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Scherbaums Börse : Startet Aixtron nun richtig durch?

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Sitz von Aixtron in Herzogenrath. Bild: Picture Alliance

Im Hightech-Segment verfügt Deutschland über wenig global interessante Unternehmen. Eines davon ist Aixtron. Deren Fertigungsmaschinen für die Halbleiterindustrie sind gefragt, das spiegelt auch der Aktienkurs wider

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          Wenn Anleger sich die Top- und Flop-Listen des bisherigen Börsenjahres anschauen, werden sie schnell unter den wenigen Gewinnern auf die Aktie von Aixtron stoßen. Der Anlagenbauer aus dem westfälischen Herzogenrath gehört mit einem Kursplus von mehr als 40 Prozent zu den besten Aktien im Tec-Dax und M-Dax. Das Unternehmen zeigte sich zuletzt von den Belastungsfaktoren für die Gesamtwirtschaft unbeeindruckt – die Börse hat dies honoriert.

          Im jüngsten Quartalsbericht hieß es, dass die aktuellen globalen Krisensituationen und Marktentwicklungen insgesamt weiterhin nur geringe Auswirkungen auf das Geschäft hätten. Logistik und Lieferketten bleiben zwar angespannt, sind aus Aixtron-Sicht aber weiterhin stabil. Darüber hinaus kommen dem Unternehmen, das Fertigungsmaschinen für die Halbleiterindustrie herstellt, einige wichtige Trends zugute.

          Hohe Nachfrage bei stromsparenden Bauelementen

          Aixtron profitiert zum einen von einer hohen Nachfrage nach besonders stromsparenden Bauelementen, die zum Beispiel bei der Produktion von Solaranlagen, Elektroautos oder E-Auto-Tankstellen eine wichtige Rolle spielen. Aber auch im Bereich der Maschinen zur Herstellung von optoelektronischen Bauteilen wie beispielsweise LEDs lief es zuletzt rund. Auf diese Weise konnte Aixtron im zweiten Quartal 2022 den höchsten Auftragseingang seit elf Jahren verbuchen, während Umsatz und Gewinn erheblich gesteigert werden konnten.

          Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          Im ersten Halbjahr legten die Bestellungen um 7 Prozent auf 282,8 Millionen Euro zu, im zweiten Quartal um knapp 10 Prozent auf 152,6 Millionen Euro. Das Management verwies dazu auf die weiterhin hohe Nachfrage über nahezu alle Endmärkte hinweg, insbesondere aber nach Anlagen zur Volumenproduktion von Micro LEDs als auch effizienter Leistungselektronik basierend auf den Materialsystemen Siliziumkarbid (SiC) und Galliumnitrid (GaN).

          Der Anlagenauftragsbestand zum 30. Juni lag bei 314,4 Millionen Euro im Vergleich zu 295,0 Millionen Euro zum Vorjahresstichtag. Die Umsatzerlöse kletterten im ersten Halbjahr um 63 Prozent auf 191,1 Millionen Euro, während das Betriebsergebnis (EBIT) sogar um 537 Prozent auf 31,4 Millionen Euro verbessert werden konnte. Die entsprechende EBIT-Marge lag bei 16 Prozent. Entsprechend ist Aixtron positiv für das Gesamtjahr gestimmt:

          Die Ziele für das Gesamtjahr 2022 wurden bestätigt. Der 2022er-Auftragseingang wird zwischen 520 und 580 Millionen Euro gesehen, während die Umsätze einen Wert zwischen 450 und 500 Millionen Euro erreichen sollen. Zudem erwartet der Vorstand eine Bruttomarge von etwa 41 Prozent sowie eine EBIT-Marge von etwa 21 bis 23 Prozent.

          Analysten raten jetzt mehrheitlich zum Kauf

          Angesichts einer solchen Entwicklung ist es wenig verwunderlich, dass sich auch die meisten Analysten zufrieden zeigten. Unterm Strich raten die meisten zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 29 Euro. Bei Berenberg wurde vor allem die positive Überraschung beim Auftragseingang hervorgehoben. Diese sorgte dafür, dass das Kursziel für die Aixtron-Aktie von 26 auf 28 Euro angehoben wurde, während die „Buy“-Einschätzung bestätigt wurde. Auch bei der Deutschen Bank (Rating: „Buy“; Kursziel: 27 Euro) sowie bei Warburg Research stand der über den Erwartungen liegende Auftragseingang im Fokus. Bei letzterem lagen Kursziel und Rating für die Aixtron-Aktie ebenfalls bei 27 Euro beziehungsweise „Buy“.

          AIXTRON

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          Die Aktie von Aixtron gehört aber nicht erst seit Anfang des Jahres zu den Gewinnern. Bereits in den vergangenen beiden Jahren zählte das Papier zu den Highflyern aus dem deutschen Tech-Bereich. Nach einem Corona-bedingten Rückschlag im März 2020 auf 6 Euro gingen die Notierungen in eine steile, volatile Aufholrrally über, im Zuge der es bis zum Mai 2022 auf ein Elfjahreshoch bei 28 Euro nach oben ging.

          Nach einer Korrektur bis zum Juli auf 20 Euro konnte der Kurs inzwischen wieder auf zeitweise 25 Euro zulegen. Setzt sich die Aufwärtsbewegung fort, stellt sich charttechnisch das nächste Kursziel auf das Mai-2022-Top bei 28 Euro, darüber wäre das 2011er-Jahreshoch bei 34 Euro das nächste Ziel.

          Auch wenn Aixtron derzeit charttechnisch sehr aussichtsreich ist, war die Aktie für Langfristanleger bisher nicht die beste Wahl. In der Vergangenheit gab es hier immer wieder steile Berg-und-Tal-Fahrten, weshalb sich beispielsweise auf 20-Jahressicht nur ein moderater Kursgewinn von im Schnitt 6,4 Prozent pro Jahr errechnet. Im gleichen Zeitraum legten die Vergleichsindizes M-Dax und Tec-Dax dagegen um durchschnittlich 11,1 und 9,3 Prozent jährlich zu.

          Für viele Anleger, die in der Vergangenheit auf einem hohen Kursniveau einstiegen, war Aixtron sogar ein regelrechter Kapitalvernichter. Das zeigt sich daran, dass die Aixtron-Aktie trotz der starken Kursentwicklung seit dem Frühjahr 2020 immer noch weit unter den ehemaligen Rekordhochs aus dem Jahr 2000 von mehr als 87 Euro notiert. Aber wie sagte einst so schön Börsen-Altmeister André Kostolany: „An der Börse ist alles möglich. Auch das Gegenteil.“

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