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Cola zahlt Dividende : Kursverlust war wohl nicht Ronaldos Schuld

  • -Aktualisiert am

Bewegte Ronaldo den Kurs der Coca-Cola-Aktie? Wahrscheinlich gab es einen ganz anderen Grund für die jüngsten Kursverluste. Bild: EPA

Der Fußballstar Ronaldo trinkt lieber Wasser als Cola, das hat er öffentlichkeitswirksam vorgeführt. Doch für die anschließenden Kursverluste der Coca-Cola-Aktie gibt es wohl einen ganz anderen Grund, der mit der Gewinnausschüttung zu tun hat.

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          Geld schießt Tore, daher traut man millionenschweren Fußballern durchaus zu, auch die Börsenkurse bewegen zu können. Kein Wunder, dass die Kursverluste der Coca-Cola-Aktie Anfang der Woche mit einer denkwürdigen Pressekonferenz in Verbindung gebracht wurden, auf der Portugals Star Ronaldo die vor seiner empfindlichen Nase drapierten Cola-Flaschen vor laufenden Kameras abservieren ließ und stattdessen öffentlichkeitswirksam nach „Agua“ verlangte, also gewöhnliches Wasser. Das war noch vor dem Spiel Portugal gegen Ungarn, bei dem das Ausnahmetalent zwei Tore schoss.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ronaldo ließ sich auf der Pressekonferenz nicht einmal davon beeindrucken, dass der Getränkekonzern die Fußball-Europameisterschaft als Sponsor unterstützt. Die UEFA betonte sogleich, dass den Spielern selbstverständlich auch Cola ohne Zucker gereicht wird.

          Sogar das börsennotierte Unternehmen selbst sah sich zu einer beschwichtigenden Stellungnahme genötigt und beteuerte, dass jeder ein Recht darauf habe, nach einem Getränk seiner persönlichen Vorliebe zu verlangen. Die Kommunikationsspezialisten in den Konzernetagen wissen, dass das Image zuckerhaltiger Getränke einen sauren Nachgeschmack hat, weil zu viel Zucker ungesund ist. Vielleicht ist das sogar eine Achillesferse für das Geschäftsmodell.

          Auch an der Börse war der von Ronaldo angeordnete Getränkewechsel zu spüren, zumindest scheinbar, denn die Coca-Cola-Aktie gab zum Wochenstart deutlich gegenüber ihrem Schlusskurs aus der Vorwoche nach. Wer wollte, konnte sich sogar den Spaß machen und ausrechnen, wie viel Börsenwert dadurch vernichtet wurde – immerhin ein Volumen im unteren einstelligen Milliardenbereich.

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          Für die Aktie des Getränkeriesen sind solche Dimensionen jedoch noch nicht ungewöhnlich. Bemerkenswert aber war, dass die Kursbewegung mit Ronaldos öffentlich zur Schau gestellten Abneigung gegen die Zuckerbrause in Verbindung gebracht wurde.

          Für die Kursverluste gibt es aber auch eine weit weniger spektakuläre Erklärung, die sich im Kalender findet. Der Montag, also just der Tag des denkwürdigen Ronaldo-Auftritts, war nämlich gleichzeitig der Tag, an dem die Coca-Cola-Aktie erstmals ohne das Bezugsrecht für die bevorstehende Dividende gehandelt wurde. Nicht nur im Fall von Getränkeherstellern ist mit der Dividende die Ausschüttung von Gewinn an die Aktionäre gemeint. Die kriegen also flüssige Mittel.

          Coca-Cola schüttet vierteljährlich Dividenden aus. In diesem Fall geht es um die Dividende für das zweite Quartal in Höhe von 42 Cent je Aktie, die am 1. Juli fließen wird. Ohne das Bezugsrecht für die Dividende sind die Aktien entsprechend weniger Wert. Die jüngsten Kursverluste entsprachen daher auch in etwa der zu erwartenden Gewinnausschüttung.

          Ronaldo hat hier also bestes Gespür für den richtigen Moment bewiesen, ganz so, wie ihm das auf dem Fußballplatz auch immer wieder gelingt. Ob die Aktion Zufall war oder dem Drehbuch geschickter PR-Strategen folgte, darüber darf man rätseln. Immerhin ist Ronaldo nicht nur Spitzensportler sondern auch Medienprofi. Als solchem dürfte ihm klar sein, welche kommunikative Sprengkraft im Gesundheitsbewusstsein und dem heldenhaften Kampf gegen den Dickmacher Zucker steckt. Dass Konzerne schnell zum öffentlichen Feinbild werden können, erleben nicht nur Genussmittelhersteller. Auch Chemie- oder Tabakkonzerne machen diese Erfahrung immer wieder.

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