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EZB-Präsidentin : Lagarde: Wir haben die Inflation unterschätzt

EZB-Präsidentin Lagarde Bild: Reuters

Die EZB-Präsidentin hebt beim Weltwirtschaftsforum hervor: Die Notenbank müsse jetzt zumindest offen bleiben für Änderungen des Inflationsausblicks. Von anderer Seite gibt es heftige Kritik.

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          EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat bei einer Online-Veranstaltung des Weltwirtschaftsforums Davos eingeräumt, die Europäische Zentralbank habe die Inflation unterschätzt – wie andere Institutionen allerdings auch. Nun gingen Europas Währungshüter aber von sinkenden Teuerungsraten im laufenden Jahr aus. Allerdings sei der Ausblick „mit großer Unsicherheit behaftet“: „Das bedeutet also nicht, dass wir nicht offen sein müssten für Änderungen am Inflationsausblick“, sagte die EZB-Präsidentin.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine Lohn-Preis-Spirale, die die Inflation weiter antreiben könnte, sehe die EZB derzeit nicht. Die Inflation in Europa sei auch nicht „außer Kontrolle“. „Im Gegenteil“, sagte Lagarde, „wir gehen davon aus, dass sich die Energiepreise im Laufe des Jahres 2022 stabilisieren werden und dann werden die Inflationsraten allmählich zurückgehen.“

          Warten auf März-Prognosen der EZB

          „Wir werden in ein paar Monaten neue Projektionen haben“, sagte Lagarde mit Blick auf die für März erwarteten neuen Prognosen der Notenbank zu Inflation und Konjunktur im Euroraum. Viele Ökonomen erwarten, dass die Inflationsrate im Januar zurückgeht, unklar ist allerdings, wie stark, und wie hoch sie im weiteren Jahresverlauf ausfällt. 

          „Diese Prognosen könnten anders aussehen, und zu diesem Zeitpunkt werden wir unseren Fahrplan ansehen müssen“, sagte Lagarde. Die Äußerungen könnten ein Anzeichen dafür sein, dass die EZB auf ihrer Februar-Sitzung in zwei Wochen eher zurückhaltend bleibt – und weitere Entscheidungen erst im März trifft. Lagarde betonte mit Blick auf das Inflationsziel der Notenbank: „Wir werden handeln, sobald die Kriterien erfüllt sind, aber im Moment sind sie nicht erfüllt.“

          „Die Zentralbanker schlafen am Steuerrad“

          Kristalina Georgiewa, die geschäftsführende Direktorin des internationalen Währungsfonds (IWF), warnte bei der Veranstaltung vor Inflationsrisiken in den Vereinigten Staaten und hohen Schulden in Schwellen- und Entwicklungsländern. Sie stimmte mit Lagarde darin überein, dass die Inflation derzeit nicht nur von der Wirtschaftserholung und den Lieferengpässen getrieben werde, es spielten unter anderem auch geopolitische Faktoren eine Rolle. „50 Prozent der Inflation stammen von höheren Energiepreisen“, sagte Lagarde.

          Kritik am Verhalten der Notenbanken äußerte der brasilianische Wirtschaftsminister, Paulo Guedes. „Die Inflation wird überhaupt nicht transitorisch, also vorübergehend sein“, sagte er. „Die Zentralbanker schlafen am Steuerrad.“   

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