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Christian Rieck : Können Roboter mit Geld umgehen?

Christian Rieck hat ein Buch darüber geschrieben, ob Roboter die besseren Finanzberater sind. Bild: Wolfgang Eilmes

Seit vielen Jahren forscht Finanzprofessor und „Roboter-Versteher“ Christian Rieck über die Interaktion von Mensch und Maschine. Plötzlich wird seine Wissenschaft ganz aktuell.

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          Wer Christian Rieck vor fünf Jahren getroffen hätte, hätte vielleicht gedacht: Was ist das denn für ein langhaariger Professor mit abstrusen Ideen? Vor zwei Jahren wird er womöglich gedacht haben: Der hat ja einen interessanten Blick auf die Zukunft der Finanzdienstleistungen. Inzwischen aber gilt er nicht mehr als Visionär. „Dass es Leute unmittelbar betrifft, nehme ich erst seit diesem Jahr wahr“, erzählt der Finanzprofessor der Frankfurt University of Applied Sciences. „Es weiß aber noch keiner, was man daraus macht.“

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Rieck hat schon in den siebziger Jahren die Düsseldorfer Elektronikband Kraftwerk gehört. Vielleicht hat er sich deshalb schon früher als andere mit der Idee der „Mensch-Maschine“ befasst, die einem Album der Gruppe den Titel gab. Wenn er vor einem Fachpublikum von „Cyborgs“ sprach, erntete er zunächst Unverständnis. Doch inzwischen ist ein regelrechter Boom kleiner Fintech-Unternehmen festzustellen, die mit digitaler Technik etablierte Finanzdienstleister herausfordern. Was vorher wie esoterische Forschung wirkte, erhält aktuelle Relevanz. Riecks kleine Schrift „Können Roboter mit Geld umgehen? Die digitale Zukunft der Finanzberatung“ liest sich wie das Buch zur Zeit.

          „Inzwischen sind unsere Instrumente der künstlichen Intelligenz so weit, dass sie auch sinnvoll auf die Finanzbranche übertragen werden können“, schildert Rieck den Wandel. „Deshalb haben wir jetzt einen Angriff durch einen Heuschreckenschwarm. Jeder versucht, die Festung einzunehmen, jeder nagt an einem kleinen Steinchen.“

          Der Mensch gerät gegenüber dem Computer ins Hintertreffen

          Während Finanzinvestoren auf die Suche nach der nächsten disruptiven Idee gehen, die einen ganzen Markt verändert, beobachtet Rieck die Entwicklung aus seiner wissenschaftlichen Perspektive. „Der Angriff ist massiv: Es sind viele, sie wachsen exponentiell, und es gibt einen Paradigmenwechsel“, sagt er. Viele kleine Start-Ups kommen auf - mit Ideen, die den Zahlungsverkehr, die Vertragsverwaltung von Versicherungen oder gleich die gesamte Finanzberatung auf den Kopf stellen. Den etablierten Spielern bleibt nur, die Entwicklung abzuwarten. Denn Abwehrmaßnahmen könnten die eigene Position schwächen, glaubt Rieck.

          Dass die Finanzbranche erst jetzt angegriffen wird, habe sie einem besonderen Umstand zu verdanken. „Sie ist wesentlich betrugsanfälliger und wird deshalb stark reguliert“, sagt er. „So war es sehr schwer, dort mit neuen Technologien hineinzukommen.“ Junge Innovatoren suchten sich also zunächst Felder, in denen sie unmittelbar mit Neuerungen Erfolg haben konnten. Amazon und Ebay sind Kinder dieser Zeit. Den Vorteil, den ihre Technik bietet, könnten auch Fintechs für die Produktauswahl nutzen. „Wird die Auswahl wahnsinnig groß, kann es passieren, dass der einzelne Berater viel zu wenige Produkte kennt und deshalb gar nicht sinnvoll auswählen kann“, sagt Rieck. Menschliche Berater gerieten ins Hintertreffen gegenüber der Maschine. „Für einen Computer ist es kein Problem, Millionen Produkte zu überblicken. In dem Maße, in dem künstliche Intelligenz in der Lage ist, zu verstehen, was die andere Seite will, wird es richtig gefährlich für den natürlichen Berater.“

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