Börse verkaufen, erhalten also 18 Prozent mehr als von der Commerzbank. Auch wenn die Liquidität im Börsenhandel mit Comdirect-Aktien zunehmend versiegt, gibt es doch einen kontinuierlich zukaufenden Aktionär: Der Hedgefonds Petrus Advisers hat seinen Anteil an Comdirect Ende September zunächst auf 3 Prozent und Anfang dieser Woche auf mehr als 5 Prozent aufgestockt. Petrus stellt sich also erkennbar gegen die Übernahme zu den von der Commerzbank vorgeschlagenen Konditionen und gibt ihr damit eine gehörige Portion Würze.

          Pikant sind auch einige Aussagen von Vorstand und Aufsichtsrat der Comdirect zur im September vorgestellten Strategie der Commerzbank. Bekanntermaßen hält die Commerzbank trotz Schließung von 200 Filialen weitgehend an ihrem Filialnetz fest; sie will sich aber darauf einstellen, dass Kunden sie künftig vorrangig über das Smartphone kontaktieren. Wegen der Ähnlichkeit mit dem Geschäftsmodell der Comdirect sei diese nicht mehr nötig, heißt kurz gefasst das strategische Kalkül. Für Vorstand und Aufsichtsrat der Direktbank ist das bedingt nachvollziehbar, aber zu wenig aus Sicht der 2,7 Millionen Comdirect-Kunden gedacht, die ihre Anlageentscheidung kostengünstig überwiegend selbständig treffen. „Wir sind nicht überzeugt, dass Direktbankkunden auf breiter Basis Beratungsangebote wahrnehmen wollen, die zum Geschäftsmodell einer Filialbank gehören“, geben sie zu Protokoll.

          COMMERZBANK AG

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          Zwar wird in der gesetzlich vorgeschriebenen Stellungnahme der Versuch gemacht, Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen mit der Commerzbank zu betonen. Aber an vielen Stellen schimmern mehr als nur Zweifel an der Richtigkeit des Übernahmeplans durch. So heißt es, die von der Commerzbank genannten Treiber für Einsparungen nach der Verschmelzung der Comdirect – etwa keine Doppelentwicklungen von IT mehr und der Wegfall der Börsennotierung – erklärten nur einen kleinen Teil der geplanten Einsparungen von 150 Millionen Euro. Außerdem müsse mit negativen Effekten des Zusammenschlusses gerechnet werden, warnen Vorstand und Aufsichtsrat der Comdirect und nennen den Verlust von Kunden und günstiger Kostenstrukturen. Damit spielen sie womöglich darauf an, dass die Comdirect im Jahr 300 Millionen aufwendet, die Commerzbank dagegen 6800 Millionen Euro.

          Bemängelt wird von der Comdirect mehrmals, dass es noch kein Integrationskonzept gebe. „Vorstand und Aufsichtsrat bedauern, dass die Bieterin derzeit keine Zusagen für den Erhalt von Standorten macht“, heißt in der Stellungnahme weiter. Dadurch entstehe Raum für Spekulationen, die gerade die Mitarbeiter am Hauptsitz in Quickborn bei Hamburg verunsicherten. „Dies kann dazu beitragen, dass leistungsstarke Knowhow-Träger kündigen“, heißt es warnend.

          Die Commerzbank zeigte sich davon unbeeindruckt. „Die Comdirect hat unseren Angebotspreis als finanziell angemessen eingestuft. Jetzt ist die richtige Zeit, um unser Angebot anzunehmen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Zielke. Falls die Commerzbank nicht genug Aktien angedient bekommt, hat sie angekündigt, die Verschmelzung der Comdirect auf anderem Wege zu erreichen. Dann werden Comdirect-Aktionäre zu einem späteren Zeitpunkt für ihre Aktien kein Geld, sondern Aktien der Commerzbank erhalten.

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